Die Pille für den Mann

Gibt es eine bessere Methode zur männlichen Empfängnisverhütung?


So technologisch fortgeschritten wir im 21. Jahrhundert auch sein mögen, sexuell aktive Männer haben im Grunde nur zwei Methoden der Empfängnisverhütung zur Verfügung. Die erste ist die „Rauszieh“ Methode, welche Disziplin, Fingerspitzengefühl und das richtige Timing erfordert. Doch genießt man nur eine Sekunde zu lange, geht der ganze Spaß nach hinten los und man riskiert eine ungewollte Schwangerschaft. Dann gibt es da noch den albernen und peinlichen Akt, ein Kondom überzuziehen. Nachdem man im unpassendsten Moment ein sexuelles Time-Out einlegen muss, musst du dir etwas überziehen, was entweder zu eng, zu groß, zu fluoreszierend, zu farbig, zu sehr im dunkeln leuchtend oder einfach nur zu sehr Cannoli ist. Du denkst, dass die Wissenschaft mittlerweile mit einer besseren Methode aufwarten müsste, aber es gibt da eine Hürde zu überwinden, die genauso mathematisch wie biologisch ist. 

Bedenkt man, dass weibliche Verhütungsmethoden auf eine Art ziemlich einfach sind, indem man die ein oder zwei monatlichen Eier in ihrem reproduktiven System herumschwirren, umgeht, ist es nicht wirklich ein biochemischer Kampf von 300 Spartanern an den Thermophylen, die die Passage gegen überwältigende Gegner verteidigen müssen. Aber jedes Mal wenn ein Mann ejakuliert, schickt er zwischen 15 und 100 Millionen spermatische Truppen ins Gefecht. Sie zu bekämpfen bedarf es schon so etwas wie einen biochemischen Todesstern.

Dr. Stephanie Page von der University of Washington und Christina Wang von der UCLA  glauben diesen Todesstern gefunden zu haben und nennen ihn die „Pille für den Mann“. Aber es ist unwahrscheinlich, dass die meisten Männer sie nutzen werden, denn egal wie du es drehst und wendest, es ist eine Art der chemischen Kastration. Daneben gibt es eine ältere, fast vergessene Methode der Empfängnisverhütung für den Mann, über die man jedoch einmal nachdenken sollte.

Aussehen wie ein haarloser, pummeliger Junge? Wo kann ich unterschreiben?

Page und Wang machten Schlagzeilen, als sie eine 28-tägige Studie mit 83 Testpersonen und dem Medikament Dimethandrolon Undecanoat, oder DMAU abschlossen. Das Medikament funktioniert indem es den männlichen Testosteronspiegel auf das Niveau eines kleinen Jungen herabsenkt. Mit solch geringen T-Spiegeln, verabschieden sich die Hoden in den Urlaub. Einen enthaltsamen, langweiligen Urlaub. Aber bevor unsere männlichen Leser nun in Angst zurückweichen sei gesagt, dass das Medikament als männliches Steroidhormon agiert, sodass man oberflächlich seine männlichen Geschlechtsmerkmale behält, ohne jedoch eine Spermienproduktion auszulösen.


Testosteron und Depressionen: Was du bisher nicht wusstest!


Die Testpersonen, die das Medikament einnahmen, zeigten einen bedeutenden Rückgang des Folikelstimulierenden Hormons (FSH) und Luteinisierungshormons (LH). Beide sind absolut notwendig um die Spermien- und Testosteronproduktion anzukurbeln. Nur wenige von ihnen zeigten Symptome eines Testosteronmangels, darunter sexuelle Dysfunktion oder schlechte Stimmung. Die meisten Männer nahmen jedoch zwischen 1,5 und 3,5 kg Körperfett zu, gemeinsam mit einem leichten Rückgang der HDL-Spiegel.

