ACTN3

Dieses Gen bestimmt deinen Muskelaufbau!


Die Art der Muskelfasern, die du hast, wird zu einem großen Teil durch das Alpha-Actinin 3 (ACTN3) Gen reguliert. Nicht nur der dominantere Typ von Muskelfasern (Typ I oder II), sondern auch die verschiedenen Qualitäten der Gewebe selbst – wie gut es mit Muskelschäden umgeht, wie stark mTOR aktiviert wird, seine Kapazität, Sauerstoff zu verwenden und so weiter. Es gibt zwei Haupttypen von ACTN3. Die X-Variante ist besser untersucht in Bezug auf Ausdaueraktivitäten, wohingegen die R-Variante besser hinsichtlich Schnelligkeit und Power studiert wurde. Manche Menschen haben nur eine dieser Varianten (RR oder XX), wohingegen jeweils eine Variante besitzen (Rx, RX oder rX). Heute schauen wir uns die Eigenschaften beider Varianten an.

ACTN3 RR – „Genetische Freaks“

Personen, die die ACTN3 RR-Variante besitzen, erfahren eine stärkere mTOR-Aktivierung infolge von Krafttraining. mTOR ist der Hauptregulator der Muskelproteinsynthese, was bedeutet, dass je stärker dessen Aktivierung, desto mehr Muskelmasse kann aufgebaut werden. Diese Menschen besitzen außerdem einen höheren Anteil an schnellzuckenden Muskelfasern (Typ II) und leiden weniger stark unter Schäden der Muskulatur infolge von schwerem Training, was bedeutet, dass ihre Regeneration besser ist als bei Personen, die eine andere ACTN3 Variante besitzen. Daraus resultiert unter anderem ein geringeres Risiko für Verletzungen. Man geht davon aus, dass diese Variante außerdem zu einer verringerten Dehnbarkeit der Muskulatur führt, was einen stärkeren Stretch-Reflex und dadurch eine höhere Explosivkraft bedeutet.

Personen, die dem ACTN3 RR Typ angehören, sollen besser auf das Training ansprechen. Sie sollen eine stärkere Aktivierung von mTOR infolge des Trainings erfahren und mehr Typ II Muskelfasern besitzen, die nicht nur stärker, schneller und explosiver machen, sondern auch ein stärkeres Potenzial für Dickenwachstum besitzen. Diese Menschen erholen sich schnell von schweren Gewichten, da die Schäden an der Muskulatur schneller wieder repariert werden können.


Wie groß ist der Einfluss der Genetik wirklich?


ACTN3 XX – „Hardgainer“

Besitzt jemand die ACTN3 XX-Variante, fällt die Aktivierung von mTOR infolge des Krafttrainings schwächer aus, was eine geringere Muskelproteinsynthese und weniger Muskelwachstum bedeutet. Im Gegensatz zum RR Typen führt die XX Variante zu einem höheren Anteil von langsamzuckenden Typ I Fasern, die mehr Sauerstoff oxidieren und ausdauernder sind, jedoch weniger Kraft generieren und ein geringes Volumen besitzen. Diese Menschen erfahren größere Schäden durch das Krafttraining, wodurch die Regeneration längere Zeit in Anspruch nimmt und schwieriger ist. Dadurch ist auch das Verletzungsrisiko höher, wenn schwere Gewichte bewegt werden. Wahrscheinlich sind die Muskeln eines solchen Typen dehnbarer, wodurch aber auch der Stretch-Reflex geringer ausfällt.

Jemanden, der diesem Typen angehört, bezeichnet man typischerweise auch als Hardgainer. Die Reaktion des Körpers auf das Krafttraining im Hinblick auf den Muskelaufbau ist geringer aufgrund der geringeren mTOR-Aktivierung, der langsameren Reparatur von Schäden sowie der Tatsache, dass Typ I Muskelfasern generell ein geringeres Volumen besitzen als Typ II Fasern. Deshalb sind auch Kraft, Schnelligkeit und Power geringer, wohingegen die Ausdauerleistung dieser Fasern höher ausfällt.

Gemischte Typen – Die meisten Menschen

Wenn du zu den gemischten Typen (Rx, RX oder rX) gehörst, wie rund 50 bis 70% der Bevölkerung, liegst du in Sachen Muskelaufbau, Kraft, Power und Ausdauer irgendwo zwischen diesen Extremen.

Dass die Genetik einen großen Einfluss darauf hat, wie gut oder schlecht der menschliche Körper auf Krafttraining anspricht, ist nichts Neues. Doch mit der Verbesserung der Methoden zur Gensequenzierung fängt die Forschung langsam an, die Gene zu identifizieren, die für die Unterschiede verantwortlich sind. Im Fall von ACTN3 könnte man bereits zu Beginn des Trainings feststellen, wie gut oder schlecht man auf die gesetzten Reize reagieren wird. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Profi-Bodybuilder dem ACTN3 RR Typen angehören. Obwohl es in Zukunft vielleicht möglich wird herauszufinden, zu welchem Typen man selbst gehört, sollte das Ergebnis nicht beeinflussen, wie hart man trainiert. Harte Arbeit schlägt jede Genetik, allerdings nur, solange Genetik nicht auch hart arbeitet. Jeder kann das Beste aus seinem eigenen Körper herausholen, auch wenn ihm nicht die besten Voraussetzungen in die Wiege gelegt wurden. Nicht jeder ist zum Profi geboren, aber jeder kann Muskeln aufbauen, unabhängig von den Voraussetzungen des Erbguts.


Primärquelle: t-nation.com/training/tip-actn3-the-muscle-gene
Studienquelle:
Pickering, Craig, and John Kiely. „ACTN3: More than just a gene for speed.“ Frontiers in physiology 8 (2017): 1080.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nach oben
Gannikus.com

Gannikus.com