Machen Kohlenhydrate fett?


Diese Frage hat sich wohl schon jeder einmal gestellt. Denn es kommt nicht gerade selten vor, dass man genau das in den Fitness Medien zu hören bekommt. Kohlenhydrate machen fett. Kohlenhydrate sind der Grund für Übergewicht. Kohlenhydrate werden im Fettgewebe gespeichert. Und noch so einiges mehr. Doch wie ist es denn wirklich? Wie sieht es in der Realität aus? Werden Kohlenhydrate wirklich bevorzugt im Körperfett gespeichert? Und was passiert, wenn wir uns an Kohlenhydraten „überfressen“? Schauen wir uns diese Dinge doch einmal genauer an.

Wo werden Kohlenhydrate gespeichert?

Kohlenhydrate, egal welche wir essen, werden im Zuge der Verdauung in Einfachzucker umgewandelt bzw. zu Einfachzucker abgebaut. Hier gibt es drei Stück. Glukose, Fruktose und Galaktose. Wirklich relevant ist jedoch nur die Glukose. Zumindest dann, wenn wir uns einigermaßen ordentlich ernähren. Denn nur Glukose kommt überhaupt bis zu unseren Muskelzellen. Die beiden anderen Einfachzucker werden entweder in der Leber zu Glukose umgebaut oder dort direkt anderweitig verstoffwechselt. Die Glukose wird jedoch im Blut transportiert und zu den Muskelzellen gebracht. Werden sie dort nicht direkt zur Energiebereitstellung gebraucht, werden sie in Form von Glykogen gespeichert. Solange, bis sie dann eben gebraucht werden. Das ist der normale Lauf der Dinge.

Ein Experiment

Was passiert aber nun, wenn man sich massiv an Kohlenhydraten „überfrisst“? Wie sieht die Sache denn dann aus? Das war auch bereits in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Thema der Wissenschaft. Dazu wurden Probanden zunächst auf eine Low Carb Diät gesetzt. Zusätzlich mussten die Probanden trainieren, um die Kohlenhydratspeicher des Körpers vollkommen zu erschöpfen. Denn nur so können wir von Anfang an beobachten, was mit den im Anschluss wieder eingeführten Kohlenhydraten direkt passiert. Nach einigen Tagen Low Carb Ernährung und Training, wurden die Probanden dann mit Carbs „overfeeded“. Es wurden täglich weit über 500g Kohlenhydrate zugeführt und das über mehrere Tage ohne Training. Das Ergebnis war erstaunlich.

Die Ergebnisse

Wer regelmäßig trainiert und hohe Mengen an Nahrungsfett meidet, läuft nicht so einfach Gefahr Fett anzusetzen.

Zunächst kam es zu keiner nennenswerten Fettspeicherung der Kohlenhydrate im Fettgewebe. Vielmehr wurden alle Kohlenhydrate in den Glykogenspeichern des Körpers gespeichert. Eine so genannte „de novo Lipogenese“, also ein Aufbau von Körperfett aus Kohlenhydraten wurde selbst dann nicht beobachtet, als die Glykogenspeicher der Probanden schon voll waren. Denn was zunächst passierte, war eine starke Verschiebung von Fett- auf Kohlenhydratverbrennung des Körpers, um diese überschüssige Energie wieder loszuwerden. Gleichzeitig erhöhte sich die Thermogenese der Probanden. Es wurde also ein großer Teil der extra Kohlenhydratenergie wieder in Form von Wärme an die Umgebung abgegeben. Eben, damit die Kohlenhydratenergie nicht gespeichert werden muss. Diese thermogene Wirkung war dann vergleichbar mit der thermogenen Wirkung der Proteine, welche mit 20-30% schon recht hoch ist. Außerdem war der Bewegungsdrang der Probanden erhöht. Der Körper versucht also aktiv den Kalorien-Output zu erhöhen, um eben der Körperfettspeicherung der Kohlenhydrate aktiv entgegenwirken zu können.

Interpretation

Wie können wir das also nun interpretieren? Ganz einfach! Wir müssen uns keine Sorgen machen, dass wir Kohlenhydrate im Körperfett speichern. Dies geschieht erst nach einigen Tagen Carb-Overfeeding. Der Körper ist demnach nicht gewillt, dieses Substrat als Körperfett einzulagern. Wenn wir also regelmäßig trainieren und die Glykogenspeicher in regelmäßigen Abständen zumindest teilentleeren und uns nicht permanent einem Carb-Overfeeding aussetzen über mehrere Tage, müssen wir uns absolut keine Gedanken über eine Fettspeicherung durch Kohlenhydrate machen. Allerdings, wenn wir viele Kohlenhydrate und gleichzeitig größere Mengen an Nahrungsfett konsumieren und das in einer überkalorischen Phase der Ernährung, müssen wir zumindest damit rechnen, dass die Nahrungsfette umso effizienter im Körperfett gespeichert werden!

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