Knappe Kiste

Mr. Olympias, die mit nur einem Punkt entschieden wurden!


Bodybuilding ist ein subjektiver Sport. Da es um das Erscheinungsbild eines Athleten geht und Geschmäcker bekanntermaßen verschieden sind, gibt es keine messbare Größe, die über Sieg oder Niederlage entscheidet. Man zhählt keine Tore, stoppt keine Zeiten oder misst Weiten und es fragt auch niemand danach, wie viel Gewicht der Athlet im Training bewegt hat. Zwar gibt es in jeder Klasse gewisse Bewertungskriterien, doch liegt es letzten Endes an der Jury, wie der jeweilige Sportler an Tag X bewertet wird. Heute stellen wir euch vor, in welchen Jahren der Mr. Olympia um nur einen Punkt entschieden wurde. 

Doch um zu klären, wie solche knappen Entscheidungen zustande kommen, sehen wir uns zunächst an, wie Profi-Wettkämpfe in der IFBB heutzutage gewertete werden. In der Jury sitzen in der Regel sieben oder neun Kampfrichter, die alle Athleten in den jeweiligen Vergleichsrunden bewerten. Der Hauptkampfrichter entscheidet dabei, welche Athleten gegeneinander verglichen werden und in welcher Reihenfolge sie auf der Bühne stehen sollen. In der Regel werden die Athleten, die im ersten Vergleich in der Mitte stehen am besten bewertet. Jeder Kampfrichter stellt dabei seine eigene Reihenfolge auf.

Der beste Athlet bekommt einen Punkt, der zweitbeste zwei Punkte, usw. Das Ganze findet sowohl bei der Vorwahl, dem so genannten Pre Judging, und dem Finale statt. Am Ende werden die Wertungen der Judges zusammengerechnet und die ein bis zwei besten und schlechtesten Bewertung eines Athleten gestrichen, um zu vermeiden, dass gewisse Juroren einen Wettkämpfer bevorzugen oder ungerechtfertigt abstrafen. Die Idealpunktzahl, die ein Athlet erreichen kann sind also zehn Punkte, fünf aus der Vorwahl und fünf aus dem Finale.


Darum tritt Kai Greene nicht mehr beim Mr. Olympia an!


Viele Bodybuildingfans und Kritiker sind der Meinung, dass einer der knappsten Mr. Olympias in der jüngeren Geschichte im Jahr 2014 stattfand, als sich Phil Heath erneut gegen Kai Greene durchsetzte und sich somit seinen vierten Titel in Folge sicherte. Doch auch wenn die Entscheidung in diesem Jahr knapp war, schienen sich die Juroren einig, denn Heath erreichte mit zehn Punkten das bestmögliche Ergebnis, wohingegen Greene sich mit 20 Punkten eindeutig auf dem zweiten Rang platzierte. In der Geschichte des prestigeträchtigsten Wettkampfes im Bodybuilding gab es aber bereits Jahre, in denen ein einziger Punkt darüber entschied, welcher Athlet Gold mit nach Hause nahm und wer sich mit Silber zufriedengeben musste.

Wir springen zurück in das Jahr 2007. Die Jahre zuvor waren geprägt durch erbitterte Duelle zwischen Jay Cutler und Ronnie Coleman, die der ehemalige Polizist stets für sich entschied. Dieses sollte das Jahr sein, in dem sich Cutler zum zweiten Mal den verdienten Sieg sicherte. Zur Überraschung vieler war es allerdings nicht Coleman, der mit ihm um die Krone kämpfte. Stattdessen lieferte sich Victor Martinez das Duell um den Triumph. Zur damaligen Zeit wurde nur das Finale von den Kampfrichtern mit Punkten bewertet. Manche von ihnen sahen den US-Amerikaner auf dem ersten Rang und andere den Athleten aus der Dominikanischen Republik.


Jay Cutler (links) und Victor Martinez (rechts) im Kampf um den Mr. Olympia 2007.


Schlussendlich setzte sich Jay Cutler mit sieben zu acht Punkten gegen Martinez durch und gewann seinen zweiten Mr. Olympia. Ronnie Coleman, der in diesem Jahr nur Platz vier belegte, prophezeite dem eingewanderten Hispanoamerikaner daraufhin jedoch eine glänzende Zukunft und betitelte ihn als seinen würdigen Nachfolger. Doch Aufgrund eines Gefängnisaufenthaltes wegen illegaler Immigration und mehreren Verletzungen schaffte es Martinez nie. diese Prophezeiung zu erfüllen. Viele Fans glauben bis heute, dass der Titel des Mr. Olympia 2007 dem „Dominican Dominator“ gehöre.

2007 war aber nicht der einzige Mr. Olympia, der um Haaresbreite entschieden wurde. 38 Jahre zuvor, im Jahre 1969, war das letzte Mal, dass Arnold Schwarzenegger auf der Bühne geschlagen wurde. Nur drei Mal musste sich der Österreicher auf der Bodybuildingbühne mit dem zweiten Rang zufriedengeben und nur ein einziges Mal davon auf dem Mr. Olympia. Der Name des Athleten, der die Bodybuilding Legende in diesem Jahr hinter sich ließ, war Sergio Oliva. Schon in den beiden Jahren zuvor gewann der Kubaner den prestigeträchtigsten Wettkampf im Bodybuilding und verteidigte auch 1969 seinen Titel.


Im Jahre 1969 musste Arnold dem Kubaner Sergio Oliva den Vortritt lassen. Doch die Entscheidung war knapp.

Zu dieser Zeit war die Punktebewertung der Wettkämpfe noch etwas anders als 2007 oder heute, doch das Ergebnis von drei zu vier Punkten spricht für sich. Im darauffolgenden Jahr trat Arnold dann endgültig seinen Siegeszug an und gewann sechs Jahre in Folge den Titel des besten Bodybuilders der Welt. Nach einer Auszeit von vier Jahren setzte Arnold seiner Karriere mit dem siebten Titel 1980 die Krone auf, auch wenn diese Entscheidung ebenfalls nicht unumstritten war.

Auch wenn viele Mr. Olympias in der Geschichte kontrovers und umstritten sind, wurde der Wettkampf in der Historie des Bodybuildings nur zwei Mal durch nur einen Punkt entschieden. Um derart knappe Entscheidungen oder sogar Gleichstände zu vermeiden, haben die Verantwortlichen das Bewertungssystem in den letzten Jahren immer wieder modifiziert, sodass die niedrigste Punktzahl, die heute erreicht werden kann, bei zehn Punkten liegt. Wir werden in Zukunft sicher noch viele knappe Entscheidungen sehen, doch diese beiden Jahre stehen schon jetzt in den Geschichtsbüchern.

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