Testosteron ist kein Lichtschalter

Es gibt allerdings neben den paar Extrapfunden und dem beeinträchtigten Cholesterinspiegel noch ein paar andere Probleme mit der Studie, die Page und Wang veröffentlichen wollen. Zum einen ist eine 28-Tage lang dauernde Studie viel zu kurz um wirklich zu widerlegen, ob DMAU zu Symptomen eines Testo-Mangels führt. Testosteron, und noch viel wichtiger seine psychologischen und sexuellen Einflüsse, sind nicht wie ein An/Aus-Schalter. Wenn du die Testosteronproduktion heute ausschaltest, dauert es eine Weile bis die ersten sexuellen Dysfunktionen auftreten. Das gleiche gilt für Anzeichen von Depressionen oder dem Verlust an Muskelmasse und sekundären Geschlechtsmerkmalen allgemein.

Weiterhin scheinen Page und Wang die Psychologie des Mannes nicht besonders gut zu verstehen. Aus der Erfahrung heraus würde man vermuten, dass die meisten Männer die ernsthaft darüber nachdenken, ein Medikament zu nehmen, welches sie chemisch kastriert und dazu führt, dass sie Körperfett zunehmen, bereits einen geringen T-Spiegel besitzen und unfruchtbar sind.

Ein besserer Weg?

Es gibt eine bessere Methode der männlichen Empfängnisverhütung, über die jedoch nicht geredet wird, da sie verlangt, dass Männer mehr Testosteron verwenden. Wenn du ausreichende Mengen eines der geläufigen Testostern-Ester – Cypionat, Propionat oder Enantat – injizierst, wirst du deine Spermienproduktion so lange erfolgreich unterbinden, wie du dir das Zeug verabreichst.


Mehr Stoff, mehr Probleme im Bett?


Es ist eine ganz einfache, negative Feedback-Schleife. Wenn es „zu viel“ Testosteron im Blut gibt, geht die LH und FSH Produktion nach unten und damit stoppt auch die Produktion der Spermien. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), bedachte dies einst als machbare Möglichkeit und führte in den frühen 90ern sogar einen 10-Nationen Versuch dazu durch. 157 Männer (70% davon in der Testgruppe) bekamen dabei eine wöchentliche Injektion von 200 mg Testosteron Enantat und erreichten damit innerhalb von 6 Monaten eine Azoospermie, die völlige Abwesenheit von Spermien.

Die Behandlung wurde über ein Jahr fortgeführt und die Teilnehmer dazu angehalten, keinerlei weitere Verhütungsmittel zu verwenden. Nur eine einzige Schwangerschaft trat in diesem Zeitraum auf, was eine sehr hohe Erfolgsrate darstellt. Eine weitere ähnliche, aber größere Studie wurde später mit einer beeindruckend hohen Erfolgsrate durchgeführt. Jedoch wurde diese Methode wahrscheinlich aufgrund des Stigmas und den Missverständnissen, die mit Testosteron generell in Verbindung gebracht werden, niemals übernommen.

Es bedarf wahrscheinlich nach wie vor keine besonderen Einblicke in die Präferenzen von Männern um einzusehen, dass die meisten Jungs es begrüßen würden, wenn die Wissenschaft sich weiter mit der Testosteron-Methode befassen würde, statt der chemischen Kastration. Doch da die Anwendung von Testosteron in supraphysiologischen Mengen von den meisten Ärzten und Wissenschaftler nicht gebilligt wird, werden wir abwarten müssen, ob man vielleicht noch weitere effektive Möglichkeiten entdeckt, damit Männer ungehemmt ihren Spaß haben könne, ohne vorher herauszuziehen oder ein Gummi verwenden zu müssen.


Anabole Steroide, Wachstumshormone und ähnliche Stoffe sind entweder verschreibungspflichtig oder überhaupt nicht mehr aus einer Apotheke zu beziehen. Derartige Substanzen ohne Rezept zu erwerben oder zu besitzen ist strafbar. Zudem kann die Verwendung sowohl kurzfristige als auch dauerhafte körperliche Schäden mit sich bringen!


Primärquelle: t-nation.com/pharma/tip-effective-male-contraception-right-now

Literaturquelle: Zhang, G‐Y., et al. „Contraceptive efficacy of testosterone‐induced azoospermia in normal men.“ International Journal of Gynecology & Obstetrics 35.4 (1991): 373-373.

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