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Janae Kroc über Ihr Outing als Transgender


Das amerikanische Fitness Portal T-Nation bringt regelmäßig Beiträge rund um das Thema Fitness und Kraftsport. Auch Matt Kroc, der sich erst kürzlich als Transgender geoutet hat, schrieb schon Beiträge für diese Plattform. Wir haben euch hier schon von ihm berichtet. Jetzt ist er unter seinem „neuen“ Namen Janae Kroc im Interview mit T Nation und erzählt von der Zeit nach dem Outing. Wir haben euch das Interview einmal zusammengefasst.

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T Nation: Warst du darauf vorbereitet als plötzlich das Video gepostet wurde, indem du geoutet wurdest?

Zuerst fühlte ich mich überrumpelt, denn in wenigen Stunden änderte sich alles für mich. Ich habe mein Geheimnis auch vorher nicht übermäßig vertuscht. Ich hatte sogar schon 5 Jahre lang Profile auf Myspace und Facebook als mein wahres Ich „Janae“. Es war mir also im Grunde klar, dass ich aufgrund meiner Offenheit zu diesem Thema jederzeit geoutet werden könnte.

Aber über diese Eventualität habe ich mich mit meinen drei Jungs in der Vergangenheit oft gesprochen. Wir waren also alle darauf vorbereitet, obwohl das Timing nicht so war, wie wir es uns gewünscht hätten. Ich hätte lieber selbst ein großes Interview gegeben oder selber ein Video hochgeladen indem ich mich oute. Das aber eigentlich erst, nachdem alle meine Jungs die Schule abgeschlossen haben. Aber im Nachhinein war es für mich ein Segen. Mein jüngster Sohn wird noch 5 Jahre lang zur Schule gehen und so hätte ich mein wahres Ich noch lange Zeit verstecken müssen. Allerdings ist es meiner Meinung nach schlimm jemand fremden ohne dessen Einverständnis öffentlich zu outen.

Auch mein Sponsor Muscletech wusste Bescheid und teilten mir mehr oder weniger deutlich mit, dass sie mich nicht weiter sponsern würden. Es hätte also auch deutlich schlimmeres Timing geben können, z.B. vor sechs Jahren als meine Kinder noch jünger waren und ich in meiner Powerliftig Karriere auf dem Höhepunkt war. Nun kann ich mich endlich weiterentwickeln. Auch der enge Kreis meiner Powerlifting Kollegen wusste schon seit Jahren was los ist.

Nur wegen meinen Kindern habe ich mich weiter versteckt. Ich wollte einfach nicht, dass sie wegen mir in der Schule gemobbt werden. Ich habe innerhalb der letzten 10 Jahre schon häufiger versucht, mich endgültig in Janae zu verwandeln. Allerdings habe ich immer wieder einen Rückzieher gemacht. Vor über einem Jahr habe ich sogar schon mit weiblichen Hormonen angefangen, hörte dann aber doch wieder auf. Ich konnte mein altes Leben als „Matt der Powerlifter“ einfach nicht loslassen, denn ich habe so hart für dieses Leben gearbeitet. Ich konnte es nicht durchziehen, obwohl meine Kinder es die ganze Zeit wussten und mich ohne wenn und aber unterstützten. Sie wussten alle seit dem Kindergartenalter Bescheid, für sie war es also nie eine große Sache.

There has obviously been a great deal of gossip, rumors and questions about me the past few days. To put them to rest: yes, I am transgender/gender fluid. First, I would like to be clear that I had planned to wait until my sons were out of high school before I became openly public about this. As that no longer is an option, I will address it now. I have been very open about this for many years among my family, close friends, and in the powerlifting community, but I realize for many of you this has been a huge shock.  This is something that I have been dealing with my entire life and has been extremely difficult for me. In fact, it even drove me to consider suicide at one point. I never wanted nor asked for this, and fought this as hard as I could for a very long time.  I have finally reached a point where I am comfortable with and proud of whom I am, even if a lot of people don’t understand. I have received an unimaginable amount of support and love in the last twenty four hours from family, friends, fans, and strangers alike and I want to thank every single one of you that have reached out to me.  It honestly means more to me that I can possibly express with the written word. I will share my story in more detail in the coming weeks. In the mean time you can follow me on Instagram @janaemariekroc and my Facebook page can be found under my friends list on facebook under Janae Marie. #truth #m2f #mtf #genderfluid #nonbinary #transgender #beyourself #beyou #powerlifting #bodybuilding #mattkroc #girlslikeus #lgbt #lgbtq #lgbtpride

A photo posted by Matthew Kroczaleski (@mattkroc) on


T Nation: Wir müssen es fragen, wie geht deine Frau damit um?

