Wie wichtig ist die Nährwerttabelle auf Lebensmitteln?


Stellt man die Frage aus dem Titel des Beitrags einem Ernährungsexperten oder einem Fitness Trainer, wird er eventuell nur ungläubig mit dem Kopf schütteln, sie aber dennoch mit einem überzeugenden „sehr wichtig“ beantworten, denn für die meisten Personen ist das Studieren der Rückseite der Verpackung auf einem Lebensmittel das A und O. Man erhält dadurch nämlich wichtige Informationen über das Produkt, zum Beispiel wie viele Kalorien enthalten sind oder welche Menge an Zucker, Salz, Fett, Kohlenhydraten oder Protein pro Portion geliefert wird. Durchaus wichtige Details, oder nicht?

Ein Expertengremium, bestehend aus Ernährungsexperten, Lebensmittelwissenschaftlern, Ärzten und Epidemiologen, könnte anderer Meinung sein. Das Department of Nutrition, Exercise and Sports an der University of Copenhagen hat diesbezüglich einen Bericht veröffentlicht, der im Grunde genommen aussagt, dass man Nahrung nicht nur individuell nach den Nährwerten betrachten sollte. Stattdessen wäre es besser, Lebensmittel auch in Kombination mit anderen Lebensmitteln zu bewerten, die zur selben Zeit konsumiert werden.

Zumindest vor Augen führen sollte man sich das Ganze, denn nur selten isst man etwas, ohne es irgendwie zu kombinieren. Spaghetti mit Bolognese, Burger und Pommes Frites, Joghurt und Beeren, Müsli und Milch – die meisten Nahrungsmittel bestehen zudem auch noch aus mehreren Inhaltsstoffen. Diese individuellen Bestandteile werden nicht nur dadurch beeinflusst, wie man sie kocht, sondern auch mit welchen anderen Lebensmitteln man sie zubereitet. 

Nährwerttabellen könnten eventuell unbedeutender sein als gemeinhin angenommen.

Käse ist ein perfektes Beispiel. Basierend auf seinem Nährwert allein, wäre er aufgrund seines hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren ein No Go. Untersucht man aber die physiologischen Effekte von Käse, findet man heraus, dass die Auswirkungen auf den Colesterinspiegel für das Fett deutlich geringer ausfallen als erwartet. Oder wie wäre es mit Mandeln, die ebenfalls viel Fett enthalten, wovon allerdings während der Verdauung um einiges weniger freigesetzt wird.

Die Konsequenzen wären weitreichend, denn das würde bedeuten, dass wir unsere Art und Weise, wie wir über Nahrung denken, unter dem Strich ändern müssten. Es ginge nicht mehr nur die Summe aus Vitaminen, Mineralien, Fett, Kohlenhydraten, Protein und Ballaststoffen, die in netten kleinen Zahlen auf den Verpackungen steht, sondern wir müssten anfangen, jede konsumierte Mahlzeit aus dem Blickwinkel zu bewerten, wie alle Inhaltsstoffe sich effektiv kombinieren lassen.

Dr. Tanja Kongerslev Thorning vom Department of Nutrition, Exercise and Sports an der University of Copenhagen ist die erste Autorin des besagten Berichts. Sie erklärt, dass Wissenschaftler sich schon lange fragen, warum die tatsächlichen Effekte eines Lebensmittel sich von den Erwartungen unterscheiden, die man aufgrund der Nährwerte angestellte hatte. Deshalb hätte man angefangen, die Dinge in einem größeren Kontext zu betrachten.

Forscher seien der Doktorin zufolge über die Jahre geschickter geworden und sollen weitere Methoden erlernt haben, um genauer erforschen zu können, was bestimmte Nährstoffe für die Verdauung und die Gesundheit bedeuten. Wenn man allerdings etwas isst, würde man nie individuelle Nährstoffe, sondern immer ein ganzes Lebensmittel konsumieren. Entweder allein oder mit anderen Lebensmitteln in Kombination. Es scheine deshalb offensichtlich, dass man Nahrung in einem anderen Zusammenhang sehen müsse.

Schlussendlich bedeutet dies, dass die Zusammensetzung eines Lebensmittels die Eigenschaften der Nährstoffe in sich auf eine Weise verändern kann, die sich nicht auf Basis einer Analyse der individuellen Nährstoffe vorhersagen lässt. Beispielsweise haben Milchprodukte wie Käse einen geringen Effekt auf unsere Cholesterinwerte als man es anhand des hohen Fettgehalts denken würde. Es gibt Wechselwirkungen zwischen Nährstoffen in einem Lebensmittel, die signifikant für dessen gesamte Auswirkungen auf die Gesundheit sind.

Ein weiteres Beispiel wären Mandeln, wie Tanja Kongerslev Thorning weiter ausführt. Sie enthalten ebenfalls viel Fett, das aber während der Verdauung in geringeren Mengen freigegeben werde als man vermuten würde – auch wenn man die Mandeln sehr gut kaut. Die Effekte eines Nahrungsmittels auf die Gesundheit könnten demnach wohl eine Kombination der Beziehung zwischen seinen Nährstoffen und der Zubereitung oder Herstellung sein. Das könnte wiederum darin resultieren, dass manche Lebensmittel eventuell besser oder sogar ungesünder sind als wir es derzeit glauben!


Quelle: breakingmuscle.com/fitness/are-you-using-food-labels-for-maximum-benefit
Referenzstudie:
Tanja Kongerslev Thorning, Hanne Christine Bertram, Jean-Philippe Bonjour, Lisette de Groot, Didier Dupont, Emma Feeney, Richard Ipsen, Jean Michel Lecerf, Alan Mackie, Michelle C McKinley, Marie-Caroline Michalski, Didier Rémond, Ulf Risérus, Sabita S Soedamah-Muthu, Tine Tholstrup, Connie Weaver, Arne Astrup, Ian Givens. „Whole dairy matrix or single nutrients in assessment of health effects: current evidence and knowledge gaps.“ The American Journal of Clinical Nutrition, 2017; 105 (5): 1033.

3 comments

  1. lorenz

    Interessanter Artikel! Allerdings hinter lässt er mehr Fragen als Antworten…

    Gesendet am 15. August 2017
    • Narf

      Das stimmt allerdings.
      Welche Kombinationen sind denn nun sinnvoll? Gibt es schon Bücher darüber oder Artikel?

      Gesendet am 17. August 2017
  2. Reinhard

    Dass das Fett von einer Tiefkühl Pizza ungesünder ist als von einer Makrele oder Käse ist doch klar. Außer MSN liest nur die Apotheken Rundschau oder die AOK Zeitung.

    Gesendet am 16. August 2017

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