Süßstoffe – hilfreich oder hinderlich?


Die möglichen Vorteile und Nachteile künstlicher Süßstoffe und von Light Getränken werden immer wieder heiß diskutiert. Kritiker führen an, sie würden Adipositas fördern, das Risiko für Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen erhöhen und metabolische Störungen verursachen.


Ein beliebtes Argument gegen den Konsum von süß schmeckenden und gleichzeitig kalorienfreien bzw. kalorienärmeren Speisen und Getränken ist, dass es den Appetit beeinflusst und in die physiologische Regulierung der Energieaufnahme eingreift.

Cola Light, Coke Zero und auch andere Light Getränke sind beliebte Helferlein, denen sich viele Menschen auf Diät gerne bedienen.

Cola Light, Coke Zero und auch andere Light Getränke sind beliebte Helferlein, denen sich viele Menschen auf Diät gerne bedienen.

Im März 2015 wurde eine Beobachtungsstudie veröffentlicht, durch die Schlagzeilen aufkamen, nach denen der Konsum von Light Getränken in Verbindung mit dem Bauchwachstum stehe. Wie es jedoch desöfteren der Fall bei Beobachtungsstudien ist, die zu widersprüchlichen Schlussfolgerungen kommen, hat auch diese oben genannte Studie einige Schwachstellen. Die aktuelle Beweislage seht ihr weiter unten.

Als erstes anzumerken ist, dass die verhältnismäßig kleine Studie nur Testpersonen untersuchte, die 65 Jahre und älter waren. Das Datenmaterial wurde zwischen den frühen 90er und frühen 2000er Jahren gesammelt, das heißt also, die Daten sind mittlerweile mindestens zehn Jahre alt. Wichtig zu erwähnen ist zudem, dass die Nahrungsaufnahme – bis auf den Konsum von Light Getränken – nicht protokolliert wurde. Es sollte hierzu gesagt werden, dass die Umfrage während einer Zeit gemacht wurde, als öffentliche Low Fat/High Carb Gesundheitskampagnen ihren Höhepunkt hatten und die allgemeine Bevölkerung eine relativ hohe Menge an Kohlenhydraten konsumierte. Diese Low Fat/High Carb Ernährungsform erhöht die Fettsynthese im Körper und lässt die Blutfettwerte (Triglyceride) in die Höhe schießen. Das führt im Umkehrschluss oft zu Adipositas und vor allem zu einem Mehr an Bauchfett (viszeralem Fett). Sofern man also die genaue Aufnahme von Fetten und Kohlenhydraten nicht kennt, ist der Zusammenhang zwischen Light Getränken und wachsenden Mittelpartien stark irreführend. Wenn wir annehmen, dass diese Ergebnisse wirklich durch Light Getränke zustande kamen, dann kann man den zugenommenen Hüftumfang von ungefähr 1,34cm, im Vergleich von Süßstoffkonsumenten zu Nicht-Süßstoffkonsumenten, wohl vernachlässigen. Dieser kann genauso gut durch kleinere Aufblähungen des Bauchraums zustande kommen. Auch Messfehler können hier nicht ausgeschlossen werden, denn das Messen des Hüftumfangs mit einem Maßband ist sowieso eine Sache für sich.

Schaut man sich die komplette Beweislage verschiedener Studien (Beobachtungs- und Interventionsstudien) an, die am Menschen durchgeführt wurden, dann kommt man zu der Schlussfolgerung, dass Light Getränke und künstliche Süßstoffe nicht zu einer Fettzunahme führen und auch Adipositas nicht begünstigen.

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Der Austausch von Zucker durch eine kalorienfreie Alternative führt sogar zu moderatem Gewichtsverlus.

Insgesamt werden bei den existierenden Studien extrem unterschiedliche Methoden bei vielerlei verschiedenen Typen von Konsumenten (Männern, Frauen, dünn, dick, früher dick, früher nicht dick) angewandt. Die Ergebnisse sind alle ähnlich: Die Verwendung von kalorienarmen Süßstoffen zeigt keinen beständigen Zusammenhang mit einem erhöhten Appetit für Zucker oder süßen Produkten. Im Gegenteil, bei der großen Mehrheit führt die Verwendung von kalorienarmen Süßstoffen zu einem niedrigeren Konsum von Süßspeisen. Viele Studien bestätigen das. Erkenntnisse von Beobachtungsstudien zeigen keinen Zusammenhang zwischen Süßstoffen und dem Körpergewicht oder der Fettmasse. Die Datenlage randomisierter Kontrollversuchen – welche die höchste Qualität an Beweisen liefern – zeigen, dass der Austausch von normalen Produkten durch deren mit Süßstoff gesüßten Versionen sogar in moderatem Gewichtsverlust resultiert und ein nützliches Werkzeug in der Diät sein kann, um sich besser an Diäten zu halten.

