Ist eine proteinreiche Ernährung schädlich?


Jeder wird sie seit seinem ersten Tag im Gym kennen: Die Mythen in der Welt des Bodybuildings und Powerliftings. „Krafttraining stoppt das Wachstum“, „Muskelaufbau lässt den Penis schrumpfen“ und „Creatin ist ein Steroid“ – wir alle kennen diese oder ähnliche Aussagen. Während viele Mythen leicht zu entkräften und als lächerlich zu entlarven sind, sieht es bezüglich einer proteinreichen Ernährung etwas anders aus. Schäden an Nieren oder Leber, Herzerkrankungen, Osteoporose und andere Dinge werden einer hohen Proteinzufuhr zugeschrieben. Was jedoch noch erschreckender ist: Medizin und Wissenschaft haben dies zu weiten Teilen als Fakt akzeptiert. Was sagt aber die aktuelle Forschung? Bringt Protein uns um?

badt-gannikus-banner-top

Protein und die Nieren

Die Nieren sind bei der Stickstoffausscheidung beteiligt und darum wurde von manchen die Theorie aufgestellt, dass eine hohe Stickstoffaufnahme (Protein) die Nieren belastet. Zudem wird Menschen mit Nierenerkrankungen üblicherweise eine Ernährung mit wenig Protein empfohlen. Zu schlussfolgern, dass eine proteinreiche Ernährung die Nieren schädigt, ist eine sehr dürftige Aussage. Eine Studie, welche Bodybuilder mit einer Proteinaufnahme von 2,8g pro Kilo Körpergewicht und gut trainierte Athleten mit moderatem Proteinkonsum miteinander verglich, konnte in Bezug auf die Nierenfunktion keinen signifikanten Unterschied feststellen. Zudem konnte die Durchsicht wissenschaftlicher Literatur über die Proteinaufnahme und die Nierenfunktion zeigen, dass es bei gesunden Menschen keinen Grund dafür gebe, die Proteinaufnahme zu limitieren. Die Durchsicht zeigte weiter, dass eine Ernährung mit wenig Protein die Nierenfunktion nicht nur nicht negativ belaste, sondern sogar der Grund hierfür sein könnte. Diese Schlussfolgerung wird vom Fakt untermauert, dass Ernährungsformen mit niedrigem Proteinanteil keinen Vorteil in Bezug auf das Aufhalten der Progression von chronischem Nierenversagen haben.

ist-eine-proteinreiche-ernährung-schaedlich-fleisch

Verschiedene Fleischsorten gehören bei Bodybuildern zu den beliebtesten Proteinquellen.

Protein und die Leber

Es gibt absolut keinen Beweis dafür, dass eine hohe Proteinaufnahme schädlich für die Leber ist. Protein wird zur Reparatur der Leber benötigt und auch für die Umwandlung von Fetten zu Lipoproteinen, die auf diesem Wege eventuell entfernt werden können, ist Eiweiß essenziell. Aminosäuren sind außerdem die Hauptenergiequelle der Leber. Zusätzlich dazu zeigte eine proteinreiche Ernährung, dass sie bei einer alkoholischen Leberzirrhose die Leberfunktion verbessern und das Sterberisko reduzieren konnte. Auch BCAAs werden für die Behandlung von Lebererkrankungen untersucht. Im Falle einer Leberschädigung sollte ein hoher Proteinkonsum sogar vorausgesetzt werden, um die Reparatur und Erholung des Gewebes zu unterstützen.

Protein und unsere Knochen

Ein weiterer großer Schlag gegen eine hohe Proteinzufuhr ist, dass dadurch mehr Calcium ausgeschieden wird. Somit entstand die Hypothese, dass eine proteinreiche Ernährung über einen längeren Zeitraum zum Auftreten von Osteoporose beitragen kann. Allerdings ist die Datenlage bezüglich des Calciumverlustes aufgrund von zu viel Protein in Wirklichkeit nicht wirklich eindeutig. Es gibt jedoch aktuelle Beweise dafür, dass eine Erhöhung der Proteinaufnahme nicht mit einer erhöhten Calciumausscheidung zusammenhängt und mehr Protein bei älteren Menschen sogar zu mehr Knochenmasse führt.

