Ist Bodybuilding wirklich positiv für die Gesundheit?


Kaum ein Athlet wird am Tag, an dem er den ausgedruckten Zettel im Studio unterschrieb und damit einen Bund fürs Leben einging, nicht daran gedacht haben, wie er in Zukunft wohl aussehen wird. Der Traum vom muskulösen Erscheinungsbild, den runden Schultern, prallen Oberarmen und trockenen Bauchmuskeln ist der Treibstoff, aus dem die Träume der Neuankömmlinge sind. Ob diese Optik erreicht werden soll, weil man durch Zufall in einem Magazin seinen Traumkörper entdeckt und für sich persönlich entschieden hat, dass Muskeln ab sofort an erster Stelle stehen oder das Training dabei helfen soll, mehr Chancen am Freitagabend beim weiblichen Geschlecht zu haben. Die Gründe für den Start in eine Karriere im Kraftsport sind vielfältig. Selten hat aber ein aufstrebender Frischling neben den optischen Aspekten auch andere Beweggründe im Hinterkopf. Die gesundheitlichen Aspekte finden kaum Beachtung. Oder gibt es diese vielleicht überhaupt nicht?

Die ersten Schritte im Studio sind schnell gemacht. Die schön gestalteten Anleitungen angesehen und die erste Einführung vom angeblichen Personaltrainer erhalten, tastet man sich langsam an eine einigermaßen sinnvolle Trainingsstrategie heran, auch wenn diese noch lange nicht perfekt ist.

Der Start ist gesund

So kommt man irgendwann an den Punkt, an dem begriffen wird, dass Grundübungen wichtig sind und nicht nur der Bizepscurl für optische Erfolge sorgt. Mit diesem Wissen steigert man sich von Einheit zu Einheit, bewegt höhere Gewichte und bricht persönliche Rekorde.

Natürlich läuft nicht alles von Anfang an perfekt und man muss sich mit Bewegungsabläufen vertraut machen und motorische Fähigkeiten entwickeln, die vor der Karriere als Athlet überhaupt nicht benötigt wurden. Trotz dieses Lernprozesses schüttet das Training Endorphine aus und ist zu diesem Zeitpunkt gesund.

Mit der Zeit erhält man auch die Bestätigung der Außenwelt. Komplimente zum Wachstum und der Optik stärken das Selbstbewusst sein und motivieren, weitere Grenzen zu überqueren. Aus diesem Grund beschäftigt man sich plötzlich mit der Ernährung. Warum ist Protein als Baustoff so wichtig und wieso liefern Kohlenhydrate einen so hohen Energiebeitrag im Studio?

Irgendwann erreicht man seine ersten Plateaus.  Plötzlich wird es schwierig, sich in jeder Einheit zu steigern. Die einst so steil verlaufende Erfolgskurve verblasst und das Körpergewicht stagniert. Es scheint, als würde man nicht mehr vorankommen und auch mit den neumodischsten Trainingsansätzen keine ausreichenden Reize setzen können, um den Körper zum Wachstum zu bewegen.


Irgendwann kommt es zur Stagnation und man sieht keinen Ausweg.


Irgendwann steht man vor der Wahl

Nun macht man Bekanntschaft mit der dunklen Seite des Sports. Die Gedanken kreisen um Möglichkeiten, breiter zu werden, mehr Gewichte zu bewegen, sich zu verbessern. Zu verlockend sind leistungssteigernde Substanzen bei einer Stagnation, gepaart mit einer Ungeduld, die jeder Mensch kennt. Jetzt kann es ungesund werden.

Am Ende führt der Weg, den man mit tausenden Athleten gemeinsam gegangen ist, an eine Gabelung. Hier teilt sich die Gruppe auf. Während ein Großteil der Verlockung von anabolen Steroiden nicht widerstehen kann, verzichten einige auf ihre Verwendung und trainieren mit den Möglichkeiten, die ihnen von der Natur gegeben wurden.