Man muss sich wie immer das Gesamtbild vor Augen führen. Es gibt nicht immer nur schwarz oder weiß. Oft ist es so, dass der kurzsichtige Fokus auf einen einzelnen Parameter die Aufmerksamkeit weg von den wichtigen Faktoren legt.

Dr. Taylor Wallace zeigt uns drei wichtige Punkte in Bezug auf das wirkliche Problem beim Konsum von Diät Getränken.

Das wirkliche Problem mit dem Konsum von Light Getränken

Die Diskussion darüber, ob Light Getränke gut, schlecht oder einfach okay für uns sind, scheint niemals zu enden. Es gibt in der Öffentlichkeit definitiv viele Fehlinformationen über Light Getränke, die meistens nur durch schlechte Studien gestützt werden.

  1. Der Konsum eines Light Getränks gegenüber des Konsums der 180 Kalorien Version mit Zucker, ist definitiv von gesundheitlichem Vorteil.
  2. Künstliche Süßstoffe, Farbstoffe, Koffein und anderen Inhaltsstoffe in Light Getränken sind sicher und es gibt keinen glaubwürdigen Beweis, dass diese Zusätze Krebs, die Gewichtszunahme oder andere Dinge beeinflussen. Eine aktuelle klinische Studie an der University of Colorado zeigte, dass der Konsum von Light Getränken (im Vergleich mit Wasser) den Personen dabei half, über einen 12-wöchigen Zeitraum Gewicht zu verlieren. Ebenso zeigen die meisten klinischen Studien über den moderaten Konsum von Koffein (unter 200-300mg täglich) Vorteile in Bezug auf Wachsamkeit und einem eventuellem Rückgang des Risikos, im Alter an Demenz zu erkranken.Was ist also das Problem mit Light Getränken? Der hohe Säuregehalt in Light Getränken ist schlecht für die Zähne und könnte Auswirkungen auf die Gesundheit der Knochen haben, wenn man diese Getränke regelmäßig und chronisch konsumiert.Der Grund dafür ist folgender…
  3. Der Körper erhält einen normalen pH Wert von ungefähr 7,35-7,45. Der chronische Konsum von säurehaltigen Lebensmitteln und Getränken (z.B. Light Getränken) lässt diesen pH Wert wohl langsam Richtung unterer Grenze dieses Bereichs sinken. Der Körper kompensiert dies, indem er für die zugeführte Menge an Säure Calciumsalze aus den Knochen ausschüttet, um das Mehr an Säure abzupuffern. Der Konsum von drei oder mehr Light Getränken pro Tag und die zusätzliche Aufnahme anderer säurehaltigen Lebensmitteln über Jahre kann zu Knochenschwund führen. Fettreduzierte Milch, Früchte und Gemüse können dabei helfen, überschüssige Säure auszugleichen.

Wir sagen nicht, dass man niemals Light Getränken zu sich nehmen sollte (wir selbst trinken sie). Die Menge macht das Gift. Ein Light Getränk dann und wann wird einen nicht umbringen. Man sollte es – wie mit allem – einfach nicht übertreiben.

Quelle: ironmagazine.com/2015/artificial-sweeteners-and-diet-sodas-do-they-help-or-hinder-fat-loss/

Referenzen:
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3. Pereira, M.A., Diet beverages and the risk of obesity, diabetes, and cardiovascular disease: a review of the evidence. Nutr Rev, 2013. 71(7): p. 433-40.
4. Fowler, S.P., K. Williams, and H.P. Hazuda, Diet soda intake is associated with long-term increases in waist circumference in a biethnic cohort of older adults: the San Antonio Longitudinal Study of Aging. J Am Geriatr Soc, 2015. 63(4): p. 708-15.
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1 comment

  1. Jan

    Sehr schöner Bericht! Was mir ein wenig fehlt ist die Erklärung der unterschiedlichen Süßstoffe in den Light-Getränken. Ohne eine Wertung der Einzelnen Marken verwendet Coke Aspartam. Abgesehen davon das in Verdacht steht (je nach Studie) für einige Gesundheitlichen folgen wie Krebs, Kopfschmerzen, Diabetes,..) mitverantwortlich zu sein hat es aber eine Auswirkung auf die Insulinauschüttung im Körper. Hier eine Studie von Inserm mit > 60.000 Probanden: http://english.inserm.fr/mediatheque/version-anglaise/fichiers/press-releases/2013/cp-diet-drinks-february-7-2013-english-version

    Bei allem Pro / Contra und ohne die schwarz / weiß Malerei sollte man hier ein wenig differenzierter Unterscheiden.

    Gesendet am 5. März 2016

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