>> Günstiges Proteinpulver für jede Ernährungsform bekommt ihr hier! <<

Das Ganze geht noch weiter, denn einige epidemiologische Studien konnten zeigen, dass es eine positive Verbindung zwischen der Proteinzufuhr und Knochenmineraldichte gibt, wohingegen eine Erhängung mit wenig Protein nachteilige Effekte auf die Knochen haben könnten. Obwohl durch eine niedrige Aufnahme an Eiweiß weniger Calcium ausgeschieden wird, führt sie auch zu einer reduzierten Calciumabsorption im Darm. Der letztliche Effekt ist eine Abnahme des Calciumgleichgewichts aufgrund zu geringem Proteinkonsum. Während ein erhöhter Proteinanteil in der Ernährung eventuell zu gesteigerter Calciumausscheidung führt, gibt es jedoch keinen Beweis dafür, dass das verlorene Calcium aus den Knochen stammt. Zudem bleibt das allgemeine Calciumgleichgewicht unbeeinflusst oder verbessert sich sogar durch mehr Protein!

Protein und Herzkrankheit

Auch Fisch ist eine hervorragende Eiweißquelle, die zudem wichtige Omega 3 Fettsäuren enthält, welche sich zudem positiv auf die Herzgesundheit auswirken.

Auch Fisch ist eine hervorragende Eiweißquelle, die zudem wichtige Omega 3 Fettsäuren enthält, welche sich unter anderem positiv auf die Herzgesundheit auswirken.

Die wissenschaftliche Literatur widerspricht nicht nur der Aussage, dass eine proteinreiche Ernährung eventuell einen negativen Einfluss auf das Herz hat, sie befürwortet sogar einen hohen Proteinkonsum zur Vorbeugung von Herzerkrankungen. Die Forschung empfiehlt, die Kohlenhydrate in der Nahrung durch Eiweiß zu ersetzen, um das Risiko einer Herzerkrankung zu verringern. Das wird durch den Fakt unterstützt, dass sich somit die Blutfettwerte verbessern, was durch die Verringerung der Tryglyceride und die Erhöhung von HDL (gutes Cholesterin) erreicht wird. Weiterhin erhöht der Metabolismus von Kohlenhydraten und/oder Fetten die Produktion freier Radikalen in höherem Maß als der Metabolismus von Protein. Das vermehrte Vorhandensein von freien Radikalen wiederum soll die Entstehung von Atherosklerose beschleunigen, welche der größte Auslöser für Herzerkrankungen ist.

Diabetes, Gewichtsverlust und Protein

Eine proteinreiche Ernährung könnte auch vorteilhaft für die Bekämpfung von Übergewicht und Diabetes sein. Die aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass eine Ernährung im Verhältnis 30:40:30 (Eiweiß:Kohlenhydrate:Fett) dem Ansatz 15:55:30 in folgenden Punkten überlegen war:

  • Erhalt der Glukosehomöostase
  • Erhöhung der Insulinsensitivität
  • Verbesserung der Glukosekontrolle

Diese Verbesserungen galten sowohl für normale als auch für an Diabetes Typ 2 erkrankte Menschen.

Mit einem Protein Shake jeglicher Art kann man ebenfalls schnell die Proteinzufuhr erhöhen!

Mit einem Protein Shake jeglicher Art kann man ebenfalls schnell die Proteinzufuhr erhöhen!

Die selbe proteinreiche Ernährung zeigte auch deutliche Vorteile in Bezug auf den Gewichtsverlust. Zudem konnte Probanden mit erhöhter Proteinzufuhr im Vergleich zu Probanden, die den High Carb Ansatz verfolgten, mehr Muskulatur erhalten und mehr Fett verbrennen. Mehrere Untersuchen berichten auch davon, dass das Sättigungsgefühl bei hoher Proteinzufuhr größer ist.

Zusammengefasst ist eine proteinreiche Ernährung einer kohlenhydratreichen Ernährung in den Punkten Fettverbrennung, Muskelerhalt und Appetitunterdrückung überlegen.

Iss deine proteinreiche Mahlzeit!

