Studie über Viagra

Krassere Gains als mit Steroiden?


Dass ein guter Pump nicht nur geil aussieht, sondern auch zu einem verbesserten Muskelaufbau beiträgt, ist mittlerweile recht unumstritten. Zwar gibt es weitere Einflussgrößen mit stärkeren Auswirkungen, aber das Anschwellen der Muskelzellen kann definitiv zu einen Wachstumsreiz beitragen. Es gibt dabei einige Wege, mit denen man den Pump im Training steigern kann. Neben dem richtigen Training und der passenden Ernährung gibt es verschiedene Nahrungsergänzungen, die man dafür zu sich nehmen kann. Doch auch verschiedene Medikamente erweisen sich als nützlich, so auch Viagra!

Die kleinen blauen Pillen mit dem Wirkstoff Sildenafil wurden ursprünglich entwickelt, um den Blutdruck zu senken. Auch bekannte Pump-Supplements, wie beispielsweise Arginin und Citrullin, können durch die Bereitstellung von Stickstoffmonoxid zur Weitung der Blutgefäße und dadurch zu einem geringeren Blutdruck beitragen. Doch Viagra wirkt über einen anderen Mechanismus. Es hemmt das Enzym Phosphodiesterase 5, wodurch sich glatte Muskelfasern, beispielsweise der Blutgefäße, entspannen und dadurch weiten. Im Herz-Kreislauf-System gibt es somit mehr Platz für das Blut und der Druck sinkt ab. Pumpt man Wasser durch einen Schlauch und verengt das Ende, ist der Druck ebenfalls höher als bei einem weiteren Schlauch. So kann man sich das auch in unseren Adern vorstellen.

Man hat jedoch ziemlich schnell bemerkt, dass Viagra nicht nur die glatten Muskelzellen der Blutgefäße entspannen lässt, sondern besonders auch die im männlichen Penis. In Falle eines sexuellen Reizes durch Berührung oder visuell, steigt in Kombination mit festem Gewebe im Schwellkörper der Druck so stark, dass der Abtransport des Blutes gehemmt wird und es zu einer Erektion kommt. Die Wirkung hält in der Regel circa 70 Minuten an. Seit langem verwenden Bodybuilder das verschreibungspflichtige Medikament aber auch zur Steigerung des Pumps der Muskulatur im Training oder auf der Wettkampfbühne.


Citrullin gegen Erektionsprobleme!


Eine aktuelle Studie befasste sich mit der Frage, inwieweit sich die Einnahme von Viagra auf den Muskelaufbau auswirken kann. Genau diese Studie hat sich der YouTuber und Natural Bodybuilder Jeff Nippard aus Kanada genauer angesehen und in einem aktuellen Video zusammen mit IFBB Pro John Meadows und Jorn Trommelen, einem Doktoranden im Bereich Muskelmetabolismus, ausführlicher diskutiert.

Die Wissenschaftler, die diese Studie durchgeführt haben, kamen zu dem Schluss, dass die Einnahme von Viagra zu einer Verdopplung der Muskel-Proteinsynthese führt. Dieser Effekt sei mit der Einnahme von 100 bis 200 mg Testosteron pro Woche zu vergleichen, eine Dosis, die oberhalb der natural erreichbaren Menge liegt. Allerdings liegen gängige Einsteigerkuren mit 250 mg pro Woche und mehr etwas höher, wodurch dieser Verglich relativiert wird.


Die Einnahme von Viagra soll laut dem Paper mit einer supraphysiologischen Dosis Testosteron vergleichbar sein.


Zurecht kritisiert Nippard, dass die Studie mit 13 Probanden sehr klein gewesen sei. Lediglich sechs Männern wurde das Viagra verabreicht, wohingegen sieben Testpersonen nur ein Placebo bekamen. Ebenso hätten die vermeintlich gesunden Männer eine überdurchschnittlich hohen Körperfettanteil gehabt und seien daher nicht mit uns trainierenden Freizeitsportlern vergleichbar. Nichtsdestotrotz seien die Ergebnisse schlichtweg zu beeindruckend, um sie aufgrund dieser Kritikpunkte zu ignorieren.

