Die aktuelle Rechtslage und Deutschland und den USA - Gannikus.com

SARMsDie aktuelle Rechtslage und Deutschland und den USA

Wir schreiben das Jahr 2014. Anabole Steroide gelten schon seit langem als illegal, sofern sie nicht aus medizinischen Gründen vom Arzt verschrieben wurden. Mit der Aktualisierung des Steroid Control Acts ist es nun auch rechtlich nicht mehr nur im Bereich der Grauzone, Prohormone an den Mann zu bringen. Doch seit einiger Zeit gelten Selektive Androgen Rezeptor Modulatoren, kurz SARMS, als das nächste große Ding in der Forschung hinsichtlich Medikamenten, die krankhaften Muskelschwund hemmen und potenziell anabole Effekte besitzen.

SARMs – Was ist das überhaupt?

Ausgesprochen bedeutet die Abkürzung Selektive Androgen Rezeptor Modulatoren. Im Grunde bedeutet das, dass sie an den Androgenrezeptoren andocken können, jedoch so aufgebaut sind, dass sie selektiv nur an bestimmten Vertretern dieser Rezeptoren wirken. Bei der Klasse der Androgene haben wir es mit Steroidhormone wie Testosteron zu tun, die im Körper hauptsächlich für die Ausprägung der männlichen Geschlechtseigenschaften wie Fortpflanzungsorgane, Bartwuchs, erhöhte Muskelmasse etc. verantwortlich sind. Ein Übermaß an Androgenen kann aber auch zu Nebenwirkungen führen, wie beispielsweise zu einer vergrößerten Prostata oder bei Frauen zur Vermännlichung.

Während natürliche Androgene, die der Körper selbst produziert, an allen Androgenrezeptoren im Körper andocken können, sind SARMs von Wissenschaftlern chemisch so konstruiert worden, dass sie möglichst nur in bestimmten Bereichen des Körpers ihre Wirkung entfalten. Zum Beispiel versuchte man Stoffe zu entwickeln, die nur in den Muskelzellen und Knochen wirken und dadurch das Muskelwachstum und die Knochendichte steigern, wohingegen die Prostata oder Haarfollikel unberührt bleiben.


SARMs – Effektiv wie Steroide, aber keine Nebenwirkungen?!


Hintergrund der Forschung war es jedoch nicht, Bodybuildern zu mehr Muskelmasse zu verhelfen, sondern kranken Menschen, die unter Muskelschwund leiden oder sich von schweren Verletzungen erholen, eine möglichst sichere Alternative zur Androgentherapie zur Verfügung zu stellen. Traditionell werden in der Medizin Testosteron und Co. an Patienten verabreicht, die auf natürliche Weise keine ausreichenden Mengen des Hormons produzieren oder in Ernstfällen von den anabolen Effekten auf Muskelmasse und Knochen profitieren können. Allerdings ist es beispielsweise schwierig, eine Testosterontherapie an einem weiblichen Brandopfer anzuwenden, da sie dann womöglich langfristig unter irreversiblen Vermännlichungserscheinungen leiden könnte.

Über die Gründe, weshalb es SARMs trotz anfangs ausgiebiger Forschung an Zellen und Tieren bisher kaum in Studien am Menschen geschafft haben, kann man nur spekulieren. Zwar zeigten einige Vertreter zunächst vielversprechende Resultate, allerdings wurden die Versuche nur in seltenen Fällen auf den Menschen übertragen. Um eine Zulassung als Arzneimittel zu erlangen, bedarf es aber ausgiebigen Forschungsarbeiten an freiwilligen Probanden. Einige Befürworter von Selektiven Androgen Rezeptor Modulatoren behaupten, dass die zu erwartende Gewinnspanne an entsprechenden Produkten für die Pharmaunternehmen zu gering sei und man deshalb versuche, die Weiterentwicklung zu verlangsamen. Wir möchten an dieser Stelle keine näheren Vermutungen anstellen.


