"Drunchies"

Wie Alkoholkonsum das Ernährungsverhalten beeinflusst!


Im Studenten-Englisch nennt man sie umgangssprachlich auch „Drunchies“, ein sprachlicher Hybride aus „drunk“ (betrunken) und „Munchies“ (Fressattacke). Man kann das frei übersetzen als eine Art „Suffsnack“. Gemeint ist das bei oder nach starkem Alkoholkonsum auftretende Verlangen nach salzigen, fettigen und ungesunden Nahrungsmitteln. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Ausbreitung von Adipositas – gerade in den westlichen Industrienationen und insbesondere in den USA – haben sich amerikanische Forscher entschlossen, eine Zufallsstichprobe an College-Studenten zu untersuchen, um die Wirkungen des Alkoholkonsums auf die Ernährung besser verstehen zu lernen. Dabei ging es um die Ernährung während des nächtlichen Alkoholkonsums und um die erste Mahlzeit am nächsten Morgen, wenn der Hangover regiert. Es sollte nicht wirklich überraschen, dass die Probanden um 4 Uhr morgens keine gesunden Smoothies oder frische Orangen vertilgten.

„Wenn man die Fettsuchtepidemie und die Rate an Alkoholkonsum auf den Campi der Colleges anschaut, muss man sich dabei nicht nur der negativen Effekte des Alkoholkonsums selbst bewusst sein, sondern auch der Wirkung, die dieser auf das Ernährungsverhalten hat“, erklärt Jessica Kruger, eine Forscherin, die als klinische Assistenzprofessorin an der Buffalo School of Public Health and Health Profession arbeitet.

Kruger war federführend bei der genannten Studie, die das Essverhalten während und nach Alkoholgelagen untersuchte. Sie und ihre Kollegen führten die Studie an einer Stichprobe von 286 Studenten einer großen Universität im Mittleren Westen der USA durch.

Die Datenlage bezüglich der Wirkungen des Trinkens auf die Ernährung ist dünn, der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und dem Verzehr ungesunder Nahrungsmittel ein in der traditionellen Forschung häufig übersehener Aspekt.

Ihre Inspiration für diese Untersuchung erhielt Kruger durch einen Werbespot, den sie und einige ihrer Kollegen in einer Uni-Zeitung gesehen hatten. Mit der saloppen Frage „Got Drunchies?“ bewarb die Anzeige Tacos-, Pizza- und andere Junk Food-Restaurants, die auch spät abends nach Zapfenstreich noch offen hatten.

65 Prozent aller amerikanischen College-Studenten geben an, regelmäßig Alkohol zu trinken. Es ist also durchaus wichtig, die Auswirkungen des Alkoholkonsums auf die Ernährung zu berücksichtigen, insbesondere auf oder in der Nähe von College Geländen, wo sich eine Menge Optionen zum Kauf von ungesundem Essen anbieten. Man muss sich nur einmal klar machen, dass ein halber Liter Bier ca. 200 Kalorien hat. Wenn davon vier bis fünf getrunken werden und schließlich noch eine Pizza den Weg in den Magen findet, dann entspricht das schon fast dem Grundumsatz eines 100 Kilogramm schweren Athleten im Ruhezustand.


Speziell das Verlangen nach verhältnismäßig ungesunder Nahrung steigt, wenn man Alkohol getrunken hat.


„Wir tauchten also ein bisschen tiefer in die Materie ein und fanden als ersten heraus, was ‚Drunchies‚’ sind, und entschieden dann, dass sie ein interessanter Untersuchungsgegenstand wären. Unsere erste Studie konzentrierte sich auf die Ernährung während des Alkoholkonsums; die neuere Studie erhob die Daten zur ersten Mahlzeit am Tag danach“, berichtet Kruger.