Die Frau die häufig als meine Ehefrau wahrgenommen wird ist Lauren. Sie war meine Freundin zur Höchstzeit meiner Karriere. Ich war und bin immer noch Hals über Kopf in Lauren verliebt und wir hatten eine tolle vierjährige Beziehung. Wir mussten uns allerdings trennen, weil ich ein Transgender bin.

Wir wussten beide dass es so nicht funktionieren kann, da sich Lauren 100% zu Matt hingezogen fühlte. Sie unterstütze zwar auch Janae, aber zu ihr fühlte sie sich einfach nicht hingezogen. Im Laufe unserer Beziehung kam Janae immer stärker zum Vorschein und so mussten wir uns beide schweren Herzens für die Trennung entscheiden.

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T Nation: Wie fühlst du dich jetzt, wo du im Fokus der Öffentlichkeit stehst?

Mir ist eine riesige Last von den Schultern gefallen. Obwohl ich ein offener Mensch bin, fiel es mir schwer bei diesem Thema ehrlich zu sein. Schon von Kind an wusste ich es und hatte Angst vor der schrecklichen Reaktionen meines Umfeldes, wenn ich mich outen würde.  Aber heute ist alles etwas entspannter als in den 70ern und 80ern.

Vor allem gegenüber meiner Familie fiel es mir schwer mich als Janae zu outen. Sie waren ziemlich geschockt, aber unterstützen mich. Schon seit dem ich ein Kind war, fühlte ich mich tief in mir drin wie ein Freak. In meiner Jugend führte dieser Umstand sogar zu Selbstmordgedanken von denen niemand etwas geahnt hat. Ich hatte extrem niedriges Selbstbewusstsein und wollte mich unbedingt beweisen und besser sein als andere. Das war auch ein wichtiger Grund warum ich mich dem Kraftsport angefangen habe. Aber aufgrund meiner Errungenschaften wie den Rekorden oder als Leibwache des Präsidenten fiel es mir umso schwerer, dieses hart aufgebaute Leben als Matt aufzugeben und als Janae zu starten.

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T Nation: Du hast ja schon viele Artikel bezüglich Hürden im Leben geschrieben. Hast du jemals daran gedacht ein paar Hinweise zu hinterlassen, die auf dein Leben als Transgender schließen lassen?

Ja das habe ich. In diesen Artikeln habe ich mich generell mit dem Thema Hürden und Hindernissen im Leben beschäftigt, bin aber nie spezifisch geworden. Im Grunde genommen meinte ich aber damit mein Transgender Geheimnis.

Meine Artikel sind zwar für Kraftsportler geschrieben, allerdings kann man sie auf jegliche Lebenssituationen anwenden. Auch meine Freunde waren verwundert, dass ich z.B. meine damalige Krebserkrankung nicht als Riesenproblem sah. Ich hatte einfach ein viel größeres Problem, dass viel tiefer saß.


T Nation: Wirst du dich in Zukunft körperlich vollständig in Janae verwandeln?

Ja so ist der Plan. Seit August nehme ich weibliche Hormone zu mir. Auch eine Diät habe ich gemacht und möchte mir bald Gesicht und Brust operieren lassen. Man muss aber erstmal sehen wie mein Körper auf die Hormonbehandlung reagiert, allerdings kann es bis zu drei Jahren dauern bis die Vollständige Wirkung eingetreten ist. Aber meine Verwandlung soll zu 100% stattfinden…. je schneller, desto besser.

Jedoch ist all das mit massiven Kosten verbunden. Rund 100.000 $ muss ich aus eigener Tasche bezahlen, da keine Krankenversicherung solche Veränderungen übernimmt. Auch meinen Namen habe ich schon offiziell zu Janae geändert. Ich bin also auch auf dem Papier nicht mehr Matt und kann mich inzwischen auch nicht mehr mit diesem identifizieren.

Auch mein Körper hat sich logischerweise schon extrem verändert. Über 30 Kilo habe ich schon verloren und dementsprechend ist auch meine Kraft gesunken. Das fällt nicht leicht, denn auch das Leben als Matt gehört zu mir. Ich habe den Kraftsport und den Wettkampf geliebt und sehr hart dafür gearbeitet. Das alles einfach so aufzugeben fällt wirklich schwer… ich habe halt zwei Seiten die ständig gegeneinander kämpfen. Quasi ein innerer Bürgerkrieg.

