Ständig Hunger – 4 unbeachtete Appetitanreger!


Fast wie ein Filmriss fühlt es sich an: Den ganzen Tag über nach Plan gegessen und stolz auf seine Disziplin, findet man sich kurze Zeit später in einem komatösen Zustand. Eigentlich war da nur ein leichtes Magenknurren und der Gang zum Kühlschrank wurde eher durch Langeweile als durch wirklichen Hunger angetrieben. Jetzt wäre der Zeitpunkt, an dem man idealerweise zu den Resten der letzten Mahlzeit greift und übrig gebliebenes Gemüse und Fleisch als Waffe gegen den Heißhunger verzehrt. Kurze Zeit später lässt ein Blick auf den Boden aber auf nichts Gutes schließen. Innerhalb von zehn Minuten wurden gerade 3000 Kalorien in Form von Eis, Schokolade und Chips weggeatmet. Aber war es wirklich das, wonach der Körper verlangte? 

Im Normalfall packt uns das Hungergefühl, wenn der Körper aufdringlich mitteilen möchte, dass er neuen Brennstoff benötigt, um optimal zu funktionieren. Abhängig vom zeitlichen Abstand zur letzten Mahlzeit kann dieses Gefühl mehr oder weniger intensiv ausfallen.

Wenn dieser Mechanismus aber nur auftreten würde, wenn der Körper wirklich Brennstoff benötigt, könnte man nicht täglich Foreneinträge über Fressanfälle finden.

Tatsächlich nutzt der Körper das Hungergefühl nicht nur, um auf einen Mangel an Energie hinzuweisen. Vielmehr dient ein aufkommender Appetit auch dazu, auf weitere Defizite aufmerksam zu machen.

Wasser

Während man das Hungergefühl sehr deutlich spürt, kommt es erfahrungsgemäß selten vor, dass man ein vergleichbares Verlangen spürt, wenn der Körper unter einem Flüssigkeitsdefizit leidet.

Hand auf’s Herz. Wer kann von sich behaupten, dass er dauerhaft genügend Flüssigkeit zuführt und zu keiner Zeit vergisst, eine angemessene Menge zu trinken. Meetings und knapp beisammen liegende Termine verleiten oft dazu, die Flüssigkeitszufuhr auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Indem der Körper ein Hungergefühl aufkommen lässt, signalisiert er in vielen Fällen eigentlich nur, dass er wieder hydriert werden möchte. Ein 500ml Glas mit Wasser kann hier schon Wunder bewirken und das Verlangen verschwinden lassen.

Die Erfahrung zeigt, dass man einen dehydrierten Zustand bestimmten Lebensmitteln zuordnen kann. Steigt die Lust auf wasserhaltige Lebensmittel wie Obst oder auch salzhaltige Produkte wie Brot, kann mit neuer Flüssigkeit gegengesteuert werden.

Schlaf

Kommen Schlaf und Erholung zu kurz, steigt schnell das Hungergefühl.

Der Zeiger tickt langsam und die Zeit scheint einfach nicht zu vergehen. Was würde man nicht für einen kurzen Powernap geben? Seit Tagen schon nicht mehr gut geschlafen und gerädert aufgewacht, bieten kurze Schlafpausen kurzfristig Erholung.

Leider ist ein Mittagsschlaf nicht möglich, wenn die Uhr unmissverständlich zeigt, dass der Arbeitstag noch vier Stunden andauern wird. In dieser Situation wird aus einem Schlafdefizit schnell ein Hungergefühl. Wenn die Energie nicht durch ausreichend produktive Schlafphasen kommt, muss sie schließlich über andere Wege bereitgestellt werden.

Schlafstörungen führen über die Umverteilung der Hormone Ghrelin und Leptin zu einer veränderten Wahrnehmung des Hungergefühls. Während Ghrelin dafür verantwortlich ist, Hunger zu signalisieren, übernimmt Leptin die Aufgabe der Sättigung.

Man weiß, dass defizitäre Schlafphasen das Ghrelin ansteigen lassen. Zusätzlich dazu verringert sich der Leptinspiegel. Zählt man eins und eins zusammen, wird schnell klar, in welcher Situation ein Schlafmangel endet.

In Momenten aufkommenden Hungers macht es also Sinn zu hinterfragen, ob Essen zu diesem Zeitpunkt die wirklich treibende Kraft ist oder man sich lieber unter der Bettdecke verkriechen würde.

Entspannung

Vergleichbar mit der Auswirkung durch ein Schlafdefizit, wirkt auch Stress auf das hormonelle Gleichgewicht. Anders als der Mangel an Schlaf, beeinflusst er aber nicht die Hormone Ghrelin und Leptin, sondern das Stresshormon Cortisol.

Cortisol wird ausgeschüttet, wenn der Körper einer Stresssituation ausgesetzt wird. Neben einem ansteigenden Appetit wirkt das Hormon sich auf einen weiteren Weg negativ auf den Körper aus. Es signalisiert ihm, dass Energie gespeichert werden muss. Diese Energiespeicherung bedeutet konkret Fetteinlagerung.

Bevor also vorschnell zu einer kalorienreichen Mahlzeit gegriffen wird, ist es ratsam zu evaluieren, ob der Appetit nicht durch aktuelle Stressoren verursacht wird. Meistens kann eine 5-minütige Auszeit vor einer mittelschweren Ben&Jerry’s Katastrophe schützen.

Emotionaler Ausdruck

Emotionales Essen ist wohl Niemandem gänzlich unbekannt. Hinter diesem Phänomen steckt eine ganze Kette von Reaktionen, die schlussendlich auch in der Aktivierung eines Hormons enden.

Serotonin, auch bekannt als Glückshormon, steigt an, wenn überwiegend Süßigkeiten gegessen werden. Aus diesem Grund fühlt man sich nach einem riesigen Pint Eis oder einer Tüte Haribo auch kurzfristig gut.

Physiologisch mag diese kurzzeitige Befriedigung durchaus wirken. Kurze Zeit später wird man aber aufgeschwommen und kugelrund vor dem Spiegel stehen und nicht mehr ansatzweise so glücklich mit dem Ergebnis sein.

Wirkungsvoll gegen diesen Teufelskreis angehen ist schwierig, aber machbar. Schon beim kleinsten Anzeichen von Frust aktiv zu werden und sich durch Aktivitäten im Freien abzulenken, wehrt Fressanfälle effektiv ab.


Hunger ist nicht immer ein Zeichen eines Energiedefizits. Vielmehr wird er oft vom Körper als Mechanismus genutzt, um auf verschiedene Mängel aufmerksam zu machen. Bevor also in Situationen eines extremen Appetits sofort auf Lebensmittel zurückgegriffen wird, kann es oft schon helfen, tief einzuatmen und zu hinterfragen, ob man zuerst an anderer Stelle ansetzen sollte!


Quelle: breakingmuscle.com/healthy-eating/what-are-you-really-hungry-for-4-things-other-than-food-you-might-be-craving




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