Das haben die Bodybuilder der 90er wirklich genommen! - Gannikus.com

Milos Sarcev packt ausDas haben die Bodybuilder der 90er wirklich genommen!

Während viele Profi Bodybuilder behaupten, Muskelaufbau auf Elite Niveau sei einfach, denn man müsse nur schwer trainieren, viel essen und sich genügend Regeneration gönnen, gehört in Wahrheit noch ein weiterer Aspekt dazu, wenn man zu den besten der Welt gehören will. Das Thema Steroide und leistungssteigernde Mittel wurde von den meisten Profis in den letzten Jahrzehnten bewusst tot geschwiegen. Einerseits aus rechtlichen Gründen, andererseits sicher auch aus Scham oder zum Schutz von möglichen Nachahmern wurde das Wissen um die kleinen Helferlein, wenn überhaupt, nur hinter vorgehaltener Hand weitergegeben. Doch einer der Top-Profi’s der 90er Jahre legt nun seine Karten offen und veröffentlichte Seiten seines Tagebuches aus dem Jahre 1997.

Milos Sarcev wurde am 17. Januar 1964 in Serbien geboren und studierte Ernährungstechnologie an der Universität von Novi Sad in seinem Heimatland. Bereits früh begann er mit dem Bodybuilding und wurde zweimaliger Mr. Jugoslawien. Doch aufgrund der vergleichsweise schlechten Bedingungen zog es ihn 1987 in die USA, um dort seine sportliche Karriere fortzusetzen. Schnell gewann der mittlerweile 25-Jährige den Mr. Universe der WPF und sicherte sich zwei Jahre später die Profi-Karte.

Schon in seinem ersten Jahr als professioneller Bodybuilder qualifizierte sich der Osteuropäer für den Mr. Olympia, konnte dort allerdings nur den 16. Platz erringen. Im Verlauf der 90er Jahre nahm seine Karriere dann an Fahrt auf und schnell fand man Sarcev auch auf den vorderen Plätzen zahlreicher Wettkämpfe wieder. Bis heute gilt Milos Sarcev als geheimer Erfinder des Einsatzes von Insulin zum Zwecke des Muskelaufbaus. Als studierter Ernährungswissenschaftler wusste er, dass das anabole Hormon nicht nur Kohlenhydrate, sondern auch Aminosäuren in die Muskelzellen schleusen kann und entwickelte daraus ein regelrechtes Protokoll, das bis heute Anwendung findet. Doch nicht nur Insulin stand auf dem Plan des heutigen Wettkampfvorbereiters.

Der serbische IFBB Pro war bekannt dafür Dinge auszuprobieren, von denen seine Kollegen lieber die Finger ließen. Gute und schlechte Erfahrungen konnte er während dieser Zeit sammeln, wobei er das Wissen heute an seinen Klienten anwendet. Dennis Wolf, Roman Fritz, Dennis James, Hidetada Yamagishi und Ben Pakulski sind nur einige Namen, die mit Sarcev zusammengearbeitet haben. Im Laufe seiner aktiven Karriere führte er sich selbst eine Reihe von Mittelchen zu, die man als normaler Studiogänger vielleicht nicht erwartet hätte.


Milos Sarcev: „Insulin und Blähbäuche stehen nicht im Zusammenhang!“


Ganz zu Beginn des nun aufgetauchten Auszugs seines Tagebuches befindet sich zunächst eine Liste von Substanzen, die im Jahre 1997 auf den Profiwettkämpfen als Dopingmittel getestet wurden. Zahlreiche Diuretika sowie Clenbuterol befinden sich darunter. Offenbar hatten die Athleten bereits vor Beginn der Saison Zugang zu dieser Liste und konnten entsprechende Substanzen meiden oder frühzeitig absetzen. Das Tagebuch selbst beginnt am 11. März 1997. Neben dem Schilddrüsenpräparat Triacana und dem Östrogenrezeptormodulator Nolvadex (Tamoxifen) wurden „lediglich“ anabole Steroide wie Anapolon (Oxymetholon), Oxandrolon (Anavar), Primobolan (Methenolon Enantat), Sustanon und Winstrol (Stanozolol) sowie Insulin (Humulin N und Novolin R) und Wachstumshormone (Nutropin) verwendet.

