Wissenschaftler finden falsches Hormon in IGF-1 aus Untergrundlabor


Neben dem Human Growth Hormone (HGH), ist Insulin-like Growth Factor-1 (IGF-1) wohl eines der bekanntesten Hormone unter Bodybuildern. HGH und IGF-1 sind beide in der Lage, direkt positiv auf die Proteinbiosynthese einzuwirken, während Insulin vor allem den Abbau von Proteinen verhindert (1). Künstlich hergestelltes (rekombinantes) humanes IGF-1 ist nur für eine ganz kleine Gruppe von Wachstumsstörungen zugelassen und daher ist der Zugriff auf IGF-1 aus der Apotheke sehr schwer. Viele Athleten greifen daher auf IGF-1 aus sogenannten Untergrundlaboren zurück – mit ungewisser Qualität. Ein besonders krasser Fall wurde kürzlich in einem Fachmagazin für Drogenanalyse und -tests (Drug Testing and Analysis) von einem Labor aus Belgien veröffentlicht (2). Was die Wissenschaftler dabei fanden, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel!

Die Wissenschaftler um Celine Vanhee arbeiten am wissenschaftlichen Institut für öffentliche Gesundheit (Scientific Institute of Public Health). Ihnen wurde von einer belgischen Behörde (Federal Agency for Medicines and Health Products), die in etwa vergleichbar ist mit der amerikanischen FDA, eine verdächtige Packung mit der Aufschrift IGTropin (rekombinantes humanes IGF-1) zur Analyse übergeben. Schon alleine die Verpackung erscheint auffällig, denn so findet sich ein Schreibfehler in rekonbinant. Nach Auflösen des Pulvers in Wasser unterzogen die Wissenschaftler das Produkt einer Art Schnelltest (Western Blot), bei dem sie zu ihrem Erstaunen feststellen mussten, dass überhaupt kein IGF-1 darin enthalten war.

Ein Foto des getesteten Produkts namens IGTROPIN.

Um nun heraus zu finden, was denn das Pulver genau war, mussten sie aufwendigere Tests (Flüssigchromatographie und Massenspektrometrie) durchführen. Auf diese Weise gelang es den Wissenschaftlern, die enthaltene Substanz zu identifizieren: Es handelte sich um Epidermal Growth Factor (EGF). Obwohl nur ein Buchstabe im Namen sich unterscheidet, haben wir es dabei mit einem völlig anderen Hormon zu tun. Die einzigen bekannten Anwendungsgebiete in der Medizin sind Wundheilung bei Auftragen einer Salbe. Zudem wird es in der Kosmetikindustrie zur „Hautverjüngung“ eingesetzt, ohne dass es einen Nachweis über die Wirksamkeit gäbe. Im Gegensatz dazu sind die Effekte bei systematischer Injektion überhaupt nicht untersucht. Im Gegenteil: Körpereigenes EGF spielt eine Rolle bei der Entstehung von bestimmten Tumoren, da es das Zellwachstum fördern kann (3). Gewonnen werden kann es zudem sehr günstig aus Milch oder Urin. Auch das ist wohl nicht gerade eine schöne Vorstellung, wenn es zur Injektion genutzt wird. Es ist jedenfalls zusammenfassend kein Hormon, dass man sich gerne injizieren möchte.

Der Grund für den falschen Inhalt bleibt unklar. Es könnte sich um eine „einfache“ Verwechslung handeln, was schlimm genug wäre. Es kann aber natürlich auch sein, dass die Hersteller des Untergrundlabors wissentlich EGF anstatt IGF-1 genommen haben, weil es zum einen einfacher verfügbar und zum anderen deutlich günstiger herzustellen ist.

Als Fazit bleibt festzuhalten: Wer auf Produkte aus Untergrundlaboren zurückgreift, der muss sich im Klaren sein, dass die Qualität nicht der eines Apothekenproduktes entspricht. Bei der hier beschriebenen Studie handelt es sich sicher um einen besonders krassen Fall, aber dennoch ist beim Umgang mit verschreibungspflichtigen Substanzen aus unbekannter Herkunft stets Vorsicht geboten!

Anabole Steroide, Wachstumshormone und ähnliche Stoffe sind entweder verschreibungspflichtig oder überhaupt nicht mehr aus einer Apotheke zu beziehen. Derartige Substanzen ohne Rezept zu erwerben oder zu besitzen ist strafbar. Zudem kann die Verwendung sowohl kurzfristige als auch dauerhafte körperliche Schäden mit sich bringen!


Quellen:
(1) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19467615
(2) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19427611
(3) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23953842

http://www.gannikus.com/qri5

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