Ein Relikt der Vergangenheit?

Ästhetik im Bodybuilding


Der Begriff Ästhetik wird im Bodybuilding oftmals mit den Jungs um Arnold Schwarzenegger, Frank Zane, Sergio Oliva, Franco Columbo und Co. in Verbindung gebracht. Die Bodybuilder der 70er und 80er Jahre hatten zweifelsfrei einen etwas anderen Look als die Bodybuilder die sich aktuell an der Spitze befinden. Doch heißt das, dass die Ästhetik gelitten hat? Gibt es überhaupt noch so etwas wie Ästhetik auf der Olympia Bühne?

Um diese Frage zu klären, sollten wir zunächst einmal genau definieren, was Ästhetik überhaupt ist.


Laut Wikipedia ergibt sich folgende Definition:

Ästhetik bedeutet wörtlich: Lehre von der Wahrnehmung bzw. vom sinnlichen Anschauen. Ästhetisch ist demnach alles, was unsere Sinne bewegt, wenn wir es betrachten: Schönes, Hässliches, Angenehmes und Unangenehmes. Eine Lehre, die sich nur mit schönen Dingen beschäftigt, heißt Kallistik.

Alltagssprachlich wird der Ausdruck ästhetisch heute meist als Synonym für schön, geschmackvoll oder ansprechend verwendet. In der Wissenschaft bezeichnet der Begriff die gesamte Palette von Eigenschaften, die darüber entscheiden, wie Menschen wahrgenommene Gegenstände bewerten.


Nach der modernen Definition, die seit dem 19. Jahrhundert gilt, ist Ästhetik also alles, was unsere Sinne bewegt. Umgangssprachlich gesehen assoziieren wir den Begriff mit etwas Schönem oder schön Anzusehendem. Doch was genau ist schön? Für jeden von uns bedeutet „schön“ etwas anderes und genau deshalb ist Bodybuilding ein so subjektiver Sport. Es geht nicht darum, wer die meisten Gewichte bewegt oder die meiste Muskelmasse hat. Es geht darum, einen Körper zu besitzen, den die Fans und besonders die Kampfrichter als schön empfinden. Der eine legt besonderen Wert auf die Härte, der andere auf die Masse. Der eine legt besonderen Wert auf pralle Muskelbäuche, der nächste auf eine schmale Taille. Daher sind Entscheidungen im Wettkampfbodybuilding fast immer umstritten. Die Geschmäcker sind nun einmal verschieden und das subjektive Empfinden bleibt individuell.

Die Bodybuilder der 70er und 80er Jahre sind bis heute für ihre schmalen Taillen und die berühmte Vakuum-Pose bekannt, die zur damaligen Zeit fast schon zum Standardrepertoire gehörte. Nach heutigen Bewertungskriterien würden diese Athleten in der offenen Klasse aber mittlerweile nicht mehr konkurrenzfähig sein. Dafür fehlte es ihnen nicht nur an Muskelmasse, sondern auch an Härte. In der heutigen Zeit wird viel mehr Wert darauf gelegt, dass alle Muskeln maximal entwickelt sind. Im Vergleich zu heute mangelte es Arnold und Co. ein wenig am Beinbeuger, Gluteus und auch der Quadrizeps war damals etwas kleiner im Vergleich zum Oberkörper. Mit modernen Geräten, pharmakologischen Hilfsmitteln und dem Wissen, dass diese Muskeln noch besser ausgeprägt sein können, wird heute auch darauf mehr geachtet.


Die Wahrheit über die Classic Physique – Die Zukunft des Bodybuildings?!


Nehmen wir zum Vergleich einmal Frank Zane, den Olympia-Sieger von 1977 bis 1979. Bis heute ist er bekannt für seine beeindruckenden Proportionen, seine schmale Taille und den für damalige Verhältnisse bemerkenswert niedrigen Körperfettanteil. In seiner berühmten Vakuum-Pose mit den Händen hinter dem Kopf kann man Details in seiner Muskulatur erkennen, von denen manch heutiger Profi nur zu träumen wagt. Auch der V-Taper in dieser Pose ist mehr als imposant. Doch mit einem Bühnengewicht von circa 88 Kilo auf 1,75 Meter könnte Zane heute bei den schweren Jungs keinen Blumentopf mehr gewinnen.

Die Evolution des Bodybuildings hat dazu geführt, dass heutige Athleten über ganz andere Möglichkeiten verfügen als vor 40 Jahren und dadurch sehr viel mehr Masse aufbauen können. Ob einem das gefällt oder nicht, liegt im Auge des Betrachters.


Frank Zane gewann drei Mal den Mr. Olympia – 1977, 1978 und 1979.


Da sich immer mehr Fans und Follower dieses subjektiven Sports die Körper dieser Ära zurückwünschen und man das bei diesem Anblick auch mehr als gut nachvollziehen kann, hat sich die IFBB vor einigen Jahren dazu entschieden, eine Klasse im Profizirkus einzuführen, die diesem Idealbild nahe kommt – die Classic Physique. Zwar ist der Anspruch an Form und Ausgeglichenheit in dieser Klasse durch die heutigen Möglichkeiten etwas höher, doch müssen die Athleten ein gewisses Verhältnis von Körpergröße und -gewicht einhalten, um an den Start gehen zu dürfen. Sehr viele Fans empfinden diese Art von Körper als ästhetisch und bevorzugen sie gegenüber der offenen Klasse.

Seit Einführung in der Profi-Liga 2016 wächst das Interesse an und der Konkurrenzkampf in der Classic Physique scheinbar exponentiell. Daher scheint diese Entscheidung absolut richtig gewesen zu sein. Sowohl was die Befriedigung der Bedürfnisse der Athleten als auch die der Fans angeht. Schließlich ist nicht jeder IFBB-Pro bereit, wirklich ALLES dafür zu unternehmen, ganz oben in der offenen Klasse mithalten zu können. Darüber hinaus entspricht dies nicht unbedingt dem ästhetischen Empfinden vieler Athleten und Fans. Im Endeffekt ist und bleibt Bodybuilding subjektiv, genauso wie die Ästhetik beziehungsweise das Schönheitsempfinden!

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nach oben
Gannikus.com

Gannikus.com