Olivenblattextrakt für besseren Muskelaufbau?


Oleuropein ist eine Verbindung, die natürlicherweise im von vielen Menschen verwendeten Olivenöl vorkommt und dem Körper dabei hilft, Protein deutlich ökonomischer zu verwerten. In einer japanischen Tierstudie, veröffentlicht im Journal of Nutritional Biochemistry, speicherten Ratten mit proteinreicher Nahrung knapp 50 Prozent mehr Protein, wenn man ihrem Futter größere Mengen an Oleuropein zusetzte. Hinzu kam, dass die Versuchstiere gleichzeitig mehr Testosteron und weniger des Stresshormons Cortisol produzierten!

Generell findet man Oleuropein in Oliven, Olivenöl und Blättern des Olivenbaums. Supplements mit Olivenblattextrakt, das logischerweise ebenfalls den besagten Naturstoff enthält, sind bereits seit zahlreichen Jahren auf dem Markt erhältlich und gute Extrakte mit größeren Prozentzahlen an Oleuropein sind mittlerweile auch nicht ganz so teuer wie zu damaligen Zeiten.

Die Strukturformel der Substanz seht ihr im nachfolgenden Bild auf der linken Seite. Mit ein wenig chemischer Bastelei kann man die Glukose Gruppe vom Oleuropein Molekül entfernen, wodurch man eine abgespeckte Version enthält, die Chemiker als Aglycon bezeichnen. Die Japaner in der zuvor angesprochenen Studie experimentierten jedoch mit der natürlichen Version von Oleuropein. 



Sieben Jahre vor der hier thematisierten Studie, die nebenbei bemerkt aus 2013 stammt, hatten dieselben japanischen Forscher schon darüber berichtet, dass natives Olivenöl den Stoffwechsel von Ratten anregt. Auch in diesem Fall soll Oleuropein der Auslöser gewesen sein, wie sie später herausgefunden haben wollen. Das Phenol habe die Sekretion von Adrenalin und Noradrenalin, wodurch die braunen Fettzellen dazu angeregt wurden sein sollen, mehr Fettsäuren zu verbrennen.

Die Entdeckung der adrenergen Effekte von Oleuropein veranlasste einige Hersteller, den Stoff in Supplements für Kraftsportler einzusetzen. Als Beispiel kann man hier den Booster The Curse von Cobra Labs nennen, der Oleuropein in unbekannter Menge enthält. Die Kombination mit Koffein soll dem Konsumenten einen „extremen mentalen Fokus“ geben, wenn man dem Hersteller diesbezüglich Glauben schenken mag.



Vor knapp 20 Jahren haben die Wissenschaftler aus Japan in einer Studie feststellen könne, dass Knoblauch einen ähnlichen Effekt hat wie nun bei Oleuropein herausgefunden. Sie haben dazu Knoblauch mit einer proteinreichen Ernährung kombiniert und beobachtet, dass die Versuchstiere einen erhöhten Anabolismus zeigten, mehr Stickstoff speicherten und sowohl mehr Testosteron als auch weniger Cortisol produzierten. Dies war eigentlich der Auslöser dafür, warum sie das deutlich aktuellere Experiment mit Oleuropein starteten. Sie wollten wissen, ob der Naturstoff sich ähnlich wie Knoblauch verhalten könnte.

In ihrer Studie aus dem Jahr 2013 fütterten die Forscher drei Gruppen von Ratten mit Nahrung, die zu 10, 25 oder 40 Prozent aus Protein [Casein] bestand. Der Hälfte der Tiere in jeder Gruppe wurde zusätzlich 1g Oleuropein pro Kilo Körpergewicht verabreicht.

Daraufhin zählten die Japaner die Anzahl an Stickstoff Molekülen im Urin und Stuhlgang der Ratten, womit sie ermitteln konnten, wie viel Stickstoff gespeichert wurde. Je mehr Stickstoff man speichert, desto mehr Eiweiß baut der Körper auf, denn Stickstoff ist ein essentieller Bestandteil von Proteinen.

Auf der folgenden Abbildung sieht man, dass die Ratten verhältnismäßig mehr Stickstoff speicherten, wenn sie mehr Oleuropein zu sich nahmen. In der Gruppe, die Nahrung mit dem höchsten Proteinanteil zuführte, konnte die Supplementation mit Oleuropein die Menge an gespeichertem Stickstoff um 46 Prozent erhöhen.



Bei den Ratten, die große Mengen an Protein verzehrten, konnte Oleuropein die Konzentration an Testosteron in den Hoden der Tiere verdreifachen, während es die Menge an Cortisol im Blut um mehr als die Hälfte verringerte. 



Die nächste Grafik enthüllt den Mechanismus, durch den Oleuropein die Testosteronproduktion angekurbelt haben könnte. Demnach erhöhte sich die Konzentration an LH, je mehr Oleuropein die Forscher in den Kreislauf der Ratten brachten. Diese erhöhte Ausschüttung wiederum könnte eine Konsequenz der höheren Adrenalin- und Noradrenalinwerte sein, die durch Oleuropein zustande kamen. Das vermuten zumindest die Japaner.



Geht es nach den Forschern, dann sind die besagten hormonellen Effekte der Schlüssel, um die anabolen Auswirkungen von Oleuropein zu erklären. Sie schlussfolgern deshalb, dass eine Supplementation mit dem Phenol den Proteinaufbau steigere und gleichzeitig den Proteinabbau hemme, was durch eine Stimulation von Steroidhormonen via Adrenalin und Noradrenalin zustande komme. Schlussendlich resultiere dies in höheren Testosteronwerten und geringeren Cortisolspiegeln bei Ratten, die mit einer proteinreichen Ernährung gefüttert werden.

Interessanterweise legten die Ratten, die mit zusätzlichem Oleuropein gefüttert wurden, nach Prüfung der Wissenschaftler nicht an Gewicht zu, obwohl der Effekt auf die Körperkomposition nicht ausführlich untersucht wurde. Die Versuchstiere wurden hingegen schlanker, sprich die Fettdepots scheinen kleiner geworden zu sein.

Umgerechnet wurde den Ratten täglich 50mg Oleuropein verabreicht. Konvertiert man diese Menge zu menschlichen Proportionen, kommt man auf 8mg Oleuropein pro Kilo Körpergewicht. Ein 80 Kilo schwerer Athlet müsste demzufolge 640mg Oleuropein pro Tag zuführen. Bei gängigen Extrakten, die für gewöhnlich auf 20 bis 25 Prozent des Stoffs standardisiert sind, ist das allerdings eine nicht wirklich billige Angelegenheit!


Quelle: ergo-log.com/oleuropein-boosts-testosterone-lowers-cortisol-stimulates-anabolism.html
Referenzstudie: ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22901687

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