Die Wahrheit über Light Getränke – Machen Süßstoffe fett?


Die ständige Suche nach Optionen, um ein halbwegs alltägliches und lustvolles Leben mit dem oft entgegengesetzten Lifestyle des Bodybuilding in Einklang zu bringen, ist eine Situation, die jeder motivierte Athlet kennt. Natürlich ist man bereit, Opfer zu bringen und für die Entwicklung seines Körpers gewisse Eingeständnisse zu machen. Trotzdem ist ein Verzicht immer auch ein innerer Kampf, der dauerhaft ausgefochten dazu führt, dass viele Sportler aufgeben. Die Industrie kennt dieses Verlangen und ist natürlich darauf bedacht, mit möglichst vielen kalorienfreien Produkten dem Wunsch des Kunden nachzukommen. Der wohl bekannteste Vertreter sind Light Getränke, die durch den Zusatz von Süßstoffen keine Kalorien liefern.

Weil nicht nur Bodybuilder und Fitnesssportler die kalorienfreien Varianten von Cola, Monster & Co. mit Vergnügen verwenden, sondern auch Menschen ohne Bezug zum Sport die gut vermarkteten Drinks in Massen konsumieren, bieten sie eine außerordentlich große Angriffsfläche für Halbwahrheiten, Gerüchte und Lügen.

Von krebserregenden Inhaltsstoffen über negative Auswirkungen auf den Darm ist der wohl häufigste Negativeffekt, der den zuckerfreien Getränken nachgesagt wird, ein positiver Einfluss auf den Appetit und eine gesteigerte Fettzunahme.

Schlechte Wissenschaft

Vor einigen Jahren brach eine Welle über die Welt von Light Getränken ein. Wissenschaftler der Universität des Texas Health Science Center berichteten, dass Diätgetränke ihre Konsumenten fetter machen.

Diese Aussage wurde nicht einfach nur in den Raum geworfen. Vielmehr wurden die Forscher sehr konkret. So schlussfolgerten sie, dass jedes verzehrte Light Getränk die Chance auf eine Fettleibigkeit um bis zu 41 Prozent erhöhe.

Schon alleine diese Aussage ist fraglich. Würde das bedeuten, dass man bei zweieinhalb getrunkenen Coke Light während des Kinoabends mit einer Wahrscheinlichkeit von 102,5 Prozent fett werden?

Mathematisch gäbe es nach dieser Rechnung keine Zweifel daran, dass man nach den Drinks auf dem Heimweg direkt neue Kleidung kaufen könnte, weil man genau weiß, dass man bald fettleibig ist.

Trotz der nicht nachvollziehbaren Aussage hatten die Wissenschaftler einige Argumente für ihre Theorie. Auf der einen Seite war man sich sicher, dass die wahrgenommene Süße durch die Drinks dazu führt, dass folgend ein größeres psychologisches Verlangen nach Süßem entsteht.

Auf der anderen Seite wurde vermutet, dass Menschen nach einem Light Getränk der Meinung seien, massive Kalorien eingespart zu haben und sich deshalb im weiteren Verlauf gerne kaloriendichte Lebensmittel erlauben.

Ein zusätzlicher Faktor, der zu einer erhöhten Fettleibigkeit führen sollte, war die Annahme, dass ein Insulinausstoß durch die kalorienfreien Alternativen ausgelöst werden würde, weil man dem Körper die Zuckerzufuhr vorgaukelt. Aus dem erhöhten Insulinspiegel entstehe ein erhöhtes Verlangen nach Zucker, so die Forscher.


Dürfen ab sofort keine Light Getränke mehr im Einkaufskorb landen?


Aktuelle Wissenschaft

Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2014 von Sorensen verglich zuckergesüßte Getränke und solche, die mit künstlichen Süßstoffen gesüßt wurden.

Interessanterweise konnte er gegenteilige Erkenntnisse zu den bisherigen Ausarbeitungen der Texas Studie finden – Menschen, die auf Diätgetränke zurückgriffen, verloren mehr Fett, als diejenigen, die zuckerhaltige Drinks konsumierten.

Selbstverständlich gab es in den beiden Gruppen einen riesigen Unterschied der zugeführten Kalorien, sodass man eine größere Gewichtsabnahme bei den Konsumenten der Diätgetränke vermuten konnte – das nennt man Kalorienbilanz.

Trotzdem muss wohl eingesehen werden, dass das Kaloriendefizit trotz der in der Texas Studie vermuteten – physiologischen und psychologischen – Negativeffekte so groß war, dass ein Fettverlust stattfinden konnte.

Eine weitere Studie von Peters et al.  betrachtete über ein ganzes Jahr zwei Gruppen, die entweder mit Süßstoff gesüßte Getränke oder aber Wasser konsumierten. Das Programm startete mit einer 12-wöchigen Diät, gefolgt von 40 Wochen bei Erhaltung des Gewichts.

Die Süßstoff Gruppe konnte in der Zeit der Studie signifikant mehr Fettverlust verzeichnen. Auch die Reduktion des Hüftumfangs war in dieser Gruppe größer. Zusätzlich wurden reduzierte Blutdruck-, Cholesterin- und Bluttfettwerte gemessen.

Warum die Gruppe, die ausschließlich Wasser konsumierte, keinen identischen Gewichtsverlust verzeichnen konnte?

Es wird vermutet, dass diese Menschen ein starkes Verlangen nach etwas Süßem entwickelten und eher zu Süßigkeiten griffen, als die Gruppe, die durch die Illusion von Süßem bereits zufriedengestellt war. Hier liegt also eine komplett gegensätzliche Theorie zur Schlussfolgerung der Texas Studie vor.

Die Schlussfolgerung

Ganz aktuell berichtet Peter Rogers in der „Proceedings of the Nutrition Society“ und zieht einen Vergleich zwischen allen vorhandenen Studien, vergleicht die Argumente und wägt die Pros und Contras ab.

Schlussendlich kommt er zu dem Ergebnis, dass die häufig genannten negativen Effekte, die Light Getränke auf physiologischer und psychologischer Ebene auslösen, nicht so schwerwiegend sind, dass sie den Effekt der reduzierten Kalorienaufnahme aushebeln.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass jeder Abnehmwillige von der Verwendung von zuckerfreien Diätgetränken durch die Einsparung von Kalorien profitiert und diese Einsparungen mehr wiegen als jede Hypothese.

Man kann Light Getränken viele negative Eigenschaften vorwerfen. Krebserregende Stoffe, die Nutzung der Inhaltsstoffe zur Rostentfernung auf Schiffen oder die Belastung der Darmflora. Viele Gerüchte kreisen um die beliebten Getränke und verzichtet man auf sie aus einem der oben genannten Gründe, ist das vollkommen legitim. Der Grund einer größeren Fettzunahme aus kaum durchdachten Argumenten kann aber laut aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen widerlegt werden.


Quelle: t-nation.com/diet-fat-loss/tip-the-truth-about-diet-soft-drinks

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