Obwohl nicht näher beschrieben ist davon auszugehen, dass das Ziel zu diesem Zeitpunkt zunächst darin bestand, Muskelmasse aufzubauen. Davon zeugt auch der dritte gezeigte Abschnitt zwölf Tage darauf, bei dem Sarcev bereits vier Pfund (knapp zwei Kilogramm) schwerer war. Auch entsprechende Aufzeichnungen über die Ernährung des Serben sind vorhanden und berichten von einer Kalorienaufnahme zwischen 3800 und 4500 kcal zu diesem Zeitpunkt. Schnell gesellte sich jedoch auch Esiclene dazu, ein Mittel, mit dem man bewusst versucht, Entzündungsreaktionen in der Muskulatur herbeizuführen, um dadurch einen anabolen Reiz in schwachen Muskelpartien zu setzen.


Steroids, Drugs, and Life: Teil 5 – Site Enhancements


Im Laufe der Vorbereitung für die Saison 1997, in der Sarcev ganze elf Wettkämpfe bestritt, Zehnter beim Mr. Olympia wurde und bei zwei Pro Shows als Sieger die Bühne verließ, gesellten sich einige weitere Dinge hinzu oder verließen das Protokoll. Das Timing und den Einsatz von Insulin und Wachstumshormonen sind dabei immer im Ernährungsplan mit eingezeichnet, da die zeitliche Abfolge von Nahrung und den Injektionen eine entscheidende Rolle spielt.

Am 21. April 1997, ca. drei Wochen vor dem ersten Wettkampf, erreichte die Liste eine beeindruckende Länge. Darunter waren:

  • 4 Tabletten Triacana
  • 100 mg Primobolan
  • 4 mg Oxandrolon
  • 20 mg Halotestin
  • 20 mg Nolvadex
  • 50 mg Proviron
  • 2 Tabletten Winstrol Depot
  • 2 Injektionen Esiclean in den Bizeps
  • 3 Injektionen Esiclean in den Trizeps
  • 1 Injektion Parabolan (Trenbolon Hexahydrobenzylcarbonat)
  • 1 Injektion Masteron
  • 150 mg Testosteron Suspension
  • 3 TM (leider konnten wir nicht herausfinden, was damit gemeint ist)
  • 1 Tablette Cytomel (Schilddrüsenpräparat)
  • 3 Percuta Creme
  • 2 Tabletten Orimiten (Cortisolhemmer)
  • 4 i.U. Nutropin (Wachstumshormon)

Doch damit nicht genug. Im Anschluss an den erfolgreichen Wettkampf, dessen Scorecard Sarcev, inklusive Namen der Kampfrichter, in sein Heft geschrieben hatte, geht der Auszug aus dem Journal am 16. August weiter. Dort finden sich neben einigen der bereits genannten Stoffen auch Eprex, ein Medikament mit dem Wirkstoff Erythropoetin (EPO), sowie Synthol, welches er sich in den Bizeps spritzte. Offenbar ersetzte das Öl das zuvor verwendete Esiclene. Wie der Serbe jedoch später in Interviews zugab, bereut er diese Entscheidung bis heute.

Milos Sarcev vor dem Gebrauch von Synthol (links) und danach (rechts).

Nicht nur ruinierte es die Form seiner Arme auf der Bühne, er berichtet weiterhin, dass das Gewebe mit der Zeit vernarbte und sich daraufhin selbst abbaute. Doch das war nichts im Vergleich zu einem Vorfall, bei dem sich der IFBB Pro im Jahr 2000 beinahe selbst tötete, indem er bei einer Injektion des Öls in seinen Trizeps eine Vene traf und es sich direkt in die Blutbahn spritzte. Daher rät Sarcev heute dringlichst vom Gebrauch dieses Mittels ab. 

Zwar belegte Milos auf dem Mr. Olympia 1997 den zehnten Platz, der gleichzeitig auch die beste Platzierung seiner Karriere war, doch ist der Wechsel von Esiclene auf Synthol möglicherweise der Grund dafür, dass es nie zu mehr gereicht hat. Wie man auf dem oberen Bild sehen kann, ist der Gebrauch deutlich ersichtlich und möglicherweise haben ihn die Kampfrichter für diesen Look abgestraft. Obwohl die Arme stets eine Schwäche des heutigen Wettkampfvorbereiters waren, hat sich die Zuhilfenahme des Öls für ihn nicht gelohnt.

Wie man aus diesem Protokoll entnehmen kann, gehört schon einiges mehr dazu, als nur schwer zu trainieren und viel zu essen, wenn man zu den besten Bodybuildern der Welt gehören will. Die 90er Jahre gelten als Geburtsstunde der Massemonster, wie wir sie heute kennen, doch neben erfolgreichen Experimenten mit leistungssteigernden Mitteln wurden auch einige Fehler gemacht, aus denen die damaligen Profis gelernt haben. 


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