Viele Fragen sich wie ich überhaupt eine Frau sein kann, da ich ja für meine Kraft und aggressive Art im Wettkampf bekannt bin. Aber auch Frauen können so tough sein, das ist also kein Widerspruch. Bestes Beispiel ist meine Freundin Gracie V, die ebenfalls erfolgreiche Powerlifterin ist. Über die Jahre sind wir Freunde geworden und nun Schminken wir uns morgens zusammen per Skype und erzählen ein wenig. Das Grundproblem ist die Suche von Kraft in der Weiblichkeit…. ein Problem das ich und viele andere Frauen haben.

 


T Nation: Hast du einen bestimmten Wunschkörper?

Als ich geoutet wurde hatte ich knappe 120kg und aktuell sind davon noch rund 90kg geblieben. Aber eine lebenslange Diät ist etwas anderes als eine zeitlich begrenzte Wettkampfdiät. Und auch ich habe blöde Fehler gemacht. So bin ich vor einiger Zeit beispielsweise in meinem alten Studio trainieren gegangen. Aber es ist sehr schwer sich einzugestehen, dass man nicht mehr sehr gut ist sondern nur noch durchschnittlich. Dort waren auch noch ein paar Kumpels von mir, die noch aktiv an Wettkämpfen teilnehmen, und so erinnerte mich alles an mein Leben als Matt. Meine Jungs beim schweren Training zu sehnen brachten mich zu folgendem Gedanken: Scheiß drauf, bis Weihnachten wiege ich wieder 120kg!

Und so baute ich innerhalb von zehn Tagen wieder 12 Kilo auf. Dann merkte ich aber was ich da tat und begab mich wieder auf meinen neu gewählten Weg. Mein Wunschkörper ist so, dass ich einen Bikini oder ein Kleid anziehen kann und mich attraktiv und wohl fühle. Das wird so ca. mit 77kg sein. Ich will aber unbedingt noch muskulös sein…. So wie ein paar Top Crossfit Sportlerinnen. Ich habe kein Interesse daran wie ein Model auszusehen.


T Nation: Du macht jetzt mehr Ausdauersport wie Moutainbiking und Triathlon. Machst du das weil es genau wie beim Powerlifting auf die richtige mentale Einstellung ankommt und durchaus schmerzhaft sein kann?

Ja richtig! Es ist eine neue Herausforderung, der ich mich stellen möchte. Ich mag einfach Sachen, die sehr schwer zu erreichen sind und so ist es auch bei dem Wechsel von Kraftsport zu Ausdauersport. Außerdem helfen mir diese Sportarten dabei meinen neuen Wunschkörper zu erreichen und schon als Kind war ich ein großer Fan von Ausdauersport. Auch bei meiner Zeit bei dem Marines war ich schon ein guter Läufer. Ich liebe einfach die Herausforderung und das Gefühl sich solange zu quälen bis man Erfolge sieht.

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T Nation: Wirst du jemals wieder als Frau bei Kraftsport-Wettkämpfen teilnehmen?

Das werde ich nicht tun, denn das würde zu viel negative Berichterstattung über den Powerlifting-Sport mit sich bringen und das möchte ich nicht verantworten.Aber bei Ausdauersportarten wie z.B. Triathlon sehe ich keinen Grund, warum ich dort nicht als Frau starten sollte.

Wenn überhaupt macht es mein Hintergrund nur schwieriger. Ziel wäre der Chicago Triathlon Ende des Jahres, aber momentan würde ich beim schwimmen noch untergehen. Ich will nicht nur durchschnittlich sein und so habe ich mir schon die Rekorde meiner Altersgruppe angeschaut, die ich natürlich brechen möchte.

Aber selbst wenn ich meine 77kg erreiche, werde ich wohl die schwerste Athletin sein die dort teilnimmt. Momentan bin ich leider in einer schwierigen Phase. Trotz dem ganzen Training bin ich für einen Mann zu schwach und für eine Frau noch zu stark. Aber ich werde mein Ziel erreichen.


T Nation: Was sagst du zu der Behauptung, dass Steroide zu Transgender-Problemen führen? Hast du es dem Stoff zu verdanken, dass du ein Transgender bist?

Nein, nein, nein!!! Das habe ich schon oft gehört und auch die Ratschläge von Leuten außerhalb der Kraftsportwelt. Die sagen: Nimm doch einfach mehr männliche Hormone, dann wird es dich „heilen“. Aber glaubt mir, genau das habe ich versucht und es bringt nichts.

Es gibt keinen Zusammenhang von Transgender sein und Hormonen. Männliche Hormone lösen nicht den Wunsch aus eine Frau zu sein. Die meisten Transgender wissen es schon sehr früh. Ich z.B. wusste mit ca. 5 Jahren, dass ich im falschen Körper geboren bin. Es gibt Hinweise, dass diese Phänomene genetisch bedingt sind. Lustiger Weise war ich auch lange Zeit natural unterwegs. So habe ich mich beispielsweise für die Arnolds qualifiziert ohne jemals Steroide genommen zu haben. Im Bulk hatte ich dann sogar fast 125kg auf den Rippen.