Hobbysportler, die auf die dunkle Seite wechseln, machen unterschiedliche Erfahrungen. Wenige halten ihr Versprechen und hören nach der ersten Kur wieder auf. Zu süß ist der Nektar der Mittelchen, die der Studioapotheker im Angebot hat.

So findet sich ein großer Teil irgendwann in einer Abwärtsspirale wieder. Depressionen nach einer Kur, die Entwicklung von Essstörungen, Angst vor sozialen Begegnungen und Verfolgungsängste sind nur einige Nebenwirkungen, die den teilweise noch Jugendlichen blühen.

Neben den psychischen Einschränkungen lassen auch Beschwerden an den Gelenken nicht lange auf sich warten. Die schnell steigenden Gewichte belasten das Gerüst des Körpers in hohem Ausmaß und dieser bricht irgendwann unter dem hohen Druck ein.

Selbstverständlich passiert das nicht jedem Athleten, der sich für den Weg mit anabolen Steroiden entscheidet. In vielen Fällen treten kaum Nebenwirkungen auf. Zumindest nicht auf kurze Sicht. Fakt ist aber, dass es keine Wirkung ohne Nebenwirkung gibt und man nicht auf eine Freifahrt hoffen kann, wenn man zu leistungssteigernden Substanzen greift. Irgendwann bezahlt man die Rechnung.

Es gibt keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Auch nicht bei Steroiden.

Risiko-Nutzen-Verhältnis

Bei der Frage danach, ob Bodybuilding gesund ist, hängt die Antwort also von den Zielen ab. Oberflächlich betrachtet ist es das in keinem Fall, nicht einmal im Amateurbereich. Die Menge an immer steigenden Belastungen über Jahre hinweg fordert ihren Tribut. Gelenke und passive Strukturen leiden und Leber, Herz und Nieren stehen unter negativem Einfluss von Steroiden.

Traurigerweise ist im Bodybuilding die Nutzung von Mitteln, die die Leistung steigern, weiter verbreitet als in jeder anderen Sportart. Keiner wird abstreiten können, dass im Fußball oder im Basketball auch in die Trickkiste gegriffen wird, um die besten Spieler dieser Welt über ihre Grenzen hinaus zu bringen.

Der Unterschied zum Kraftsport besteht aber darin, dass kein Fußballer auf Amateurniveau den Gedanken fassen würde, sich die gleichen Substanzen zu verabreichen, die das Idol im Profisport verwendet.

Die Nutzung von anabolen Steroiden sollte denen vorbehalten sein, die sie nutzen müssen, um sinnvolle Ziele zu erreichen. Wird mit der Nutzung der Lebensunterhalt ermöglicht oder möchte man einfach nur im Freibad beeindrucken?

Es geht immer um das Risiko-Nutzen-Verhältnis. Ein genetisch begnadeter Athlet wird durch die Verwendung eventuell zum Weltstar, sichert sich Filmrollen und bereichert damit sein Leben und das Anderer. Hier ist die Nutzung angebracht beziehungsweise zumindest nachvollziehbar.

Ein gestörtes Ego hingegen, das nur befriedigt ist, wenn man der breiteste Gorilla im örtlichen Dorfstudio ist, rechtfertigt die Verwendung in keinem Fall. Es ist und bleibt ungesund.

Durch den Einfluss, den Social Media Posts auf das Unterbewusstsein haben, streben immer mehr Hobbyathleten nach einem Look, den sie natural nicht erreichen können und greifen deshalb zu Steroiden. So wird das Bodybuilding mehr und mehr zu einem ungesunden Sport. Im Grundgedanken ist es aber definitiv ein Sport, der sich positiv auf die Gesundheit auswirkt. Ständiges Training, saubere Ernährung und ein geordneter Lebensstil wirken sich positiv auf den Körper aus. Kritisch wird es erst, wenn der Drang zum Erfolg so riesig wird, dass man einen Pakt mit dem Teufel eingeht und zu Substanzen greift, die einen das restliche Leben begleiten werden. Direkt oder indirekt!


Quelle: ironmagazine.com/2018/is-bodybuilding-beneficial-for-your-health/




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