Künstliche Süßstoffe

4 gängige Mythen richtig gestellt!


Eine Menge Menschen fürchten geradezu künstliche Süßungsmittel, aber das meiste, was man darüber hört, sind Mythen. Im Folgenden wollen wir dir dabei helfen, die Fakten von der Fiktion zu trennen. Googelt man einmal nach Süßstoff, stellt man fest, dass das Ausmaß an Wahnsinn, Eifer und wütendem Zähneknirschen, das dieses Thema umgibt, wahrlich erstaunlich ist. Doch wollen wir uns diesem ideologisch durchtränkten Kriegsgeheul samt den dazugehörigen Übertreibungen und Verleumdungen gar nicht weiter widmen, sondern uns stattdessen an wissenschaftliche Belege und rationale Schlussfolgerungen halten, wenn wir gleich die vier bekanntesten Mythen zum Thema Süßstoff unter die Lupe nehmen.

#1 – Süßstoff macht dick

Wir suchen gewohnheitsmäßig immer nach Ausreden, wenn es um die Erforschung der Ursachen für unsere Körperfettzunahme geht. Schau dir einfach irgendein beliebiges Buch zum Thema Diät an, das innerhalb der letzten 30 Jahre erschienen ist: Jedes von ihnen sucht sich eine Ursache aus und verkündet lauthals: „Aha! XY ist für die Fettzunahme verantwortlich, vermeide XY und dein ganzes Leben wird sich bessern!

Wir können diese Art oberflächlicher, schriller Kampagnen immer wieder beobachten. Künstliche Süßstoffe sind ebenfalls Ziel solcher propagandistischer Attacken geworden. Schlagzeilen, die über den „Dickmacher Süßstoff“ schwadronieren, sind in zahlreicher Menge sofort verfügbar.

Die gute Nachricht ist, dass es eine Menge wissenschaftlich gesicherter Daten zu den Wirkungen von künstlichen Süßstoffen auf die Gewichtszunahme gibt.

In einer Studie wurden 41 übergewichtigen Probanden jeweils mit Zucker oder mit künstlichen Süßungsmitteln gesüßte Supplemente zusätzlich zu ihren üblichen Speiseplänen verabreicht. Über den Zeitraum von zehn Wochen hinweg nahm die Gruppe mit zuckergesüßten Supplementen 1,6 Kilo zu, von denen 1,3 Kilo Fett waren; die Süßstoff-Gruppe zeigte keinerlei Gewichtsveränderungen hinsichtlich des Körperfettanteils.

Diese Untersuchung ist nicht die einzige, die vergleichbare Evidenzen geliefert hat: In einer anderen Studie wurden 30 Probanden mit Softdrinks, die mit Maiszucker mit sehr hohem Fruktosegehalt gesüßt waren, „versorgt“, während die andere Gruppe Softdrinks mit Aspartam verabreicht bekam (das ist im Wesentlichen der Vergleich zwischen einer Cola konsumierenden und einer Coke Zero oder Coke Light konsumierenden Gruppe). Während die Maiszucker-Gruppe an Gewicht zulegte, verlor die Aspartam-Gruppe Körpergewicht.

In einer einflussreichen Studie des New England Journal of Medicine wurden 641 Kinder im Alter von vier bis elf Jahren nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Versuchsgruppen zugeordnet, die jeweils entweder süßstoffgesüßte oder zuckergesüßte Getränke konsumierten.

Im Verlauf von 18 Monaten nahmen die Kinder in der Zucker-Gruppe mehr Gewicht zu, hatten höhere Messwerte bei der Hautfaltenmessmethode mit Caliper und einen größeren Hüftumfang.

Es hatte sich außerdem gezeigt, dass bei einer Veränderung der Ernährungsgewohnheiten während und nach dem Gewichtsverlust künstliche Süßstoffe hilfreicher sind als herkömmliche Süßungsmittel, wenn es um die Vermeidung des berüchtigten Jojo-Effekts geht.

Alles in allem lässt sich festhalten, dass Süßstoffe gerade in Form von Softdrinks keinen nennenswerten Gewichtszunahmeeffekt verursachen.

Laut diversen Studien führt der Konsum von künstlichen Süßstoffen nicht zu einer Zunahme von Körperfett.

#2 – Künstliche Süßstoffe sind schlimmer als Zucker

Es ist eine weit verbreiteter Irrglaube, dass Süßstoff schlimmer ist als Zucker, weil er den Insulinspiegel in die Höhe schnellen lasse, aber keine Kalorien habe.

Wo soll man bei soviel Unsinn in einem Satz anfangen? Am besten bei den wissenschaftlich erhobenen Daten, die uns verfügbar sind:

Anfängliche Studien aus dem Jahre 1998 zeigten, dass Aspartam bei direkter Applikation in den insulinproduzierenden Zellen keinerlei Insulinausschüttung bewirkte. Allerdings zeigte Aspartam bei zusätzlicher Gabe von Glukose einen leichten „Beschleunigungseffekt“ der insulinogenen Reaktion der Glukose.

2009 wurde eine Untersuchung veröffentlicht, in der die Probanden entweder mit Sprudelwasser oder mit Diät-Softdrinks versorgt wurden. Alles in allem hatten die Diät-Softdrinks nur einen sehr geringen (statistisch nicht signifikanten) Anstieg der Insulinausschüttung bewirkt, der sich von dem – nicht feststellbaren – Effekt auf den Blutzuckerspiegel, den Sprudelwasser ausübt, kaum unterscheidet. Interessanterweise aber verursachte die Diät-Softdrink-Zufuhr eine erhöhte Sekretion des protein- und glukagonähnlichen Peptids 1, das bei der Auslösung von Hungergefühlen und dem Zuckermetabolismus eine Rolle spielt.