Die hier erbrachten Beweise widersprechen nicht nur den Aussagen, dass eine Ernährung mit hohem Eiweißanteil unsicher sei, sie zeigen auch, dass dadurch Herzerkrankungen, Diabetes und Übergewicht behandelt beziehungsweise verhindert werden können. Bei den drei erwähnten Leiden handelt es sich um drei der weltweit größten Todesursachen und allein eine hohe Proteinzufuhr kann das Auftreten aller verringern. Natürlich wird es immer Menschen geben, die den in diesem Artikel thematisierten Argumenten widersprechen und wissenschaftlich nicht bewiesene „Fakten“ präsentieren, aber sobald dir das nächste Mal jemand deine proteinreiche Ernährung schlecht reden möchte, zeig‘ der Person diesen Artikel und genieße deine Mahlzeit… mit hohem Proteinanteil!


Referenzen:
– Poortmans JR, Dellalieux O. Do regular high-protein diets have potential health risks on kidney function in athletes? Int J Sports Nutr 2000;10:28-38.
– Walser M. Effects of protein intake on renal function and on the development of renal disease. In: The Role of Protein and Amino Acids in Sustaining and Enhancing Performance. Committee on Military Nutrition Research, Institute of Medicine. Washington, DC: National Academies Press, 1999, pp. 137-154.
– Klahr S, Levey AS, Beck GJ et al. The effects of dietary protein restriction and blood-pressure control on the progression of chronic renal failure. N Engl J Med 1994;330:877-884.
– Navder KP, Lieber CS. Nutrition and alcoholism. In: Bronner, F. ed. Nutritional Aspects and Clinical Management of ChronicDisorders and Diseases. Boca Raton, FL: CRC Press, 2003, pp. 307-320.
– Mendellhall C, Moritz T, Roselle GA et al. A study of oral nutrition support with oxadrolone in malnourished patients with alcoholic hepatitis: results of a Department of Veterans Affairs Cooperative Study. Hepatology 1993;17:564-576.
– Suzuki K, Kato A, Iwai M. Branched-chain amino acid treatment in patients with liver cirrhosis. Hepatol Res. 2004 Dec;30S:25-29.
– Ginty F. Dietary protein and bone health. Proc Nutr Soc 2003;62:867-76.
– Dawson-Hughes B, Harris SS, Rasmussen H et al. Effect of dietary protein supplements on calcium excretion in healthy older men and women. J Clin Endocrinol Metab 2004;89:1169-73.
– Geinoz G, Rapin CH, Rizzoli R et al. Relationship between bone mineral density and dietary intakes in the elderly. Osteoporos Int 1993;3:242-8.
– Cooper C, Atkinson EJ, Hensrud DD et al. Dietary protein intake and bone mass in women. Calcif Tissue Int 1996;58:320-325.
– Kerstetter JE, Svastislee C, Caseria D et al. A threshold for low-protein-diet-induced elevations in parathyroid hormone. Am J Clin Nutr 2000;72:168-173.
– Hu FB, Stampfer MJ, Manson JA et al. Dietary protein and risk of ischemic heart disease in women. Am J Clin Nutr 1999;70:221-227.
– Layman DK, Boileau RA, Erickson DJ, Painter JE, Shiue H, Sather C, Christou DD. A reduced ratio of dietary carbohydrate to protein improves body composition and blood lipid profiles during weight loss in adult women. J Nutr. 2003 Feb;133(2):411-7.
– Mohanty P, Ghanim H, Hamouda W et al. Both lipid and protein intake stimulates increased generation of reactive oxygen species by polymorphonuclear leukocytes and mononuclear cells. Am J Clin Nutr 2002;75:767-772.
– Paolisso G, Esposito R, D’Alessio MA, Barbieri M. Primary and secondary prevention of atherosclerosis: is there a role for antioxidants? Diabetes Metab. 1999 Sep;25(4):298-306.
– Layman DK, Baum JI. Dietary protein impact on glycemic control during weight loss. J Nutr. 2004 Apr;134(4):968S-73S.
– Layman DK. Protein Quantity and Quality at Levels above the RDA Improves Adult Weight Loss. J Am Coll Nutr. 2004 Dec;23(6 Suppl):631S-6S.
– Hill AJ, Blundell JE. Composition of the action of macronutrients on the expression of appetite in lean and obese human subjects. Ann N Y Acad Sci. 1990;580:529–31
– Stubbs RJ, van Wyk MC, Johnstone AM, Barbron CG. Breakfasts high in protein, fat or carbohydrate: effect on within-day appetite and energy balance. Eur J Clin Nutr 1996;50:409–17




Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nach oben
Gannikus.com

Gannikus.com