Bob Paris

Die Geschichte des ästhetischsten Bodybuilders aller Zeiten


Bodybuilding ist ein subjektiver Sport. Es werden keine Höhen oder Weiten gemessen. Es geht nicht um Geschwindigkeit oder Gewichte, die bewältigt werden können. Keine Tore und keine Punkte werden gezählt. Es geht schlichtweg darum, wer am Wettkampftag die beste Kombination aus Masse, Härte, Symmetrie und Ästhetik auf die Bühne bringt. Welcher Körpertyp am Ende als Sieger hervorgeht, hängt somit auch vom Geschmack der Kampfrichter ab. Gerade der Punkt Ästhetik ist dabei etwas, das von Mensch zu Mensch als unterschiedlich wahrgenommen wird. Doch ganz offiziell gibt es einen Athleten, der dennoch als „ästhetischster Bodybuilder aller Zeiten“ gekrönt wurde.

Robert Clark Paris, besser bekannt als Bob Paris, wurde am 14. Dezember 1958 in der amerikanischen Stadt Columbus im Bundesstaat Indiana geboren. Bereits in seiner Kindheit zeigte der Schüler sowohl künstlerisches als auch athletisches Interesse. Mit gemalten Bildern und Kurzgeschichten gewann der spätere Buchautor schulische Nationalpreise. Doch auch in der Natur fand man den jungen Paris oft beim Wandern oder Radfahren. In seiner High School Zeit spielte er sogar in Musicals mit und betrieb Sportarten wie American Football, Golf und Leitathletik. Man kann also sagen, dass der junge Mann ein wahres Multitalent war.


Ästhetik im Bodybuilding


Als Zehntklässler entdeckte er jedoch eine alte, staubige Gewichtsmaschine in der Ecke des Basketball-Kraftraums seiner Schule und fing an, daran herumzuexperimentieren. Schnell baute der Teenager Kraft und Muskelmasse auf und verlor das Interesse an den Team-Sportarten. Fortan wusste der junge Paris, für welchen Sport er geboren wurde und widmete sich voll und ganz dem Bodybuilding. 

Bob Paris war ein leidenschaftlicher Poser.

Während seiner Zeit beim U.S. Marine Corps wurde dem jungen Mann klar, dass er mehr von der Welt sehen wollte und dies durch eine Karriere als Bodybuilder und Schauspieler erreichen könnte. Nachdem der US-Amerikaner zwei Jahre lang in Los Angeles gelebt hatte, nahm er 1981 an seinem ersten Wettkampf, dem Mr. Los Angeles, als Light-Heavyweight teil und gewann auf Anhieb seine Klasse und holte den Gesamtsieg. Im Jahr darauf folgten vier weitere Shows, bei denen er sich zweimal den ersten und je einmal den zweiten und dritten Platz sicherte. 1983, im Alter von 24 Jahren, gewann Paris sowohl bei den NPC American National Championships als auch bei den IFBB World Championships und durfte sich fortan als Profi-Bodybuilder bezeichnen.

Schon bei seinem ersten Auftritt auf dem Mr. Olympia im Jahr 1984 sicherte sich der damalige Rookie Pro einen respektablen siebten Platz. Trotz seiner erfolgreichen Amateur-Karriere konnte Bob Paris jedoch nie einen Profi-Wettkampf gewinnen. Abgesehen vom Mr. Olympia, dem prestigeträchtigsten Wettkampf im Bodybuilding, platzierte sich der künstlerisch begabte Bodybuilder zwischen 1988 und 1991 aber in sieben Wettkämpfen unter den besten fünf Athleten. Besonders für seine leidenschaftliche Art des Posings war Bob Paris stets bekannt.

Doch nicht nur für sein leidenschaftliches Posing und seinen ästhetischen Körper war und ist Bob Paris bis heute bekannt. 1989 war er der erste professionelle Athlet überhaupt, der sich während seiner aktiven Zeit als homosexuell outete. Sein Coming-Out im Muscle Mag Magazin war definitiv ein Novum. Im selben Jahr wurde er sogar als erster Bodybuilder in die Oprah Winfrey Show eingeladen, in der er öffentlich über seine sexuelle Orientierung sprach und damit offen für die Rechte von Schwulen und Lesben kämpfte. Zu dieser Zeit aber war die Akzeptanz für Homosexualität noch sehr gering und Paris verlor 80 % seiner Verträge mit Sponsoren. Auch auf seine Wettkampfplatzierung schien sich sein Outing auszuwirken, da er beim folgenden Mr. Olympia nur noch als 14. die Bühne verließ. 

In „Gorilla Suit“ spricht Paris über sein Leben als Bodybuilder.

Im Anschluss daran nahm Paris weder am Mr. Olympia noch an der Arnold Classics 1990 teil. Der Athlet aus Indiana war stets ein starker Befürworter des naturalen Bodybuildings und verteidigte seine Meinung auch sehr lautstark in der Öffentlichkeit. Umso kritischer sahen es die Fans, dass der amerikanische Bodybuilder gerade in dem Jahr ausgesetzt hat, in dem es das bisher erste und einzige Mal Dopingtests auf anabole Steroide beim Mr. Olympia und bei der Arnold Classic gab.

Nachdem er noch einmal am Mr. Olympia teilgenommen hatte, hängte der homosexuelle Bodybuilder im Jahr 1991 seine Posinghose an den Nagel und trat vom Bodybuilding zurück. Doch das bedeutet nicht, dass er vollkommen von der öffentlichen Bildfläche verschwand. Der damals 33 Jahre alte Mann widmete sich fortan wieder verstärkt seiner künstlerischen Leidenschaft, dem Schauspiel und dem Schreiben. Mehrere Bücher veröffentliche der Autor und trat in verschiedenen Musicals auf. 2009 bekam er sogar eine Rolle in einer amerikanischen TV-Serie. Weiterhin kämpft Bob Paris bis heute für Menschenrechte.

Die wohl größte sportliche Ehre wurde Paris jedoch im Jahre 2006 zuteil, als er trotz der vielen Kontroversen um ihn vom Flex Magazin als ästhetischster Bodybuilder aller Zeiten gekürt wurde. In einer Zeit, in der sich Massemonster wie Ronnie Coleman und Jay Cutler um die Krone duellierten, war es ein außerordentliches Statement, einen homosexuellen Bodybuilder zu ehren, der bei einer Körpergröße von 1,78 Meter gerade einmal knappe 100 Kilo auf die Bühne brachte. Dieser Preis war keineswegs eine Selbstverständlichkeit, vor allem nicht in einem Land wie den USA, in dem Homophobie bis heute weit verbreitet ist.

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