Die Wahrheit über Salz: schädlich oder nicht?


Entscheidet man sich als aufstrebender Athlet dazu, sich voll und ganz dem Bodybuilding mit allen seinen Facetten zu verschreiben, muss man oft mit Vorurteilen und Anschuldigungen kämpfen. Die Diskussionen scheinen selbst nach Jahren nicht zu enden, weshalb man mit fortschreitendem Trainingsalter lernt, gezielt damit umzugehen und die Kritiker einfach zu ignorieren. Neben den Halbwahrheiten über Nahrungsergänzungsmittel drehen sich viele geistreiche Kommentare auch um die Ernährungsweise, die man als Bodybuilder verfolgt. Selbst Menschen, die noch nie ein Studio von innen gesehen haben, halten sich für Ernährungsexperten und glauben, dass sie mehr Fachwissen besitzen, als der Bodybuilder, der sich täglich intensiv mit Makro- und Mikronährstoffen auseinandersetzt.

Wahrscheinlich wird man als Athlet, der mehr als ein Jahr am Eisen ist, schon häufig beim Familienessen oder dem Brunch bei Freunden gehört haben, wie schädlich doch der Salzkonsum ist.

Meistens sind es die weiblichen Geschöpfe dieser Erde, die es eigentlich nur gut meinen und ihren geliebten Partner zu Tisch darauf aufmerksam machen, dass der Salzstreuer nicht in exzessivem Ausmaß genutzt werden sollte.

Schuld an diesem Glauben sind entweder Hochglanzmagazine, die die letzte Anlaufstelle für fachgerechte Empfehlungen zur Ernährung sind, oder aber alteingesessene Mediziner, die auf längst vergangenen Annahmen verharren und ihre Scheuklappen nicht ablegen wollen.

Alle vertreten sie die Meinung, dass ein hoher Salzkonsum zu einem steigenden Blutdruck führt. Ursprung dieser Falschannahme sind ganze zwei Studien, die bis zum heutigen Tag ein falsches Bild über das weiße Gold vermitteln.

Eins plus Eins gleich Zwei

Im Jahr 1904 postulierten französische Doktoren, dass sechs ihrer Patienten hohen Blutdruck aufwiesen. Gleichzeitig fanden sie heraus, dass genau diese sechs Patienten sehr viel Salz konsumierten. Diese zwei Erkenntnisse reichen bis heute aus, um eine wahre Salzphobie bei einem Großteil der Gesellschaft anzustoßen. Keine klinischen Bestätigungen oder Untersuchungen. Aus zwei Tatsachen wurde schlichtweg ein Ergebnis hergeleitet.

Die Sorgen verstärkten sich zunehmend im Jahr 1970, als Lews Dahl vom Brookhaven National Laboratory von eindeutigen Beweise dafür berichtete, dass der Salzkonsum direkte Auswirkungen auf einen gesteigerten Bluthochdruck habe.

Natürlich fand seine Behauptung sofort Glauben, weil niemand das Kleingedruckte innerhalb der durchgeführten Studie lesen wollte, die ganz nebenbei an Ratten durchgeführt wurde.

Salz ist wohl die beliebteste Zugabe für jedes Essen.

Ein halbes Kilogramm Salz

In dieser Untersuchung wurde den Ratten so viel Salz verabreicht, dass ein steigender Bluthochdruck folgen musste. Übertragen auf den Menschen liegt die Zufuhr, die die Ratten erhalten haben, bei ungefähr 500 Gramm pro Tag.

Dass der Blutdruck hier in die Höhe schießt, sollte jedem normal denkenden Menschen einleuchten. Geht man aber von einem heutigen Durchschnittskonsum von 3,4 Gramm pro Tag aus, sieht die Sache schon ganz anders aus.

Wer natürlich ein halbes Kilogramm Salz täglich für die Mahlzeiten verwendet, wird unweigerlich einen hohen Blutdruck fördern. Zusätzlich würden diese 500 Gramm aber auch die Nieren explodieren lassen, sodass der Blutdruck wohl das kleinere Problem sein wird.

Trotzdem orientieren sich die Ernährungsgesellschaften dieser Welt immer noch an dieser Studie und empfehlen konstant, den Salzkonsum um bis zu 85 Prozent zu reduzieren.

Gegenargumente

Lange Zeit wurden die schädlichen Auswirkungen des Salzkonsums von Medizinern ernst genommen, weil spätere Studien entweder schlecht entworfen waren oder mit zu geringer Substanz durchgeführt wurden.