Der Wissenschaftler Jorn Trommelen sagt dazu, dass die Studienergebnisse in Wirklichkeit aber mit Vorsicht genossen werden sollten. Die Muskelproteinsynthese würde durch die blauen Pillen nur unwesentlich stärker angehoben als durch simples Protein. Die Frage dabei ist, wie lange dieser Effekt anhält. Bei der Injektion von Steroiden bleibt die Muskelproteinsynthese in der Regel für mehrere Tage erhöht, bei einer Proteinaufnahme nur für ein paar Stunden.

Skelettmuskel-Proteinsynthese nach acht Tagen mit 25 mg Sildenafil pro Tag vs. Placebo,

Sollte das Viagra also nur kurzfristig zu einer höheren Proteinsynthese führen, seien die Ergebnisse nicht wirklich beeindruckend. Die Frage ist demnach, wie lange der Effekt bestehen bleibt und ob er sich mit einer Proteinaufnahme und Training ergänzt oder nicht. Diese Fragen wurden in der Studie nicht untersucht. Dennoch beunruhigt Jorn Trommelen die geringe Teilnehmerzahl nicht. Dafür seien die Effekte im Vergleich zur Placebo-Gruppe einfach zu stark.

Um eine weitere Meinung von jemandem einzuholen, der bereits persönliche Erfahrung mit Viagra in Bezug auf das Krafttraining gemacht hat, holt Nippard den IFBB Pro John Meadows ans Telefon. Meadows habe laut eigener Aussage das Medikament bereits für das Training und auch für den Pump auf der Bühne verwendet und dadurch gute Ergebnisse erzielt. Doch laut seinen Erfahrungen kämen die langfristigen Auswirkungen auf den Muskelaufbau von 25 mg Viagra pro Tag niemals an die Verwendung von Testosteron, wenn auch in sehr geringer Dosierung, heran.

Der 212 Athlet spricht hier aber auch von Cialis, welches den Wirkstoff Tadalafil enthält. Dieser ist aufgrund des geringeren Preises im Bodybuilding eher verbreitet als Viagra und besitzt mit einer ähnlichen Struktur auch eine vergleichbare Wirkung. Genau genommen handelt es sich jedoch nicht um dieselbe Substanz, die in der Studie verwendet wurde. Auch ist nicht anzunehmen, dass John Meadows über einen längeren Zeitraum täglich zu dieser Art von Pillen gegriffen hat, dafür sind sie schlichtweg zu teuer.

Abschließend kann man sagen, dass diese kleine Studie zu recht viel Aufmerksamkeit in der Bodybuilding Szene bekommt. Zwar waren die Probanden keine regelmäßigen Studiogänger und auch die Zahl der Probanden war gering. Die Ergebnisse sind aber so beeindruckend, dass man sie nicht ignorieren sollte. Wie stark sich der tägliche Gebrauch von Viagra langfristig auf den Muskelaufbau von bereits trainierenden Athleten auswirkt, ist damit nicht geklärt. Ungeachtet dessen steht fest, dass Viagra ein verschreibungspflichtiges Medikament und der Gebrauch ohne Rezept daher strafbar ist. Außerdem sind die Pillen so teuer, dass es wahrscheinlich günstiger wäre, direkt zu Steroiden zu greifen, wenn man sich schon auf die dunkle Seite begeben will. Frei von Nebenwirkungen ist Viagra nämlich auch nicht!


Anabole Steroide, Wachstumshormone und ähnliche Stoffe sind entweder verschreibungspflichtig oder überhaupt nicht mehr aus einer Apotheke zu beziehen. Derartige Substanzen ohne Rezept zu erwerben oder zu besitzen ist strafbar. Zudem kann die Verwendung sowohl kurzfristige als auch dauerhafte körperliche Schäden mit sich bringen!


Referenzstudie:
Oddo, Salvatore, et al. „Triple-transgenic model of Alzheimer’s disease with plaques and tangles: intracellular Aβ and synaptic dysfunction.“ Neuron 39.3 (2003): 409-421.

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