Die Untersuchungsteilnehmer wurden gebeten, online einen anonymen Fragebogen auszufüllen, der mit allgemeinen Fragen nach der Ernährung begann. Etwa „Was isst du normalerweise zur ersten Mahlzeit des Tages?“ und „Wie oft isst du etwas vor dem Schlafengehen?“ wurde hier in Erfahrung gebracht. Im weiteren Verlauf der Umfrage wurde dann spezifischer gefragt, wie oft nach dem Alkoholgenuss etwas vor dem Zubettgehen gegessen würde und woraus diese letzten Mahlzeiten bestünden. Ebenso wurde die erste Mahlzeit am „Katertag“ abgefragt.

Die Forscher fanden heraus, dass das Trinken das Ernährungsverhalten der Teilnehmer vor dem Schlafengehen beeinflusste. „Alle Alkoholtrinker neigten eher dazu, vor dem Schlafengehen noch etwas zu essen, wenn sie zuvor Alkohol getrunken hatten“. Das notierten Kruger und ihre Kollegen in ihrem Bericht. Im Besonderen tendierten sie eher zu salzigen Snacks und Pizza. Gesundes Essen wie etwa grünes Gemüse, das normalerweise von den Probanden verzehrt würde, wirkten in solchen Situationen nicht so appetitanregend.

Besonderen Anlass zur Sorge gab die Tatsache, dass die Teilnehmer nicht angaben, mehr Wasser oder andere nicht-alkoholische Getränke vor dem Schlafengehen zu trinken. Dadurch aber wird die durch Alkohol und salziges Essen ausgelöste Dehydration noch verschlimmert, sodass die Wahrscheinlichkeit zum Konsum weiterer ungesunder Lebensmittel noch steigt.

Am folgenden Tag änderte sich das Ernährungsverhalten der Teilnehmer gegenüber der Nacht zuvor: Sie ließen seltener eine Mahlzeit ausfallen als an einem typischen Morgen ohne vorherigen Alkoholkonsum und nahmen dementsprechend mehr Kalorien auf. Zudem favorisierten sie Junk Food wie Pizza oder Tacos und mieden eher Milch- und Vollkornprodukte, höchstwahrscheinlich wegen der unter Studenten verbreiteten Mythen zur erfolgreichen Selbsttherapie eines Hangovers mithilfe salziger Nahrungsmittel, die den Alkohol „aufsaugen“ sollen. Solche Mythen zu entzaubern, ist demzufolge ein Weg, wie man eine gesunde Ernährung nach übermäßigem Alkoholkonsun fördern kann.

Was passiert im Körper, dass der frei übersetzte „Suffsnack“ attraktiv erscheint? Die Forscher nehmen an, dass nach dem Alkoholkonsum die Menge an Blutzucker steigen und fallen kann, sodass das Gehirn hormonell Hunger signalisiert bekommt. Die Ergebnisse der Studie deuten laut Kruger außerdem darauf hin, dass die zahlreichen Möglichkeiten zum Kauf von Junk Food in Universitätsnähe reduziert werden sollte.

Durch diesen Artikel wird klar, welche Abläufe an einem feuchtfröhlichen Abend mit Alkohol in Gang gesetzt werden. Weiß man als ambitionierter Kraftsportler um die Gefahren, die während und nach einer wilden Partynacht lauern, lassen sich diverse Vorkehrungen treffen, um das schlimmste Übel zu vermeiden und dennoch hin und wieder seinen Spaß haben zu können. Keine Frage, gesund ist exzessiver Alkoholkonsum nicht. Wenn man jedoch auf mögliche Stolperfallen vorbereitet ist, kann man den eventuell entstehenden Schaden in Grenzen halten und weder Muskelaufbau noch Fettabbau werden übermäßig beeinträchtigt. 


Quelle: sciencedaily.com/releases/2018/08/180807104300.htm
Referenzstudie:
Jessica Kruger, Jennifer Glassman, Kerri Lynn Knippen, Tavis Glassman, and Daniel J. Kruger. The Drunchies Hangover: Heavy Episodic Drinking and Dietary Choices while Drinking and on the Following Day. Californian Journal of Health Promotion, 2018

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