Steroidmissbrauch und seine Auswirkungen auf die Lebenserwartung


Während der 60er und 70er Jahre wurde die Verwendung von Steroiden zumindest von offizieller Seite aus nicht kontrolliert, weshalb Ringer, Powerlifter, Leichtathleten und natürlich auch Bodybuilder sozusagen konsumieren konnten, was und wie viel sie wollten. Obwohl viele genau das machten, hatte dieses Verhalten wohl keine nachteiligen Auswirkungen auf ihre Lebenserwartung, wie Forscher der University of Gothenburg herausgefunden haben wollen. Die Schweden berichten im Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports über ihre Ergebnisse!

Fahrradfahrer, die bei der Tour de France teilnehmen, leben sechs Jahre länger als der durchschnittliche Mann und das trotz der intensiven Verwendung der üblichen, leistungssteigernden Medikamente. Beim Fahrradfahren handelt es sich jedoch um eine Ausdauersportart, wie sieht es also mit Sport aus, bei dem Muskelaufbau, Maximal- und Explosivkraft die oberste Priorität haben? Ringer, Powerlifter, Gewichtheber und auch Leichtathleten sind trotz diverser Regularien bekannt dafür, Gebrauch von illegalen Substanzen zu machen, durch die sich die Leistung positiv beeinflussen lässt. Die Frage ist nun, ob auch diese Athleten länger leben als der Durchschnitt oder ob ihre Lebenserwartung eventuell kürzer sein könnte?

Bei der Suche nach wissenschaftlicher Literatur zu diesem Thema stößt man auf genau ein Experiment, das sich mit der Antwort auf jene Frage beschäftigt. Im Jahr 2000 veröffentlichten Epidemiologen des Finnish National Public Health Institute eine Studie, in der sie beobachteten, dass das Sterberisiko von Elite Powerliftern fast fünf Mal so hoch war wie das der restlichen Bevölkerung.

Die besagte Studie war jedoch von eher kleinerem Umfang, denn die Forscher sammelten unter dem Strich nur Daten von insgesamt 62 Powerliftern, von denen die meisten wohl Steroide konsumiert hatten. Die Finnen schafften es bei ihrer Untersuchung außerdem, den Sportlern für immerhin zwölf Jahre zu folgen.

Das können wir besser“, dachten sich die in der Einleitung bereits erwähnten Schweden und sammelten Daten von nahezu 1200 Athleten, die alle während der 60er und 70er Kraftsport absolvierten. Die Forscher fanden dabei heraus, dass von allen Probanden ungefähr 20 Prozent zugegebenermaßen anabole Steroide verwendet hatten. Die Dunkelziffer der Konsumenten war wohl höher.

Die schwedischen Wissenschaftler beobachteten die Athleten für 30 Jahre und wie die nachfolgende Grafik veranschaulicht, ließ sich was das Sterberisiko betrifft in diesem Zeitraum zwischen den Kraftsportlern und der restlichen Bevölkerung so gut wie kein Unterschied erkennen.

Was die Forscher jedoch bei der genaueren Analyse der Todesgründe unter den Athleten feststellten war, dass die Suizidrate merklich hoch war.

Die Wissenschaftler schreiben, dass die Suizidquote der Powerlifter je nach Alter fast vier Mal so hoch war wie die der Gesamtbevölkerung. Das erhöhte Risiko für Selbstmords wird allerdings von einer reduzierten Wahrscheinlichkeit an Krebs zu sterben ausgeglichen, denn die Athleten starben 30 Prozent seltener an Krebs als der Rest der Bevölkerung. Letzten Endes lebten die Powerlifter also genauso lange wie der durchschnittliche Schwede.

Es sollte jedoch angemerkt werden, dass der Steroidmissbrauch in den 60er und 70er Jahren im Vergleich zu heute minimal war, denn die Verwendung leistungssteigernden Substanzen hat sich heutzutage extrem verbreitet. Zudem scheint die Qualität der Medikamente auf dem Schwarzmarkt deutlich schlechter zu sein als zu damaligen Zeiten. Würden die Schweden ihre Studie also in 30 Jahren wiederholen, liegen abweichende Ergebnisse durchaus im Bereich des Möglichen!

Anabole Steroide sind entweder verschreibungspflichtig oder überhaupt nicht mehr aus einer Apotheke zu beziehen. Derartige Substanzen ohne Rezept zu erwerben oder zu besitzen ist strafbar. Zudem kann die Verwendung sowohl kurzfristige als auch dauerhafte körperliche Schäden mit sich bringen, weshalb wir von einem Konsum dringlichst abraten!


Quelle: ergo-log.com/athletes-live-just-as-long-as-ordinary-people-despite-steroid-use.html
Referenzstudie: ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24033718




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