Social Media im Bodybuilding – Fluch oder Segen?


In der Geschichte des Bodybuildings war man als Athlet immer Außenseiter. Die dunklen Trainingsräume, der disziplinierte Ernährungsstil und die außergewöhnliche Entwicklung des Körpers zogen eine klare Grenze zum Rest der Gesellschaft. Der Mainstream war dem alteingesessenen Bodybuilder schon immer ein Dorn im Auge. Im Zeitalter der Digitalisierung wuchs der Druck und man musste sich den neuen Medien beugen. So kann man seit geraumer Zeit erkennen, dass der ehemals so elitäre Sport in das öffentliche Interesse gerückt ist. Auslöser dafür ist in erster Linie das im Alltag nicht mehr wegzudenkende Social Media, das auch die Fitnessindustrie in seinen Bann gezogen hat.

Man wird kaum einen Weg finden, nicht mit der Fitnessszene in Kontakt zu kommen, solange man sein Smartphone nicht komplett ausgeschaltet lässt. Inzwischen dominieren Beiträge über das Training, die Ernährung und einen gesunden Lifestyle die sozialen Medien wie kaum ein anderer Themenbereich.

Eine Lawine von sogenannten Influencern rollt über das Land und versucht, jeden Sportmuffel umzustimmen und in den Bann des Körperkultes zu ziehen. Natürlich profitiert auch die Fitnessindustrie von dieser Entwicklung. Eine Win-Win-Situation könnte man meinen.

Wo viel Licht, da auch viel Schatten. So kann man neben positiven Aspekten auch unzählige Begleiterscheinungen der Verbindung von Social Media und dem Bodybuilding ausmachen.

Würdigung des Sports

Ohne Zweifel hat das Bodybuilding in vollem Umfang von der Social Media Verbreitung profitiert. Nie war das Interesse am Sport, der Ernährung und den Protagonisten rund um Fitness größer. Davon profitieren alle.

Für Sportler entstehen ganz neue Karrieremöglichkeiten. So wird es kaum jemandem entgangen sein, dass immer mehr Athleten versuchen, sich einen Namen auf Instagram & Co. zu verschaffen, um mit möglichst vielen Followern Sponsorenverträge an Land zu ziehen und auf sich aufmerksam zu machen.

Die Fans können sich ebenfalls glücklich schätzen. Zu keinem anderen Zeitpunkt war es so einfach, den direkten Zugang zu seinem persönlichen Idol zu finden. Egal ob Phil Heath, Jay Cutler oder Kai Greene:jeder namhafte Bodybuilder hat einen Social Media Account, der rund um die Uhr gepflegt wird.

Folglich sind Interessenten nicht mehr darauf angewiesen, ein monatliches Zeitschriftenabo abzuschließen, um mit Informationen versorgt zu werden. Auf den Social Media Kanälen findet man dauerhafte Updates, kann über Direktnachrichten in persönlichen Kontakt mit seinem Vorbild treten und nimmt täglich am Leben der Hauptdarsteller teil.

Diese Möglichkeiten waren früher noch undenkbar und haben den Sport und sein Ansehen auf ein neues Level gehoben. Leider gibt es auch Schattenseiten, die nicht vergessen werden dürfen.

Realität vs. Verblendung

Immer auffälliger wird die Nutzung von Bildbearbeitungsprogrammen, um die eigene Person vorteilhafter darzustellen. Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie Influencer versuchen, ihre Körper durch Photoshop so zu verändern, dass sie neidische Blicke ernten. Traurig dabei ist, dass die Athleten wirklich glauben, dass die Bearbeitung niemandem auffällt und die Ergebnisse noch natürlich aussehen.

Wirft man einen Blick auf die Seite von BPI Sports Nutrition, findet man einen Repost, der fragwürdig erscheint. Der Influencer “ismaelmartinezd” zeigt in einem aktuellen Post stolz seinen rechten Oberarm. Bei genauerer Betrachtung wirkt das Bild suspekt, stellt man doch relativ schnell fest, dass der Oberarm des jungen Mannes größer zu sein scheint als sein Kopf.

Trotzdem scheint es so, als ob niemandem der Follower auffällt, dass hier getrickst wurde. Die Kommentare geben keinen Grund zur Annahme, dass man sich dieses Bild mit Photoshop bearbeitet hat. Dem unwissenden Follower wird also ein komplett falsches Bild von dem vermittelt, was eigentlich der Realität entspricht.

Innerhalb weniger Tage scheint der Arm in riesigem Ausmaß gewachsen zu sein.

Monströser Fortschritt innerhalb von Tagen?

Schaut man sich aber den kompletten Feed des Athleten an, findet man Bilder, die weniger als einen Monat alt sind und ihn in deutlich anderer Form zeigen. Es scheint, als ob der Oberarm innerhalb von ein paar Wochen um 15 Zentimeter gewachsen ist. Dass hier ein Bildbearbeitungsprogramm verwendet wird, ist nicht von der Hand zu weisen.

Mit dieser Vorgehensweise ist der junge Mann aber nicht alleine auf weiter Flur. Zahlreiche Influencer versuchen hoffnungslos Sponsoren auf sich aufmerksam zu machen, die Anerkennung von Followern zu erhalten und das um jeden Preis aufzufallen, selbst wenn die Ergebnisse nicht real sind.

Sie leben für den Respekt, der ihnen nicht einmal gebührt. Für gewöhnlich sind diese Charaktere egozentrisch, haben eine Grenzpsychose entwickelt und können als Psychopathen bezeichnet werden.

Kein Wunder, dass auch in weiteren Bereichen getrickst wird. Egal ob man sich mit Fake Weights einen Namen machen möchte oder durch den Einsatz von Synthol die Muskeln aufspritzen lässt. Am Ende verfolgen die Influencer nur ein Ziel, nämlich dass über sie gesprochen wird.

Insgesamt kann gesagt werden, dass Social Media dem Bodybuilding die Türen zur Öffentlichkeit geöffnet hat. Durch Facebook und Instagram erreicht der Sport Millionen Menschen, die dem Ansehen und auch der Industrie zuträglich sind. Leider gibt es auch Schattenseiten, die durch egozentrische Charaktere geprägt sind und dazu führen, dass unwissende Follower mit falschen Versprechungen versorgt werden.




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