Filter, Winkel & Co. – Instagram vs. Realität


Es dauert nicht mehr lange und die FIBO öffnet ihre Türen, um sich als weltweit größte Messe im Bodybuilding zu präsentieren. Auch in diesem Jahr werden wieder unzählige Fans und Interessenten des Sports keine Kosten und Mühen scheuen, um sich aus allen Ländern der Welt auf den Weg nach Köln zu machen und ihre Stars persönlich und hautnah zu erleben. Ganz besonders Neulinge, die zum ersten Mal ihre Vorbilder in Natura sehen werden, müssen sich aber auf ein Erlebnis der ganz besonderen Art einstellen, denn nicht immer wird man den Athleten antreffen, den man eigentlich erwartet.

Seitdem es das Bodybuilding gibt, dreht sich alles um die perfekte Darstellung des eigenen Körpers. Stärken hervorheben und Schwachstellen kaschieren. Wer auf der Bühne überzeugen möchte, muss wissen, wie man sich von seiner besten Seite zeigt.

Aus diesem Grund fällt auch dem Posing eine besondere Bedeutung zu. Wer es versteht, den trainierten Körper so geschickt zu präsentieren, dass schwächer entwickelte Muskelgruppen verdeckt werden, kann man Ende des Tages die Kampfrichter von sich überzeugen und wird mit einem Platz auf dem Siegertreppchen belohnt.

Eine ganz neue Dimension der Blendung ist durch den Hype der digitalen Medien entstanden. Hier zeigen sich Influencer täglich von ihrer Schokoladenseite – mit Erfolg. Die Bilder der neuen Generation der Fitnessprominenz generieren Follower im sechsstelligen Bereich.

Wer als Fitnessikone aus der Masse herausstechen möchte, muss aber mehr abliefer als einen makellosen Körper. Nur extreme Entwicklungen, die den Fans den Atem rauben, führen zu mehr Anerkennung und steigender Beachtung.

Kaum verwunderlich, dass mit allen Tricks gearbeitet wird, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit der Community für sich zu gewinnen.

Freak oder Fake?

Ein Paradebeispiel für extreme Bilder ist der Instagram-Star carlito_xxxl. Mit über 110.000 Followern muss der Erfolg des Athleten nicht hinterfragt werden. Kontinuierlich versorgt er seine Fans mit Bildern, die ihn und seine Form zeigen.

Der Hauptgrund für seinen Erfolg ist die schier unglaubliche Vaskulariät in Verbindung mit einer beeindruckenden Masse. Man könnte denken, dass hier ein Ausnahmeathlet über sein Leben berichtet. So fragen sich viele unerfahrene Fans, warum Carlito bisher noch nicht bei den ganz großen Shows teilgenommen oder gar den Mr. Olympia Titel gewonnen hat.

Der Grund dafür liegt in einer Sache, die der Influencer noch besser beherrscht als das Training mit Gewichten und zwar in der Blendung.

Er weiß genau, in welchem Winkel er fotografieren muss.

Fake it till you make it

Konnte man in vergangenen Zeiten noch davon ausgehen, dass Athleten in der Realität in etwa so anzutreffen waren, wie sie optisch auch auf Bildern wirkten, ist das heutzutage kaum noch der Fall. Im heutigen Zeitalter beherrschen die Influencer das Handwerk der Fotografie mindestens genau so gut wie professionelle Fotografen selbst.

Deshalb ist es eher Regel als Ausnahme, wenn für den Instagram-Feed tief in die Trickkiste gegriffen wird. Hier muss nicht einmal auf das altbewährte Photoshop zurückgegriffen werden. Perfektes Licht, vorteilhafte Winkel und schmeichelnde Filter werden genutzt, um aus einem durchschnittlichen Körper einen Adonis zu zaubern.

Genau so macht es auch Carlito. Er beherrscht die vorteilhafte Selbstdarstellung wie kaum ein Zweiter und lichtet sich nur dann ab, wenn Winkel, Lichteinfall und ausgewählte Filter stimmen. Natürlich glauben seine Fans dadurch, dass er ein genetisches Wunder ist.

Realität oder Verblendung?

Im Zeitalter von Instagram geht es im Bodybuillding nicht mehr nur um Muskeln, die durch hartes Training mit Gewichten aufgebaut wurden. Vielmehr besteht Erfolg in der Fitnessszene heutzutage zu 99 Prozent aus gutem Licht und Winkel.

Man kann ein Anwärter auf die Top 6 Platzierungen beim Mr. Olympia sein, wenn man im falschen Moment abgelichtet wird, das Licht schlecht und der Winkel unvorteilhaft ist, wird man aussehen wie ein mittelmäßiger Amateur Athlet.

Im Gegensatz dazu kann man sich als Durchschnitsathlet aus dem Amateurbereich auf Instagram so ablichten und bearbeiten, dass Tausende von Followern fragen, warum man noch keine Sandow auf dem Wohnzimmerschrank stehen hat.

Profi oder Blender?

Genau hier liegt der Unterschied zwischen Profi-Bodybuildern und solchen, die es gerne sein würden. Während aufstrebende Influencer alles daran setzen, sich möglichst vorteilhaft abzulichten, wird ein echter Ausnahmeathlet sich stets in Frontpose und ohne Veränderung von Sättigung oder Schärfe zeigen.

Dazu muss man nur die Bilder von carlito_xxxl vergleichen. Glänzt er in seinem Instagram-Feed mit extremer Vaskularität und unglaublicher Masse, wirkt er auf Wettkampfbildern vergleichsweise durchschnittlich. Ohne Zweifel hat er natürlich eine Form, die Respekt verdient. Trotzdem weicht seine Bühnenform unweigerlich von der Form ab, die er in den sozialen Medien präsentiert.

Diese Blendung muss nicht negativ betrachtet werden. Sie ist Teil der heutigen Szene und die komplette Fitnessindustrie lebt von ihr. Das heutige Bodybuilding dreht sich mehr um die Kunst, mit Werkzeugen der Fotografie umzugehen, als um die Kunst, seinen Körper zu trainieren.

Wenn man sich in diesem Jahr dazu entschließt, die FIBO in Köln zu besuchen, um sein Instagram-Idol einmal von Angesicht zu Angesicht zu erleben, sollte man sich auf Überraschungen einstellen. Nicht immer wirken die Sportler so brachial, wie es die Fotos auf ihren Accounts vermuten lassen. Die Generation Instagram lebt von der Nutzung verschiedener Filter und optimalen Licht- und Winkelverhältnissen. Nur so kann sichergestellt werden, dass man dem treuen Follower immer auch das bieten kann, wonach er verlangt: unterhaltsame und atemraubende Inhalte.

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