Warum man nicht alles „überanalysieren“ sollte!


„Überanalysieren“ ist sozusagen eine Wortneuschöpfung und bezeichnet einen der heutzutage schlimmsten Trends überhaupt, bei dem sich in fast schon lächerlichem Ausmaß der Kopf über jedes kleinste Detail zerbrochen wird. Die Betonung liegt dabei auf „über“ und bezogen werden kann jene Vorgehensweise im Bereich Fitness und Bodybuilding, wie beispielsweise auf die Makronährstoffverteilung, den Kalorienkonsum, die Pausenzeiten im Training, oder die Geschwindigkeit von einzelnen Wiederholungen. Früher hat man sich zwar diesbezüglich auch den einen oder anderen Gedanken gemacht, doch seit MyFitnessPal und Fitness Tracker zu den grundlegenden Hilfsmitteln eines jeden Studiogängers gehören, wurde das Ganze zunehmend schlimmer!

Man kann in diesem Zusammenhang nur an ein Zitat von Albert Einstein erinnern, das da lautet:

„Nicht alles, was zählt, kann gezählt werden, und nicht alles, was gezählt werden kann, zählt.“

Und der deutsche Physiker hatte damit alles andere als Unrecht, denn der menschliche Körper wird immer sehr viel mehr sein als nur ein Haufen überheblicher mathematischer Gleichungen. Dinge wie der Regenerationsbedarf, die Gegenüberstellung von maximaler oder optimaler Arbeitskapazität, biochemische und hormonelle Milieus und Refeed Tage zum Auffüllen der Glykogenspeicher oder zum Optimieren des Stoffwechsels – all das sind qualitative Elemente, die man nicht wirklich mit Zahlen beschreiben, sondern ausschließlich schätzen kann, um daraufhin deren Auswirkungen zu beobachten und entsprechend Erfahrungen zu sammeln.

Hinsichtlich des Trainings kann man sich zum Beispiel den Film Pumping Iron aus den 70er Jahren ansehen. Dabei sollte man genau auf die Workout Sequenzen achten und was man aus ihnen entnehmen kann. Was sieht man, was sieht man nicht?

Die vielen kleinen Helfer, die es heutzutage gibt, können gut und gerne als Fluch und Segen zugleich bezeichnet werden.

Vor den Zeiten von Wachstumshormonen, Insulin und Blähbäuchen wurden die Körper auf Weltklasseniveau mit verhältnismäßig schlechtem Equipment aufgebaut. Besondere Beachtung fand vor allem das Feedback des eigenen Körpers. Weshalb wohl sieht man in Pumping Iron niemanden, der sich mit der Geschwindigkeit der Wiederholungen, den Pausenzeiten zwischen den Sätzen oder einem detaillierten Trainingstagebuch befasst, in das er endlose Blöcke an Zahlen hineinschreibt?

In Bezug auf die Ernährung beobachtete beispielsweise eine amerikanische Studie namens National Weight Control Registry eine Vielzahl von Menschen, die eine große Menge an Körpergewicht verloren haben und ihre Erfolge auch über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten konnten. Im besagten Experiment wird unter anderem nach üblichen Gründen für den Erfolg gesucht. Dabei stellte sich heraus, dass das Zählen von Kalorien keinen sehr großen Einfluss auf den Verlust von Körpergewicht und dessen darauffolgende Stabilisierung hatte. Allgemeinere Gewohnheiten wie das regelmäßige Planen von Mahlzeiten oder das Frühstück spielten eine weitaus größere Rolle.

Eine aktuelle Studie der University of Pittsburgh fand zudem heraus, dass Fitness Tracker, wie zum Beispiel von der Marke Fitbit, den Probanden nicht dabei halfen, leichter abzunehmen. Verglichen wurden die Ergebnisse mit Testpersonen, die eine Diät verfolgten und eine solche Technologie nicht zur Verfügung hatten.

Fakt ist, dass viele Möchtegern-Gurus in der Fitness Industrie des Öfteren versuchen, Konsumenten mit verrückten Formeln und mathematischen Gleichungen zu blenden. Sie lieben es herumzudoktern und treiben das Spiel im Zuge dessen oft zu weit. Die Wahrheit ist jedoch, dass eine zu übertriebene Analyse diverser Parameter gar keine wirkliche Kontrolle bietet, sondern nur eine Illusion mit oftmals wenig relevantem Kontext liefert.

Das Problem dabei ist folgendes: Je mehr Anstrengungen man dafür aufwendet, sich mit irgendwelchen Formeln und Gleichungen zu beschäftigen, desto mehr verliert man die Fähigkeit, auf seinen eigenen Körper zu hören und daraus Erfahrungen zu sammeln.

Wenn man Dinge überanalysiert, täuscht man jedoch in den meisten Fällen einen Fachverstand nur vor. Richtige Sachkenntnis ist sehr viel anspruchsvoller, denn eine gute Beziehung zum eigenen Körper kann man wenn überhaupt nur äußerst selten auf Zahlen, Formeln und Gleichungen herunterbrechen. Man darf das Ganze aber auch nicht falsch verstehen, denn Trainingstagebücher, Fitness Tracker und Apps zum Kalorienzählen können natürlich auch nützlich sein. Wie immer sollte man bei deren Verwendung eben ein gutes Maß finden und das Ganze nicht bis ins Unendliche übertreiben!


Quelle: biotest.t-nation.com/articles/tip-stop-it-with-the-obsessive-counting

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