Langzeitnebenwirkungen von Steroiden bei Elitesportlern nicht so drastisch wie gedacht?


Dass leistungssteigernde Substanzen sowohl im Bodybuilding als auch in anderen Leistungssportarten eine nicht unwesentliche Rolle spielen, sollte aller Voraussicht nach kein allzu großes Geheimnis mehr sein. Einige Zuschauer sehen beim Konsum illegaler Mittel kein großes Problem, da es eben „jeder mache“, während andere wiederum das Ganze verteufeln und nicht selten mit diversen Folgeschäden argumentieren. Ob die Langzeitnebenwirkungen von Steroiden und Co. tatsächlich so schlimm sind, wie oftmals angenommen, stellt eine aktuelle Studie nun allerdings infrage!

Eliteathleten, die vor Jahrzehnten Steroide konsumiert haben, sollen demnach mit größerer Wahrscheinlichkeit an Depressionen, Angststörungen und kaputten Sehnen, allerdings nicht an kardiovaskulären Erkrankungen leiden. Suchtforscher an der University of Gothenburg in Schweden wollen dies herausgefunden haben, nachdem sie insgesamt 683 ehemalige Profisporlter untersuchten. Die besagte Studie legt außerdem nahe, dass Steroidkonsum das Risiko für Prostatawachstum und Libidoprobleme sogar verringern könnte.

Die Forscher befragten schwedische Eliteathleten, die in der Vergangenheit (zwischen 1960 und 1980) für den Steroidkonsum bekannte Sportarten betrieben. Unter anderem werden diesbezüglich Powerlifting, Gewichtheben, Ringen und Diskuswerfen genannt. Befragt wurden die Sportler in Bezug auf ernsthafte Gesundheitsprobleme, die sie im Laufe ihres Lebens entdeckt haben könnten. Von den 683 Athleten, die den vorgesetzten Fragebogen ausfüllten, gaben 143 zu, dass und wie lange sie während ihrer Karriere anabole Steroide verwendet haben.

Auf der nachfolgenden Grafik werden die mehr oder weniger statistisch signifikanten Beziehungen dargestellt. Die Verwendung von Steroiden erhöhe demzufolge auf lange Sicht die Wahrscheinlichkeit für kaputte Sehnen, Depressionen und Angststörungen. Was jedoch komisch ist: Das Risiko für Prostatawachstum und eine reduzierte Libido scheint verringert zu werden. 

Die bemerkenswerteste Sache an der epidemiologischen Studie ist allerdings das, was die Wissenschaftler nicht gefunden haben, denn wo sind die oft mit Steroiden in Verbindung gebrachten Schlaganfälle, Herzattacken oder anderen kardiovaskulären Erkrankungen? Sie scheinen nicht feststellbar gewesen zu sein. Die Schweden vermuten in diesem Zusammenhang, dass die Probanden zu damaligen Zeiten noch geringe Dosierungen der leistungssteigernden Substanzen verwendet haben und deshalb die kardiovaskulären Gesundheitsschäden minimal ausfielen.

In ihrem Fazit schreiben die Forscher, dass Steroidkonsum stark in einer Verbindung mit psychischen Problemen stehe, was durch eine längere Einnahme noch intensiviert werde. Das werfe vor allem die Frage auf, ob die gesundheitlichen Effekte bezüglich der Einnahme von leistungssteigernden Substanzen dosis- und frequenzabhängig sind.

Wie die Schweden weiter schlussfolgern, habe man hinsichtlich physischer Negativeffekte, bis auf die kaputten Sehnen, keine größeren Unterschiede zwischen ehemaligen Steroidkonsumenten und sauberen Athleten feststellen können. Interessant sei außerdem, dass insbesondere bei weniger fortgeschrittenem Konsum keine nachteiligen Auswirkungen auf das Prostatawachstum beobachten werden konnten, was die Wissenschaftler mit einem durch die Steroide ausgelösten relativen Hypogonadismus zu erklären versuchen, der sich wiederum positiv auf das Prostatavolumen auswirken soll. Für die reduzierten Libidoprobleme haben die Forscher keine Erklärung parat.

Man müsse ihre Funde laut Aussage der schwedischen Forscher ohnehin als Hypothese betrachten, die weiter untersucht werden sollte. Zusätzlich dazu muss gesagt sein, dass die Dosierungen früher wohl, wie bereits angemerkt, deutlich geringer ausfielen als heutzutage, weshalb man die Ergebnisse nicht auf den heutigen Stand der Dinge übertragen sollte. Ebenfalls sollte kein Vergleich zum Bodybuilding angestellt werden, wo teilweise mit noch größeren Steroidmengen experimentiert wird!

Anabole Steroide sind entweder verschreibungspflichtig oder überhaupt nicht mehr aus einer Apotheke zu beziehen. Derartige Substanzen ohne Rezept zu erwerben oder zu besitzen ist strafbar. Zudem kann die Verwendung sowohl kurzfristige als auch dauerhafte körperliche Schäden mit sich bringen, weshalb wir vom Konsum dringlichst abraten!


Quelle: ergo-log.com/impact-of-long-term-use-of-steroids-in-elite-athletes.html
Referenzstudie: dx.doi.org/10.1016/j.jsams.2017.03.008

http://www.gannikus.com/qri5

Kommentare

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nach oben
Gannikus.com

Gannikus.com