Muskulöse Killer

Vom erfolgreichen IFBB Pro in die Todeszelle


In der Öffentlichkeit haben Bodybuilder oft den Ruf, ihre Emotionen nicht immer unter Kontrolle zu haben oder aggressiv zu sein. Während oftmals behauptet wird, Steroide seien der Grund für ein höheres Aggressionsniveau, haben Forscher herausgefunden, dass der Missbrauch anaboler Steroide das „vergeltende“ Verhalten der Konsumenten steigert. Es wird quasi öfter Gleiches mit Gleichem vergolten. Doch das ist noch lange kein Grund, einen anderen Menschen zu töten. Dennoch gab es in der Geschichte einige bekannte Bodybuilder und Bodybuilderinnen, die einen nahe stehenden Menschen auf dem Gewissen haben. In der heutigen Ausgabe von „Muskulöse Killer“ stellen wir euch die erschreckende Geschichte von Bertil Fox vor.

In einer Zelle im Westflügel des Basseterre Gefängnisses auf der Insel St. Kitts, hinter Mauern aus Lava-Gestein, eingehüllt in Stacheldraht, sitzt Bertil Fox hinter Gittern und schmort in der karibischen Hitze. Geboren am 9. November 1951 auf St. Kitts, emigrierte die Familie des späteren IFBB Pros nach London, als dieser erst ein Jahr alt war. Es sollte jedoch 40 Jahre dauern, bis er zu seinem Geburtsort zurückkehrte, denn Fox betitelte sich selbst als „100% britisch“.

Ermuntert durch einen Cousin, fing er schon im jungen Alter mit dem Bodybuilding an und nahm mit 18 an seinem ersten Wettkampf teil, dem Junior Mr. Britain 1969, wobei Fox auf Anhieb den Sieg einfahren konnte. In den folgenden Jahren gewann der junge Mann nahezu jeden Wettkampf außerhalb der IFBB, darunter den AAU Mr. World 1976, den Amateur NABBA Mr. Universe 1977 sowie den Mr. Universe der Profis in den Jahren 1978 und 1979. Anschließend finanzierte im Joe Weider persönlich den Umzug in die USA, wo er für die nächsten 13 Jahre an IFBB Wettkämpfen teilnehmen sollte. Bill Reynolds, zur damaligen Zeit Chefredakteur des Flex Magazines, gab ihm wegen seines sehr schweren und hoch voluminösen Trainingsstilsden Spitznamen „Brutal Bertil“.



In der IFBB konnte Fox zwei zweite Plätze bei der Night Of Champions 1982 und dem Swiss Grand Prix 1983 erringen, wurde Fünfter beim Mr. Olympia 1983 und nahm bis 1994 an insgesamt zwölf Shows teil. Nachdem er sich 1995 zur Ruhe setzte, kehrte Bertil Fox zum ersten Mal seit 1952 nach St. Kitts zurück und eröffnete ein Fitnessstudio, das Fox’s Gym.

Zwei Jahre nachdem der pensionierte Bodybuilder durch sein Studio eine neue Existenz gegründet hatte, erschoss er am 30. September 1997 seine 20-jährige Ex-Verlobte, das Model Leyoca Browne sowie deren 36-jährige Mutter Violet in ihrem Kleiderladen auf St. Kitts. Fox behauptete, die Schüsse seien keine Absicht gewesen. Er habe mit Leyocas Mutter um die Pistole gestritten und als der Streit handgreiflich wurde, hätten sich Schüsse gelöst.

Doch sein bester Freund Edmund Tross bekundete, dass Bertil die beiden erschossen habe, ohne sich selbst verteidigen zu müssen. Tross gab zu Protokoll: „Er sagte, er habe Leyoca und ihre Mutter erschossen. Er sagte, Leyocas Mutter habe ihn aus dem Laden gedrängt, als er die Waffe zog und anfing zu schießen.“ Eine Schneiderin in dem Geschäft bestätigte diese Aussage. Daraufhin wurde Fox des zweifachen Mordes schuldig gesprochen und zum Tod durch Erhängen verurteilt.


Die Bodybuilderin, die ihren Ehemann mit einer Schrotflinte tötete


Einer seiner besten Freunde betitelte Fox als Kindskopf. „Er war ein erwachsener Mann mit dem Geist eines 13-Jährigen und sehr wenig Selbstwertgefühl“. Außerdem war über ihn bekannt, dass er bereits in der Vergangenheit gewalttätig gegenüber Frauen gewesen sein soll. Einige Freunde und Verwandte seiner Ex-Verlobten sagten sogar, er habe sie oft misshandelt.

Tross fügte an, Fox habe ihm am vorherigen Samstag gesagt, er habe in seinem Hauseinen Beleg für eine Banküberweisung gefunden, die Leyoca an einen Mann namens Jason getätigt hatte. Fox erzählte außerdem, dass sie und ihre Mutter über ihn gelästert hätten. Er sei „zu alt“ für die 20-Jährige. 

Auch wenn der Überweisungsbeleg selbst nicht in die Beweismittelführung eingeschlossen wurde, kam das Gericht zu folgendem Tathergang:

  • Ein verschmähter und eifersüchtiger Fox fand den Überweisungsschein und konfrontierte Leyoca damit im Kleiderladen ihrer Mutter.
  • Als Violett dazwischen ging, drängte er sie zurück, holte seine Pistole raus und schoss zweimal auf sie ein, einmal davon in den Kopf.
  • Als Leyoca flüchten wollte, schoss er ihr in den Rücken.

Bertil Fox wurde am 22. Mai 1998 zum Tod durch den Strick verurteilt. Nach einem Einspruch wurde die Strafe jedoch zu lebenslanger Haft geändert. Leyoca und ihre Mutter Violet wurden in einem Gemeinschaftsgrab mit Blick auf das Gefängnis beerdigt, in dem der ehemalige Profi-Bodybuilder Bertil Fox bis heute lebt. In einem Interview sagte er: „Ich vermisse Bodybuilding. Ich vermisse das Training, die Gewichte und das Eisen. Ich vermisse diese Welt und ich vermisse es, muskulös zu sein! Ich vermisse die Bühne.“ All das wird Bertil Fox aber wohl für immer vermissen müssen.


Quellen:
evolutionofbodybuilding.net
www.si.com
en.wikipedia.org



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