Meta-Analyse enthüllt: Wissenschaft wird beeinflusst!


Ob es sich nun um Religion, Politik, tägliche Gewohnheiten oder Beziehungen handelt, viele Dinge werden mit Meinung oder Glauben begründet. Die Wissenschaft ist jedoch zumindest vordergründig anders und sollte jegliche Verzerrung ausschließen. Die Tatsache, dass die Wissenschaft auf physikalischen Gesetzen basiert, bedeutet letztlich, dass es sich um eine disziplinierte und beständige Vorgehensweise handelt, um Naturereignisse erklären zu können. Systematische Beobachtungen, Messungen, Experimente und die Formulierung, Prüfung und Modifikation von Hypothesen wurden etabliert, um auf empirischen Daten aufgebaut das akkurateste Wissen zu gewährleisten!

Dennoch scheinen laut einer Meta-Analyse auch die striktesten wissenschaftlichen Methoden nicht auszureichen, um Verzerrungen auszuschließen.

Das PLOS Journal publizierte diesbezüglich eine Nachprüfung von 35 wissenschaftlichen Berichten, die auf „spin“ untersucht wurden. Unter spin versteht man grob übersetzt, wenn man die Wahrheit beziehungsweise das Ergebnis verdreht. Etwas ausführlicher definieren lässt es sich auch als „Praktiken der Berichterstattung, in Folge derer die Interpretation der Resultate wie gewünscht verfälscht wird, um den Leser irrezuführen.


Streng genommen ist also nicht die Forschung an sich verzerrt, sondern die Präsentation oder die Kommunikation der Ergebnisse. Ein solches Verdrehen von Fakten ist gefährlich, da dadurch die Entwicklung von zukünftigen Studien, klinischer Praktiken und Gesundheitsstrategien negativ beeinflusst werden könnte.  


Wissenschaft sollte zwar vollkommen unbefangen sein, doch das scheint einer Meta-Analyse zufolge nicht immer der Fall zu sein.

Alle bis auf einen der besagten 35 Berichte wurden innerhalb der letzten zehn Jahre veröffentlicht, 22 davon sogar in den letzten fünf. Darunter waren randomisiert kontrollierte Studien, Umfragen und Dokumente von Behörden oder Unternehmen.

Die Studiengebiete der untersuchten Literatur waren verschieden, allerdings wurde der Fokus auf biomedizinische Interventionen gelegt!

Spin, sprich kurz gesagt die verfälschte Darstellung von Ergebnissen, wurde von den Forschern insgesamt noch auf vier weitere Arten definiert:

  1. Praktiken der Berichterstattung, in Folge derer Ergebnisse verfälscht dargestellt und irreführende Schlussfolgerungen geschaffen werden, um ein positiveres Resultat zu suggerieren.
  2. Unstimmigkeiten zwischen Ergebnissen und deren Interpretation, wobei die Interpretation positiver ausfällt als die tatsächlichen Ergebnisse.
  3. Unterschiebung eines kausalen Zusammenhangs, obwohl das Studiendesign es nicht zulässt.
  4. Resultate werden in gewisser Weise „überinterpretiert“ oder unpassend extrapoliert.

Die Ergebnisse der Meta-Analyse

  • 100 Prozent der Texte in Bezug auf Versuche mit einem implantierbaren Defibrillator enthielten rhetorische Praktiken, die zur Verzerrung der Wahrheit führten.
  • 9,7 Prozent von Versuchen hinsichtlich der systemischen Therapie von Lungenkrebs waren mit Schlussfolgerungen versehen, die nicht mit den Ergebnissen der eigentlichen Studie übereinstimmten.
  • 30 Prozent der Abstracts (Zusammenfassungen) von Studien mit nicht signifikanten Resultaten wiesen im Fazit ein hohes Niveau der verfälschten Darstellung von Ergebnissen auf.
  • 22 Prozent der Haupttexte von Studien mit nicht signifikanten Resultaten wiesen im Fazit ein hohes Niveau der verfälschten Darstellung von Ergebnissen auf.

Zu denken, dass die Wissenschaft, die völlig unbefangen sein sollte, durch den Faktor Mensch beeinflusst werden könnte, ist demnach nicht nur nicht abwegig, sondern fast schon realistisch. Nicht selten werden beispielsweise Studien über ein Produkt vom Hersteller selbst finanziert, um ein gewünschtes Ergebnis zu erreichen oder das Resultat zum Positiven zu verdrehen.

Was aber kann man machen, um das zu verhindern und die Wissenschaft so unvoreingenommen wie möglich zu belassen?

Die Forscher macht einige Vorschläge:

  1. Beispielsweise von Journal Redakteuren sollte geprüft werden, ob das Abstract und die Schlussfolgerung einer Studie mit den Ergebnissen zusammenpassen, unangebracht kausale Zusammenhänge hergestellt wurden oder etwas zu sehr verallgemeinert wurde.
  2. Klinische Praktiken und gesundheitliche Richtlinien sollten auf systematischen Überprüfungen von Studien basieren, um sicherzustellen, dass Empfehlungen nicht wegen irreführender Schlussfolgerungen, sondern anhand der tatsächlichen Datenlage ausgesprochen werden.
  3. Die vollständige Offenlegung der Daten oder die Interpretation veröffentlichter Daten von anderen Wissenschaftlern könnte das Auftreten von verfälschten Darstellungen reduzieren.
  4. Innerhalb der Hochschulen sind Reformen notwendig, um Forschungsanreize und Belohnungsstrukturen zu verändern, sodass „positive“ Schlussfolgerungen bei Studien nicht absichtlich fehlerhaft getroffen werden.

Unter dem Strich bedeutet das Ganze, dass man sich auch bei Studien nie sicher sein kann, ob das Fazit nicht von den tatsächlichen Ergebnissen abweicht. Wenn Menschen an etwas beteiligt und zudem finanzielle Interessen im Spiel sind, werden manche Dinge gut und gerne auch einmal so dargestellt, wie man sie eben dargestellt haben möchte!


Quelle: breakingmuscle.com/fitness/meta-analysis-reveals-even-science-doesnt-truly-escape-bias
Referenzstudie:
journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.2002173

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