Bier mit positivem Einfluss auf die Verwertung von Kohlenhydraten?


Über den Einfluss von Alkohol auf die sportliche Leistungsfähigkeit und den Aufbau von Muskelmasse wurde schon sehr häufig diskutiert, da hier viele Personen definitiv unterschiedlicher Meinung sind. Die einen behaupten, dass ein kleines Bier hier und da keine negativen Effekte hat, während andere wiederum der Ansicht sind, aufgrund der nachteiligen Auswirkungen jede Art von alkoholischem Getränk vermeiden zu müssen. Es ist deshalb nicht uninteressant zu lesen, zu welchen Erkenntnissen diesbezüglich eine aktuelle Studie vom Federal Institute of Education, Science and Technology of Rio de Janeiro kam!

Wer sich mit dem Thema bereits umfassender beschäftigt hat, der wird eventuell darauf gestoßen sein, dass alkoholfreies Bier ein sehr gutes Sportgetränk sein kann. Durch die Veröffentlichung der neusten Studie von Luciana C. Nogueira scheint nun aber klar zu werden, dass Bier mit Alkohol mindestens genauso viele Vorteile mit sich bringt wie Bier ohne Alkohol. Dazu zählen beispielsweise der blutdrucksenkende Effekt, der hohe Magensiumgehalt und das Vorhandensein von Glutathionvorstufen und aktiven immunmodulatorischen Peptiden und Proteinen. Die Präsenz von mehr als 35 phenolischen Verbindungen, die im Hopfen und im Malz vorkommen, ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen.

Offensichtlicherweise sind das gute Nachrichten, denn Bier ist das am meisten konsumierte alkoholische Getränk der Welt. Die Tatsache, dass die Studie von Nogueira signifikant positive Gesundheitseffekte bei 15 gesunden erwachsenen Männern zeigen konnte, ist demnach fast schon wichtig für die Menschheit, auch wenn das natürlich ein wenig übertrieben dargestellt ist. Insgesamt gab es bei der wissenschaftlichen Untersuchung drei Versuchszeiträume zu je 30 Tagen.

Abbildung 1: Die billigsten Preise für Bier laut statista.com.

In den ersten 30 Tagen verfolgten die Probanden, die Nichtraucher waren und keine Lebererkrankung oder sonstige Krankheiten aufwiesen, die den Alkoholstoffwechsel beeinflussen könnten, ihr normales Essverhalten ohne Alkohol zu trinken [Baseline]. Grundsätzlich galt ihr Alkoholkonsum als niedrig bis moderat. Die zweiten 30 Tage konsumierten die Testpersonen 330ml alkoholfreies Bier pro Tag [NAB], während sie die letzten 30 Tage täglich 330ml Bier mit Alkohol tranken [AB].


Angemerkt werden sollte, dass nicht alle Biere auf die gleiche Art und Weise produziert werden. Es ist also nicht zu garantieren, dass jedes Bier die gleichen Gesundheitsvorteile mit sich bringt wie das in der Studie verwendete. Schaut man sich aber die Eigenschaften des Biers an, das die Probanden tranken, kann man wohl spekulieren, dass die Effekte sich auf ein herkömmliches Pils übertragen lassen.

Tabelle 1: Charakterisierung der Bierqualitätsindikatoren (Nogueira 2017)


Im Gegensatz dazu, was die Weinindustrie versucht hat uns glauben zu lassen, zeigte Bier ähnliche, wenn nicht sogar stärker ausgeprägte Vorteile als Wein. Es stellte sich nämlich heraus, dass der Konsum von alkoholischem Bier [AB] über einen Zeitraum von 30 Tagen (16g Alkohol pro Tag) sowohl die Blutinsulin- als auch die Blutzuckerwerte im gefasteten Zustand signifikant verringerte und zusätzlich eine bestehende Insulinresistenz ebenfalls signifikant verringert wurde.

Wie die Forscher richtig aufzeigen, sei ihre Studie die Erste, deren Ergebnisse demonstrieren würden, dass 330ml alkoholisches Bier die Insulinsensivität und die Lipidwerte in erwachsenen Männern statistisch verändern können. Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass sich die Blutfettwerte statistisch signifikant verschlechterten.

Abbildung 2: 330ml alkoholisches Bier täglich für 30 Tage hatte eindrückliche anti-diabetische Effekte. Der Insulin Index ist auf der linken, der Blutzucker Index auf rechten Achse zu sehen.