Ausschlaggebend für den Einsatz solcher Mittel war meine Hodenkrebsdiagnose drei Wochen vor den Arnolds 2004. Dadurch musste ich mit Hormonersatz-Therapien anfangen und konnte somit nicht mehr „natural“ starten. Während meiner Krebserkrankung fand ich auch viel über meinen körpereigenen Hormonhaushalt raus. Mein Testosteronlevel war relativ niedrig, aber mein Östrogenspiegel war hoch. Laut Arzt war ich also dort auch natural schon „Mann und Frau“. Der Schritt zum „Stoff“ war Fluch und Segen zugleich. Einerseits half es mir stark bei meiner Karriere, andererseits waren die körperlichen Auswirkungen wie stärkere Behaarung für mich sehr unangenehm. Aber das musste ich für mein Ziel opfern.


T Nation: Wenn du trainiert hast oder auf Wettkämpfen warst, hat Janae oder Matt die Leistung gebracht?

Ehrlich gesagt war es nie Janae. Trainiert habe ich als Matt, obwohl ich es sicherlich auch als Janae gekonnt hätte. Aber das hat damit nichts zutun. Das war definitiv meine männliche Seite, die ich jetzt stoppen muss. Diese Seite von mir möchte einfach immer stärker und massiver werden und ist damit für meinen Weg als Janae hinderlich. Jedes Mal im Studio wurde ich jetzt schwächer bis es sich vor kurzen auf ein gleichbleibendes Level eingependelt hat. Aber da ich nochmal viele Kilos verlieren muss wird auch die Kraft weiter schwinden.

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T Nation: Trainierst du immernoch Kunden oder schreibst du jetzt mehr?

Ein bisschen Personal Training gebe ich noch, aber das fahre ich zurück, weil ich so beschäftigt bin. Mein Verlag und ich planen ein Buch über meine Geschichte als Transgender, aber damit habe ich noch nicht begonnen. Ich kann das Buch erst schreiben, wenn meine Verwandlung zu 100% vollzogen ist und an diesem Punkt bin ich noch lange nicht. Und es wird aktuell an einer Dokumentation über mein Leben gearbeitet.

Außerdem mache ich auch viel im Transgenderbereich und der Aufklärung zu diesem Thema. Die Selbstmordrate bei Transgendern liegt bei 41%! Auch die Mordrate ist bei Transgendern wahnsinnig hoch und hier muss etwas getan werden.


T Nation: Gibt es da noch etwas was du sagen möchtest oder noch nicht sagen konntest?

Viele Fans haben mir geschrieben, dass ich ihren Helden zerstört habe. Aber für mich ist alles so wie immer, ich bin ich. Es wissen bloß einfach mehr Leute Bescheid. Matt war kein „Fake“, er war bloß nicht das „komplette Ich“. Lediglich der Teil, den ich gerne und ohne Bedenken mit der Öffentlichkeit teilte, ist Matt gewesen. Er war die Person von der ich lange Zeit dachte, dass ich sie sein muss.

Im Sport hatte ich keine Probleme die „Mann-Rolle“ zu übernehmen. Allerdings fiel mir dies in Beziehungen oft schwer, obwohl ich mich zu Frauen hingezogen fühle. Irgendwas fremdes war einfach in mir. Am meisten freue ich mich auf Dates als Janae. Darauf musste ich mein ganzes Leben verzichten und ich konnte nie erfahren, wie es ist, in einer Beziehung komplett ich selbst zu sein. Auch auf die anderen Sachen in einer Beziehung freu ich mich, da ich dies dann erstmals als Janae ausleben kann…

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T Nation: Ok, aber du hast ja drei Kinder, also …

Ja genau, ich habe es so gemacht, dass es funktioniert. Ich habe es nicht gefaked, sondern nur meine Rolle als Matt gespielt. Ich bestreite auch nicht, dass ich Spaß hatte, aber was dieses intime Thema angeht konnte ich halt nie wirklich ich selbst sein und darauf freue ich mich jetzt sehr, obwohl ich nicht weis was mich erwartet.


Ja Krieger das war das große Interview mit Janae Kroc und T Nation. Wir haben es etwas gekürzt und nicht wortwörtlich übersetzt. Wer das noch ausführlichere Original lesen möchte, sollte hier klicken.

Wie findet ihr dieses ziemlich ehrliche Interview von Janae? Interessant oder sagt ihr „too much information“? Lasst uns mal wissen was ihr von dieser Geschichte so denkt.

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