Um all das mal zusammenzufassen: es scheint, als ob die meisten künstlichen Süßstoffe keinen nennenswerten Insulinanstieg bewirkten. Wir können diesbezüglich also beruhigt sein.

#3 – Süßstoffe ruinieren dein Mikrobiom

Es gibt einige Spekulation und Sorge darüber, dass künstliche Süßungsmittel dein mikrobiologisches Milieu negativ beeinflussen könnten. Außerdem zirkulieren einige spekulative Thesen dazu, dass die Manipulation des Mikrobioms zu einer Gewichtszunahme führe. Es gibt hierzu hinsichtlich des menschlichen Organismus allerdings keinerlei Belege. Neuere Untersuchungen legen sogar nahe, dass diese These falsch sein könnte.

Es gibt noch ein paar andere Dinge, die wir über diesen zentralen Aspekt wissen sollten.

An Mäusen konnte gezeigt werden, dass künstliche Süßstoffe in moderaten bis sehr hohen Dosen schlechte Veränderungen des Mikrobioms hervorrufen können, die wiederum zur Ursache einer Form der „Glukoseintoleranz“ werden können. Es ist wichtig, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass alle künstlichen Süßungsmittel diesen Effekt erzeugten und Saccharose selbst (also Zucker in Reinform) dasselbe Phänomen verursachte.

Außerdem konnten diese Daten weder in hinreichender Zahl repliziert werden noch wurde dieses Phänomen bei Menschen festgestellt. Tatsächlich fördert eine gründliche Recherche nach empirischen Belegen für einen solchen Kausalzusammenhang bei Menschen keinerlei Ergebnisse zutage.

Wir können demnach festhalten, dass es ein paar Belege für durch Süßstoff hervorgerufene Veränderungen des Mikrobioms bei Nagetieren gibt. Aber wir haben keine Ahnung, ob sich diese Untersuchungsergebnisse, die nicht einmal in statistisch signifikanter Zahl vorliegen, auf den menschlichen Organismus übertragen lassen, welche Mengen welchen Süßstoffes potenziell gesundheitsgefährdend sein könnten und welche Auswirkungen solche Veränderungen schließlich haben könnten.

Negative Auswirkungen von Süßstoff auf die Darmflora konnten bislang nur bei Nagetieren festgestellt werden. 

#4 – Aspartam ist giftig

Die Menschen lieben es, Aspartam zu verteufeln. Manchmal gehen sie so weit, es als Gift zu bezeichnen. Wenn wir uns aber tatsächliche wissenschaftliche Befunde zur Toxizität von Aspartam anschauen, sieht die Sache nicht mehr so einfach aus.

Aspartam wird zu Methanol verstoffwechselt. Methanol ist schlecht und kann Blindheit verursachen. Man nimmt an, dass der Grund für die Giftigkeit von Methanol und seiner schädlichen Wirkungen in dessen Umwandlung in Formiat liegt. Formiat ist demzufolge das biochemische Molekül, das eigentlich den Schaden anrichtet.

Damit also Aspartam toxisch wirken kann, muss es in eine hohe Menge Methanol und das Methanol wiederum in Formiat umgewandelt werden. Tatsächlich wurde eine solche Untersuchung durchgeführt, ihre Ergebnisse dürfen mit Recht als valide bezeichnet werden.

30 Probanden wurde eine tägliche Dosis Aspartam in Höhe von 34 Milligramm je Kilo Körpergewicht (das stellt die Obergrenze des durchschnittlichen Süßstoffkonsums dar), 100 Milligramm je Kilo Körpergewicht, 150 Milligramm je Kilo Körpergewicht und 200 Milligramm je Kilo Körpergewicht verabreicht. Das ist das mengenmäßige Äquivalent zu zwölf bis 80 Dosen Coke Light pro Tag! Bei 34 Milligramm je Kilo Körpergewicht waren keine Methanolspuren aufzufinden. Die jedoch konnte man bei einer Dosis von 100, 150 und 200 Milligramm je Kilo Körpergewicht nachweisen.

Allerdings konnte auch bei diesen Dosen keinerlei Formiat nachgewiesen werden, selbst bei 200 Milligramm je Kilo Körpergewicht nicht. Außerdem konnten bei anderen wichtigen Blutwerten oder den Augen ebenfalls keine Veränderungen festgestellt werden.

Abgesehen von dieser Untersuchung existieren keine anderen Belege für die vermeintliche Toxizität von Aspartam.

Zusammenfassung

Aufgrund der uns vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse können wir feststellen, dass künstliche Süßungsmittel keine Gewichtszunahme auslösen. In der Tat können sie sogar dabei helfen, Gewicht zu verlieren oder eine Zunahme zu vermeiden.

Süßstoffe scheinen darüber hinaus keine wesentlichen insulinogenen Eigenschaften aufzuweisen.

Es gibt nur wenige Belege dafür, dass manche Süßstoffe in sehr hohen Dosen bei Nagetieren eine Veränderung des mikrobiologischen Milieus hervorrufen können, ohne dass jedoch diese Resultate auf den Menschen übertragen werden könnten.

Zuletzt lässt sich feststellen, dass Süßstoff selbst in Dosen, die 99,9 % von uns niemals konsumieren könnten, nicht giftig ist.


Quelle: muscleandstrength.com/articles/4-myths-you-have-been-told-about-artificial-sweeteners
Bilderquellen:
youtube.com/watch?v=mzZJn0-JD2w

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