Dave Palumbo und Dr. Tony Huge diskutieren „SARMs vs. Steroide“


Die aktuelle Rechtslage in den USA

Da Bodybuilding und der Missbrauch von Medikamenten zum Zwecke der Leistungssteigerung in den Vereinigten Staaten von Amerika deutlich stärker ausgeprägter sind als hierzulande, sind dort auch SARMs ein weitaus größeres Thema. Doch bis zum 24. April 2018 gab es auch hier keine ganz genaue Regelung, weshalb sie bis zu diesem Zeitpunkt legal vertrieben und konsumiert werden durften. Allerdings galten SARMs auch in den USA nie als Nahrungsergänzungsmittel, weshalb einige Hersteller verklagt wurden, die derartige Substanzen als Supplemente in den Verkehr gebracht haben. Deklariert als „Forschungschemikalien“ war es jedoch möglich, SARMs zu vertreiben.

Durch den Erlass des SARMs Control Acts wurden SARMS in das amerikanische Suchtmittelgesetz eingeschlossen und deshalb gehören sie mittlerweike in dieselbe Kategorie wie Kokain, Opiate oder anabole Steroide. Somit sind Verkauf, Besitz und Konsum von SARMs in den Vereinigten Staaten strafbar. Doch was brachte den Staat dazu, diesen Entschluss zu fassen?


FDA warnt vor der Einnahme von SARMs


Nun, der Vorstoß dazu kam aus mindestens drei verschiedenen Richtungen. Die Anti-Doping Einrichtungen waren offensichtlich eine von ihnen. Bereits im Januar 2008 wurden einige SARMs wie Ostarin oder Andarin in die Dopingliste der WADA aufgenommen. Seither wurden zahlreiche Athleten positiv auf diese Stoffklasse getestet. Offensichtlich möchten die entsprechenden nationalen und internationalen Organisationen die Verfügbarkeit von SARMs für Athleten reduzieren.

Die zweite Instanz, die sich für den Verbot ausspricht, sind Handelsgruppen der Nahrungsergänzungsmittelindustrie. Der Verkauf von SARMs deklariert als „Nahrungsergänzungsmittel“ oder „Dietary Supplement“, wie es im Englischen heißt, war dem überwiegenden Teil der Industrie ein Dorn im Auge, der eine Veränderung und Neuauflage des Nahrungsergänzungsmittelgesundheit- und Bildungsgesetzes (DSHEA) provozierte, für die man seit Jahren gekämpft hatte. Allerdings war der Verkauf von SARMs als Nahrungsergänzungsmittel von vornherein illegal, da sie die Kriterien dafür nicht erfüllten und die amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde (FDA) die Macht hat, Hersteller und Verkäufer rechtlich zu belangen.


FDA im Kampf gegen SARMs in Supplements!


Dann gibt es noch die „Wachhunde“ des Gesundheitswesens. SARMs wurden als Arzneimittel entwickelt und wie alle Arzneimittel und Drogen können sie negative Folgeerscheinungen mit sich ziehen. Anders als die von der FDA genehmigten Medikamente wurden viele SARMs bisher nicht ausgiebig genug in klinischen Studien untersucht, wie wir es eingangs schon erwähnt haben. Dadurch gilt der nicht überwachte und nicht verordnete Gebrauch als risikohaft, besonders wenn die Produkte nicht aus der Apotheke stammen, sondern aus den Untergrundlaboren von Hobbychemikern, die ihre Rohstoffe in China einkaufen und online an den Mann bringen.

Es ist also keine Überraschung, das der US-amerikanische Rechtskörper den SARMs Control Act erlassen hat, um die Verbreitung und Anwendung dieser Stoffe zu unterbinden. Zwar bedeutet das nicht, dass die Forschung auf diesem Gebiet nicht wieder aufgenommen und weitergeführt wird, doch bis zur Zulassung als Arzneimittel würde es noch Jahre dauern und selbst dann wären SARMs nur als verschreibungspflichtige Medikamente erhältlich.


Betreiber einer Verkaufsplattform für Forschungschemikalien (SARMs) inhaftiert


Die aktuelle Rechtslage in Deutschland

Mit der Veränderung der Gesetzeslage in den Vereinigten Staaten konnte man beobachten, dass auch immer mehr deutsche Shops entsprechende Produkte aus ihrem Sortiment nahmen. Allerdings ist die Rechtslage hierzulande seit 2015 unverändert.