Was besonders überraschend ist: Der krankmachende Effekt auf das HDL/LDL Verhältnis war während den 30 Tagen mit dem alkoholfreien Bier ausgeprägter, auch wenn der Unterschied nicht statistisch signifikant war. Das steht in Kontrast zu bisherigen Studien, die zeigten, dass Alkoholkonsum im Allgemeinen und das Trinken von Bier im Speziellen langfristig mit einer Reduktion der Triglyceridwerte in Verbindung steht.

Zudem erhöhte der Konsum von alkoholfreiem Bier die Triglyceridwerte der Probanden in ähnlichem Ausmaß wie andere zuckerhaltige Getränke ohne Alkoholzusatz. Der zuvor hervorgehobene Vorteil auf die Glukoseverwaltung, der in auch in epidemiologischen Studien beobachtet wurde, konnte ebenfalls nicht gezeigt werden.

Abbildung 3: Alkoholart und Menge, wenn es um die Effekte auf das Risiko für Diabetes Typ 2 geht.

Man kann also annehmen, dass es der moderate Alkoholkonsum und nicht etwa eines der zahlreichen Phenole im Bier war, der sich positiv auf die Glukoseverwaltung auswirkte. Um den Mechanismus genauer zu verstehen, brauchen wir jedoch Molekularanalysen ergänzend zu den Gesundheitsparametern, die von den Wissenschaftlern nicht berücksichtigt wurden. Das ist bedauerlich, denn andere aktuelle Studien scheinen die Idee zu verwerfen, dass Alkohol der Auslöser für die hier erwähnten Positiveffekte ist. Forscher von der Stanford University beispielsweise fanden keinen signifikanten Effekt von moderatem Wein- oder Wodkakonsum. Ihre Probanden waren allerdings zum Beginn des Experiments insulinresistent und zudem war die verabreichte Menge an Alkohol größer.

Demnach ist es wohl ein angebrachter Vorschlag, sich auf die Ergebnisse der aktuellsten Meta-Analyse von Schrieks et al. zu berufen, die zur Schlussfolgerung kam, dass „die derzeitige Beweislage verringerte Insulinwerte im Fastenzustand und verringerte Konzentrationen an HbA1c unter Probanden ohne Diabetes bescheinigt“.

Was ist also die Quintessenz der Studie von Nogueira? Im Gegensatz dazu, was viele Menschen mit Sicherheit denken, scheint Bier sich bei gesunden Männern jungen und mittleren Alters über einen Zeitraum von 20 Tagen positiv auf die Glukoseverwaltung auszuwirken und demnach das Risiko für Diabetes Typ 2 zu verringern. Zumindest wenn es in moderaten Mengen getrunken wird. Teilweise sollten die Effekte mit dem Alkoholgehalt zusammenhängen, da sie eben beim Konsum von alkoholfreiem Bier nicht beobachtet werden konnten. Die Verschlechterung des HDL/LDL Verhältnisses, die sowohl bei alkoholfreiem als auch bei alkoholischem Bier nachgewiesen werden konnte, ist grundsätzlich kein Grund zu Sorge, vor allem wenn man noch keine Probleme mit den Blutfettwerten hatte!


Quelle: suppversity.blogspot.de/2017/06/330mld-beer-for-30-days-will-sign.html
Referenzen:
Franco L, Sánchez C, Bravo R, Rodríguez AB, Barriga C, Romero E, Cubero J. The sedative effect of non-alcoholic beer in healthy female nurses. PLoS One. 2012;7(7):e37290. Epub 2012 Jul 18.
Huang, Shue, et al. „Longitudinal study of alcohol consumption and HDL concentrations: a community-based study.“ The American Journal of Clinical Nutrition 105.4 (2017): 905-912.
Kao, WH Linda, et al. „Alcohol consumption and the risk of type 2 diabetes mellitus: atherosclerosis risk in communities study.“ American Journal of Epidemiology 154.8 (2001): 748-757.
Koletzko B, Lehner F. Beer and breastfeeding. Adv Exp Med Biol. 2000;478:23-8. Review.
Nogueira, Luciana C., et al. „Moderate Alcoholic Beer Consumption: The Effects on the Lipid Profile and Insulin Sensitivity of Adult Men.“ Journal of Food Science (2017): ahead of print.
Schrieks, Ilse C., et al. „The effect of alcohol consumption on insulin sensitivity and glycemic status: a systematic review and meta-analysis of intervention studies.“ Diabetes Care 38.4 (2015): 723-732.

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