Was passiert bei einem Protein Overfeeding?


In einem der letzten Artikel haben wir uns mit der Frage beschäftigt, was eigentlich bei einem Kohlenhydrat Overfeeding passiert bzw. ob Kohlenhydrate fett machen. Die gleiche Frage können wir uns nun auch noch in Sachen Protein stellen. Wie verhält es sich hier? Ist es in irgendeiner Weise nützlich Unmengen an Proteinen aufzunehmen? Oder ist das vielleicht sogar gesundheitlich bedenklich? Wir haben also auch hier noch einmal etwas genauer hingeschaut, um praktische Empfehlungen für Muskelaufbau und Fettabbau liefern zu können, die in Verbindung mit der Proteinzufuhr stehen.

Die Studienlage

Die wohl interessanteste Studie kommt von Antonio et al. Hier wurde Probanden über einen Zeitraum von mehreren Wochen eine Proteinzufuhr von 4,4g Protein pro Kilogramm Körpergewicht auferlegt. Das ist in etwa die doppelte Menge, die sonst immer für den Muskelaufbau empfohlen wird. Das Spannende daran war, dass es sich hier tatsächlich um trainierte Personen handelte, die schon fortgeschritten waren und die bereits einen hohen Proteinanteil konsumierten und zudem wurden die Proteinkalorien „on top“ auf die herkömmliche Ernährung gesetzt. Was dazu führte, dass die einzelnen Probanden plötzlich im Kalorienplus waren. In Abhängigkeit des Körpergewichts um bis zu 600-800kcal täglich! Das ist eine ganze Menge!

Der gesundheitliche Aspekt

Egal was beim Experiment herauskommt, wenn es gesundheitliche Probleme und Einschränkungen gibt, ist ein Protein Overfeeding ohne Relevanz für die Praxis. Doch das ist nicht geschehen. Es kam zu keinen negativen Veränderungen der untersuchten Blutmarker, die sich vor allem auf Triglyzeride, Cholesterin und Leber- und Nierenwerte konzentrierte. Das

Ergebnis: Wer stoffwechselgesund ist, muss sich vor Protein nicht fürchten. Lediglich Personen mit vordiagnostizierten Erkrankungen, wie Niereninsuffizienz oder Diabetes sollten vorsichtig sein und das Vorhaben genau mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Die Körperzusammensetzung

Was nun wirklich überraschend kam, war die Veränderung der Körperzusammensetzung. Denn diese konnte sich trotz des Kalorienüberschusses nicht maßgeblich verändern. Es kam zu keinem weiteren oder besseren Muskelaufbau im Vergleich zur Kontrollgruppe mit 50% des Proteinanteils, es kam trotz Energieüberschuss jedoch auch nicht zu einem zusätzlichen Fettaufbau. Wie kann das sein?

[Der Kompensationsmodus

Gerade in der Diät kann es Sinn machen, den Eiweißanteil pro Mahlzeit zu erhöhen.

Unser Organismus versucht, wie im Artikel zu den Kohlenhydraten schon beschrieben, einen Kalorienüberschuss zu kompensieren. Bei Proteinen sogar in besonderem Ausmaß, da die Umwandlung von Proteinen in Körperfett biochemisch eine sehr aufwendige Prozedur darstellt mit nur geringer Effizienz. Das bedeutet, dieser Prozess ist so energieaufwendig, dass am Ende nicht mehr viel Energie zur Körperfettspeicherung mehr übrig bleibt. Eine Kompensation erfolgt dann durch eine deutliche Steigerung der Thermogenese und durch eine Aktivierung des Bewegungsdrangs bzw. eine deutliche Reduktion des Appetits. Die Probanden bewegten sich im Schnitt plötzlich deutlich mehr als zuvor.

Die praktische Umsetzung

Was bedeutet das aber nun für unsere tägliche Praxis? Befindet man sich im Aufbau, macht es nur wenig Sinn, extrem viel Protein zu konsumieren. Hier wäre es sinnvoller, den Überschuss über Kohlenhydrate und/oder Fette zu generieren. Es sei denn, man verfolgt lediglich das Ziel den Status Quo zu halten. Während der Diät hingegen könnte das Protein unser bester Freund sein, denn es hält lange satt und wenn man den erhöhten Proteinanteil nicht „on top“ auf die bisherige Ernährung setzt, sondern eintauscht gegen Kohlenhydrate und Fette und die Gesamtkalorien zunächst einmal konstant hält, kann alleine die Neuausrichtung der Makros zu einem Gewichts- und Fettverlust führen. In diesem Szenario bringt uns Protein schneller an unser Ziel.

Unterm Strich muss jedoch gesagt werden, dass das Protein nicht in jeder Situation einfach hochgeschraubt werden sollte in unserer Ernährung, sondern man, wie eigentlich immer, ein Für und Wider abgewogen werden muss und der Proteingehalt an die jeweilige Zielsetzung angepasst werden muss. Ein überzogenes Protein Overfeeding macht jedoch zumindest im Aufbau keinen wirklichen Sinn und bringt keinen weiteren positiven Effekt auf die Körperzusammensetzung.


Quellen:
https://jissn.biomedcentral.com/articles/10.1186/1550-2783-11-19
https://jissn.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12970-015-0100-0
https://jissn.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12970-016-0114-2

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