Ist Heuschreckenprotein der neue Star am Eiweißhimmel?



Eiweiß, Eiweiß, Eiweiß. Immer wieder gehen wir auf die Vorteile von Eiweiß in der Ernährung für den muskelbepackten Superkrieger ein. Aber was, wenn wir euch sagen würden, dass das gute alte Whey – oder welches Eiweiß ihr auch immer am liebsten habt – nichts im Vergleich zu einem neuen Trendprotein ist, welches eine bessere Zusammensetzung und gleichzeitig weniger Allergierisiko aufweisen kann?

Ihr habt’s schon an der Überschrift gelesen. Wir reden hier von Heuschreckenprotein. Warum Heuschreckenmehl weltveränderndes Potenzial hat und ob der aktuelle Hype gerechtfertigt ist, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Brown House Cricket

Der Trend ist definitiv da. Im September 2014 haben die sog. Exo Cricket Protein Bars 1,2 Millionen Dollar an Investitionen erhalten. Insekten zu essen ist allerdings nicht neu. 80% der Erdbevölkerung, also mehr als 2 Milliarden Menschen weltweit, konsumieren regelmäßig mehr als 1900 Arten verschiedenster Insekten. Nur wir in der westlichen Welt kennen diese Essensgewohnheit nicht. In Asien ist das Verzehren von Larven, Mehlwürmern und eben auch Heuschrecken gang und gebe. Es ist sogar so normal im Rest der Welt, dass die UN 2013 ein zweihundertseitiges Paper mit der Aufforderung veröffentlicht hat, zumindest einmal darüber nachzudenken mehr Insekten zu essen. Doch warum sagt selbst die UN, dass wir mehr Insekten vertilgen sollten?

Ein Stichwort reicht: Nachhaltigkeit.

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Heuschrecken sind in aller Munde, weil sie einen enormen positiven Einfluss auf die Umwelt haben. Oder besser gesagt… das Fehlen von Heuschrecken hat einen enormen positiven Einfluss auf die Umwelt. Heuschreckenplagen sind verantwortlich für das Ausfallen von Ernten und können ganze Länder wirtschaftlich in den Ruin treiben. Doch nicht nur, weil man durch das Verzehren von Heuschrecken mögliche Plagen verhindern könnte (solange die Nachfrage nach Heuschrecken nicht den Bestand übersteigt), sondern auch weil mit dem Verzehr von Heuschrecken die Nachfrage an üblichen Proteinquellen sinkt, ist Heuschreckenmehl eine Überlegung wert.

Es ist kein Geheimnis, dass die exzessive Viehzucht, wie sie die Agrarindustrie heute betreibt, langsam aber sicher den Planeten zerstört. Manche Experten würden die jetzige Lage sogar als Krise bezeichnen. Damit liegen sie nicht falsch. Schaut man sich die Tatsache an, dass sich die Nachfrage an Lebensmitteln bis 2050 schätzungsweise verdoppeln wird und die Erderwärmung ein bestehendes Problem bleiben wird, könnte sich die Lage noch dramatisieren.

Es wird geschätzt, dass der gesamte Bestand an Vieh weltweit 18% aller Treibhausgase ausmacht, darunter befinden sich Gase wie Methan oder Stickstoffoxid, welche um ein vielfaches mehr die Erderwärmung vorantreiben als beispielsweise Kohlenstoffdioxid (CO2). Nur um das mal in Bezug zu setzen. Damit schädigt die Viehzucht der Umwelt mehr als bspw. der Verkehr auf der gesamten Welt.

Insekten und speziell Heuschrecken hingegen haben so gut wie keinen Einfluss auf das Volumen an Treibhausgasen. Die UN hat dazu eine Analyse aufgestellt, welche zeigt, wie viel Treibhausgase welche Art von Tierzucht verursacht.

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Neben den negativen Effekten auf die Emission von Treibhausgasen, hat die Standardviehzucht weitere Nachteile. So werden 8000 bis 12000 Liter Wasser benötigt, um 1 kg Fleisch herzustellen. Für Heuschrecken hingegen werden nur 4 Liter benötigt. Ja ihr habt richtig gelesen, das sind 2000 bis 3000 mal weniger Liter Wasser. Außerdem benötigt Vieh sechs mal mehr Futterrohstoff. Heuschrecken haben einen weiteren Vorteil. Sie sind zu 80% für die Lebensmittelindustrie verwertbar, weil alle inneren Organe verzehrbar sind. Bei Rindern oder Schweinen liegt dieser Wert hingegen bspw. nur zwischen 40 und 55 Prozent.