Gemäß §2 des Anti-Doping-Gesetzes vom 10. Dezember 2015 (BGBl. I S. 2210) ist es verboten, Dopingmittel wie SARMs…

  1. herzustellen
  2. zu handeln
  3. ohne Handel zu betreiben zu veräußern, abzugeben oder sonst in den Verkehr zu bringen
  4. zu verschreiben
  5. zum Zwecke des Dopings im Sport bei einer anderen Person anzuwenden

Weiterhin ist es verboten, einen derartigen Stoff in „nicht geringer Menge“ mit Absicht des Dopings im Sport zu erwerben, zu besitzen oder anderweitig damit umzugehen.

Dabei stellt sich die Frage, was als so genannte „nicht geringe Menge“ gilt und was für Konsequenzen sich ergeben. Laut Dopingmittel-Mengen-Verordnung (DmMV) sowie der Anlage 1 des Anti-Doping-Gesetzes, in der verschiedene Stoffe aufgelistet sind, liegt die nicht geringe Menge für SARMs bei 90 mg. 

Konkret bedeutet das zunächst, dass SARMs unter dieser Menge theoretisch zum Zwecke des Eigenbedarfes besessen und eingenommen werden dürfen. Paragraph 3 des Gesetzes konkretisiert diese Aussage jedoch und nimmt einige Personen von dieser Regelung aus. Demnach ist es jeglichen Menschen, die an organisierten sportlichen Wettkämpfen teilnehmen, untersagt, die aufgelisteten Stoffe, darunter SARMs, auch in nicht geringer Menge zu besitzen oder zu konsumieren. Damit ist es laut Anti-Doping-Gesetz hypothetisch gesehen nur erlaubt SARMs zu sich zu nehmen, wenn man nicht die Absicht hat, an organisierten sportlichen Wettbewerben teilzunehmen, die Menge nicht höher ist als 90 mg, sie nicht aus illegalen Quellen stammen und lediglich zum Eigenbedarf angewendet werden.


SARMs, Steroide und Ephedrin – 4 Gewichtheber bei WM positiv getestet!


Gängige Dosierungen der meisten SARMS liegen zwischen 10 und 20 mg, wodurch die „nicht geringe Menge“ für einen Hobbyathleten lediglich bei viereinhalb bis neun Tagesportionen liegt. Beim PPARδ-Agonisten GW-501516, auch Cardarin oder Endurobol genannt, der auf dem Markt aufgrund seiner ähnlichen Wirkungsweise oft gemeinsam mit SARMs verkauft wird, jedoch an einem andere Rezeptor wirkt, liegt die nicht geringe Menge sogar bei nur 75 mg.

Unter dem Strich bedeutet dies, dass lediglich Hobbyathleten, die theoretisch keine Wettkampfambitionen haben, laut Anti-Doping-Gesetz auf legale Weise SARMs zum Eigenbedarf besitzen und konsumieren dürfen, wenn die Mengen sehr gering gehalten werden und das Produkt nicht aus illegalen Quellen stammt. Um auf eine Dosierung zu kommen, die von anderen Sportlern als wirksam beschrieben wird, müsste man sie somit alle paar Tage erneut einkaufen, um stets unter der nicht geringen Menge zu bleiben. Sportler, die an Wettkämpfen teilnehmen, egal ob dort auf Doping getestet wird oder nicht, machen sich bei Handel, Besitz und Anwendung von SARMs gemäß dem Anti-Doping-Gesetz in jedem Fall strafbar.

Fazit

Während die Rechtslage in den USA im April 2018 deutlich verschärft wurde und SARMs im Zuge dessen in die gleiche Kategorie wie Kokain oder Opiate eingeordnet wurden, bleibt die Legalität in Deutschland bisher unverändert. Demnach dürfen SARMs laut Anti-Doping-Gesetz ausschließlich von Hobbysportlern verwendet werden, die an keinerlei organisierten sportlichen Wettbewerben teilnehmen. Und selbst dann ist die maximale Menge, die man zum Eigenbedarf erwerben, besitzen oder konsumieren darf, sehr gering. Da es sich bei SARMs aber nicht um zugelassene Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel handelt, sollte klar sein, dass jegliche Produkte ihren Ursprung in illegalen Quellen haben. Deshalb könnte jeglicher Handel, Besitz und Konsum als Hehlerei gelten und dennoch rechtlich verfolgt werden.


Quellen:
www.steroidlaw.com
Dopingmittel-Mengen-Verordnung
Anti-Doping-Gesetz

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