Lebertumore bei Bodybuilder nach jahrelangem Steroidkonsum


Die meisten Profi Bodybuilder sprechen nur ungern über den Gebrauch von Steroiden, dabei ist der Konsum gang und gäbe und ganz offensichtlich auf der Bühne zu erkennen. Durch das Schweigen um das Thema bekommt man nur selten einen Einblick in die Dosierungen, die tatsächlich verwendet werden. Die Nebenwirkungen werden ebenfalls nur selten thematisiert. Meist hört man von Akne oder Haarausfall, doch dass der Steroidkonsum auch deutlich schlimmere Organschäden mit sich bringen kann, sollte jedem Nutzer bereits im Vorhinein klar sein. Ärzte aus Hannover haben diesbezüglich im Jahr 2015 eine Fallstudie veröffentlicht, in der von einem Bodybuilder die Rede ist, der nach jahrelangem Medikamentenmissbrauch eine Lebertransplantation benötigte!

Ein 29-jähriger männlicher Bodybuilder kam wegen seines schmerzhaft geschwollenen und gelblich verfärbten Bauches in die Notaufnahme. Der Patient wog 120 Kilo auf eine Körpergröße von 1,86 Meter und war von muskulöser Statur.

Bei seiner Ankunft im Krankenhaus gab der Mann an, zwischen 2011 und 2012 in 4-wöchigen Zyklen die folgenden Hormone genommen zu haben:

  • Nandrolon Decanoat (400mg pro Woche)
  • Sustanon (750mg pro Woche)
  • Metandienon (280 bis 350mg pro Woche)
  • Stanozolol (50mg pro Tag für einen Monat)
  • HGH (4 i.U. pro Tag für drei Monate)

Zudem kamen vor dem Wettkampf folgende Diuretika zum Einsatz:

  • Spironolacton (50mg pro Tag)
  • Thiazid (25mg pro Tag)

Ergänzt wurde die Steroidkur mit Tamoxifen und Insulin in nicht genannter Dosierung.

Abbildung 1: Der Bauch des Patienten war geschwollen und gelblich verfärbt.

Der Patient wurde zunächst mittels Ultraschall untersucht, wobei schnell die vergrößerte Leber auffiel. Durch Kontrastmittel-gestütztes Ultraschall und Computertomographie konnten die Ärzte verschiedene Veränderungen in der Leber ausmachen. So fielen einige Bereiche durch chaotische und vermehrte Blutgefäße auf, während andere Bereiche nur schwach durchblutet schienen. Durch die Tumore konnte das Blut durch eine Lebervene (inferior vena cava) nicht mehr richtig abfließen (Budd-Chiari-Syndrom). Daher entnahmen die Ärzte ein kleines Stück der Leber mittels Feinnadelbiopsie. Um ein vollständiges Bild zu erhalten, führten die Mediziner zudem eine Laparoskopie durch, bei der eine Kamera in den Bauchraum geführt wird. Laut dem Bericht sei die Leber extrem vergrößert und voller Tumore gewesen, zwischen denen man kaum noch gesundes Lebergewebe ausmachen habe können. Der größte der Tumore sei zudem gelb-bläulich verfärbt gewesen.

Abbildung 2: Im Ultraschall (oben) fallen die Tumore, sowie der Rückstau in der rechten Lebervene auf. Unten zeigt das Kontrastmittel Regionen mit starker und schwacher Vaskularisierung in der Leber.

Die Analyse der Biopsien ergab, dass viele der Tumore gutartige Leberadenome waren, zwischen denen zudem bösartige Leberkarzinome gefunden wurden. Leberadenome wachsen langsamer und sind meist eingekapselt, sodass sie das umliegende Gewebe nicht beschädigen. Sie treten häufig bei jungen Frauen auf, die eine hormonelle Antibabypille nehmen. Aber auch bei Bodybuildern, die Steroide nutzen, werden sie regelmäßig beobachtet. Ein Leberkarzinom hingegen ist bösartig, wächst schneller, zerstört umliegendes gesundes Gewebe und bildet Metastasen.

Die Zellen des Karzinoms wurden positiv auf eine Mutation getestet, die häufig in Leberkarzinomen vorkommt (Mutation in Beta-Catenin). Zudem bildeten die Zellen einen Androgenrezeptor aus, was daraufhin hindeutet, dass ihr Wachstum durch Steroide gefördert wurde. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Athlet die Lebertumore auch ohne den Gebrauch von anabolen Steroiden entwickelt hätte, jedoch ist ein starker Zusammenhang zwischen Leberschäden und dem Steroidkonsum nicht zu leugnen.

Schlussendlich erhielt der Bodybuilder eine Lebertransplantation. Seine entnommene Leber wog acht Kilo (normal: 1,4 bis 1,6 Kilo). Der Fallberichtet endet mit dem Satz: „He is not taking AAS anymore.„, was ins Deutsche übersetzt bedeutet, dass der Mann den Steroidkonsum scheinbar aufgegeben hat.

Dieser Fallbericht soll keinen Anlass zur Häme, im Sinne von „selbst Schuld!“ geben, doch nicht gerade wenige Menschen bewundern die schweren Athleten auf der Bühne und oftmals wird nicht vollendes ersichtlich, was die Athleten auf sich nehmen, um ihre Ziele zu erreichen. Es soll sich hierbei vielmehr um eine Warnung handeln, die zum Ausdruck bringt, dass der Missbrauch von Anabolika nicht zu verharmlosen ist!

Anabole Steroide sind entweder verschreibungspflichtig oder überhaupt nicht mehr aus einer Apotheke zu beziehen. Derartige Substanzen ohne Rezept zu erwerben oder zu besitzen ist strafbar. Zudem kann die Verwendung sowohl kurzfristige als auch dauerhafte körperliche Schäden mit sich bringen!

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Referenzstudie: ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25986067




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