Erst, als im Jahr 2011 das “American Journal of Hypertension” eine Meta-Analyse veröffentlichte, in der insgesamt sieben Studien mit einer Gesamtanzahl von 6250 Probanden untersucht wurden, wendete sich das Blatt.

Die Wissenschaftler konnten herausfinden, dass es keine ausreichenden Belege für einen direkten Zusammenhang zwischen einem reduzierten Salzkonsum und der Senkung des Risikos eines Herzinfarkts gibt.

Positiver Einfluss

Im selben Jahr veröffentlichte das “Journal of the American Medical Association” eine von europäischen Wissenschaftlern durchgeführte Studie, die jedem leidenschaftlichen Popcorn-Esser ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wenn sie denn von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden würde.

Die Forscher konnten in dieser Studie feststellen, dass die untersuchten Probanden mit höherer Wahrscheinlichkeit sterben, wenn sie geringere Salzkonzentrationen im Urin aufweisen. Bedenkt man nun, dass ein Großteil des verzehrten Salzes über den Urin ausgeschieden wird, muss man den verringerten Salzkonsum überdenken.

Zusätzlich untersuchte eine weitere Studie im Jahr 2016 den Salzkonsum von 78 Millionen Amerikanern und kam zu dem Ergebnis, dass der Salzkonsum in einer negativen Korrelation mit der Sterberate einherging. Je mehr Salz konsumiert wurde, desto unwahrscheinlicher war es, dass die Menschen an einem Herzinfarkt starben.

Keine Sorge, man muss sein geliebtes Salz nicht reduzieren.

Reduziert verringerter Salzkonsum den Blutdruck?

Ein vom “U.S. Department of Health” finanzierter Meta-Report fand heraus, dass eine Einschränkung des Salzkonsums zu einem reduzierten Bluthochdruck führt. Insgesamt wurden elf Studien analysiert, in denen angeblich festgestellt werden konnte, dass eine salzarme Ernährung zu sinkendem Blutdruck führt.

Wirft man einen genaueren Blick auf die Ergebnisse, reduzierte sich der systolische Blutdruck um 1,1, der diastolische um 0,6.

Glaubt man der Wissenschaftlerin Melinda Wenner Moyer, sind die Ergebnisse vergleichbar mit einer Reduzierung von 120/80 auf 119/79.

Was bedeutet das für das weiße Gold?

Bevor der Gedanke entsteht, dass mehr beim Salzkonsum auch besser ist, muss man das Gesamtbild betrachten. Grundsätzlich gibt es einen gewissen Anteil an Menschen, die sehr sensibel auf Salz ansprechen und unter Umständen mit gesteigertem Blutdruck reagieren.

Die meisten gesunden Menschen sind aber absolut sicher und müssen sich nicht von dem über Jahrzehnte weitergegebenen Mythos verrückt machen lassen.

Selbst wenn man also über den Empfehlungen verschiedener Ernährungsgesellschaften liegt, wird man nicht in der nächsten Woche durch einen Herzinfarkt ums Leben kommen. Treibt man es hingegen über einen langen Zeitraum auf die Spitze, kann es im schlimmsten Fall zu Nierenproblemen und kognitiven Einschränkungen kommen.

Wer als sensibel reagierender Salzkonsument seine Zufuhr einschränken möchte, kann auch weiterhin zum Salzstreuer greifen, wenn im Gegenzug stark verarbeitete Lebensmittel eingeschränkt werden. Diese enthalten teilweise so viel Salz, dass man damit den Swimming-Pool in die Miniatur des großen Salzsees verwandeln könnte.

Wird man auf der nächsten Familienfeier wieder liebevoll darauf aufmerksam gemacht, dass man auf seinem Essen doch zu viel Salz verwenden würde, kann man getrost dagegen halten und mit neuem Wissen glänzen. So beruhen sämtliche Mythen über den Salzkonsum auf zwei veralteten Studien, die heute keine Beachtung mehr finden dürften. Solange man kein halbes Kilogramm Salz täglich verzehrt, muss man sich als gesunder Mensch keine Gedanken um einen Löffel mehr oder weniger machen. Wer dann noch auf industriell verarbeitete Produkte verzichtet, darf auch eine millimeterdicke Schicht auf Pute und Brokkoli streuen – sofern es denn schmeckt!


Quelle: t-nation.com/diet-fat-loss/tip-the-ridiculous-truth-about-salt




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