Um das zusammenfassen… Wir haben hier ein Tier, welches eine bessere Verwertungseffizienz besitzt als die Standardtiere, die bei euch Kriegern so auf dem Tisch landen.

Das ist ja alles schön und gut, aber sind Heuschrecken denn auch wirklich gesünder?

Und ob.

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Neben all den eben genannten positiven Eigenschaften, sind Heuschrecken eine Quelle von hochwertigem Eiweiß. Sie enthalten alle 9 essentiellen Aminosäuren und besitzen rund 20,5 g Eiweiß auf 100 g. Der Wert ist in etwa vergleichbar mit dem von Hühnchen oder Lachs und liegt sogar 6 g höher als bei Eiern.

Wenn jetzt noch das Problem mit dem Geschmack gelöst wird, sollte man Heuschreckenmehl in Zukunft als eine gute Proteinquelle im Auge behalten.

Heuschreckenprotein ist zusätzlich auch noch sehr naturbelassen und unverarbeitet. Die Kontroverse um grasgefütterte und maisgefütterten Tieren gibt es hier gar nicht. Es werden keine Hormone oder Antibiotika verwendet, wie man sie bspw. beim Anbau von Soja oder der Haltung von Hühnern vorfindet. Dadurch gibt es automatisch kein Problem mit Allergien oder Laktoseintoleranz. Es sei denn du bist allergisch gegen shellfish, denn Heuschrecken sind arthropods – ähnlich wie Krabben und Shrimps – und können ähnliche allergische Reaktionen verursachen.

Was zusätzlich erwähnt werden sollte, ist der Mineralstoffgehalt. Heuschrecken enthalten sehr viel Eisen, Zink, Vitamin B12, Kalium und Kalzium. Dadurch, dass normalerweise die komplette Heuschrecke – also auch ihre Innereien – zu Mehl verarbeitet wird, enthält Heuschreckenprotein sehr viele Ballaststoffe und Omega-3-Fettsäuren.

Falls du jetzt tatsächlich überlegst, ob du mehr Heuschrecke in deinen Ernährungsplan einbauen solltest, hier ein paar Tipps:

Es gibt bereits einige verarbeitete Produkte, die du dir zu Gemüte führen könntest.

Liest man von einigen Erfahrungsberichten im Internet, so geben viele, die bereits Heuschreckenprotein getestet haben, an, dass man beim Probieren der Produkte nie auf die Idee kommen würde, dass es sich einmal um Insekten gehandelt hat, die man da gerade verschlingt. Frage an euch: Habt ihr schon mal Heuschreckenprotein getestet bzw. würdet ihr dem Protein eine Chance geben?

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3 comments

  1. Marina

    Klingt interessant. Die Frage ist nur, ob diese Insekten tatsächlich aus der freien Wildbahn gefischt werden, oder eigens für den Verzehr gezüchtet (was die Nachhaltigkeit widerum zunichte machen würde). Jedenfalls deutet dieser Artikel auf letzteres hin: http://dailyburn.com/life/health/cricket-flour-protein-powder/


    Don’t DIY it. Tempted to harvest from your local dirt pile? Don’t do it, says Sheth. “You can’t go pick an insect from the wild, you don’t know if there are traces of pesticide, and it could be poisonous.”

    That means eating bugs produced by establishments that have a proven track record of safety — like a well-known restaurant, or food company.

    Gesendet am 8. Juli 2015
  2. Beate

    Was für ein Unfug, der Verzehr von Heuschrecken könnte Plagen verhindern oder daß Allergien oder Laktoseintolleranzsymptome durch Hormone und Antibiotika hervorgerufen werden. Wenn Ihr über Lebensmittel schreibt, dann lest Euch erstmal ein, z.B. hier:
    https://e-insects.wageningenacademic.com/
    Natürlich werden Insekten für den Verzehr gezüchtet.
    Und selbstverständlich werden die Insekten vor der Verarbeitung gereinigt und desinfiziert (z.B. durch Wärme oder UV-bestrahlung), so daß einwandfreie Standarts geboten werden können. Wer gegen Schalentiere allergisch ist, reagiert auf Insekten vermutlich auch allergisch.

    Gesendet am 9. Juli 2018

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