Testosteron und Depressionen: Was du bisher nicht wusstest!


Allgemeinmediziner und Psychiater sind Komplizen. Der eine diagnostiziert eine psychische Erkrankung, der andere verschreibt daraufhin Medikamente. Sie versuchen, ein breites Spektrum an psychischen Erkrankungen zu behandeln, indem sie Dinge aus ihrem riesigen Waffenarsenal an magischen Wunderpillen verschreiben.

Die Patienten sind oft fehldiagnostiziert und leiden angeblich gleich unter mehreren körperlichen und geistigen Gebrechen, wie beispielsweise bipolaren Störungen, Depressionen, wiederkehrende Depressionen (sowohl mild als auch stark), Angststörungen und vielen anderen Dingen. Komischerweise findet sich unter diesen Wundermedikamenten kein Testosteron. In vielen Fällen kann es aber die wohl wirksamste Waffe von allen gegen Depressionen und damit zusammenhängenden geistigen Störungen sein.


Es sind die Hormone

Wie bei zahlreichen medizinischen/psychologischen Puzzlen befindet sich die Antwort auf viele schwierige mentale Fragen direkt vor unserer Nase. Während manche psychologische Störungen tatsächlich einen genetischen, biochemischen oder umgebungsbedingten Ursprung haben, suchen die Ärzte oftmals an den falschen Stellen.

Die Antwort auf viele Fragen findet sich im endokrinologischen System des Menschen, wo ein kompliziertes und durchdachtes Gleichgewicht an Hormonen im Zusammenspiel arbeitet, um unseren Körper in Schuss zu halten. Wenn dieses verzweigte System aus irgendeinem Grund aus dem Gleichgewicht gerät, ist auch unsere körperliche und geistige Gesundheit in Gefahr.


Das endokrine System des Menschen.


Zum Glück gibt es mittlerweile den einen oder anderen Therapeuten in unseren Therapiezentren für Männergesundheit, die besser gebildet sind und mit immer neuen Erkenntnissen über die Zusammenhänge von Hormonen, Gleichgewichten und einer Reihe von mentalen Störungen, wie Depressionen, bipolaren Störungen und Angstzuständen, aufwarten können. Langsam, aber sicher verändern diese Erkenntnisse die Art und Weise, in der Ärzte mit geistigen Herausforderungen umgehen.

Als der König unter den androgenen Hormonen hat das Testosteron einen riesigen Impact auf die Wahrnehmung und die geistige Gesundheit.


Der Zusammenhang zwischen einem geringen Testosteronspiegel und Depressionen

Eine Vielzahl von klinischen Versuchen und Studien haben bewiesen, dass Männer mit einem Testosteronspiegel unterhalb des Normalwertes anfälliger für Depressionen sind als es allgemein der Fall ist. In einer Studie an 200 Männern zeigten beispielsweise 56 Prozent der Probanden signifikante Symptome von Depressionen. Dr. Michael Irwing sagte, dass mehr als die Hälfte der Männer, die wegen grenzwertigen Testosteronspiegeln zu ihm kommen, unter Depressionen leiden. Zusätzlich leiden fast 90 Prozent der Patienten unter erektilen Dysfunktionen, mehr als 40 Prozent unter Schlafstörungen und 27 Prozent sagten aus, dass sie Schwierigkeiten mit der Konzentration hätten [1].

2014 schauten sich Forscher der Abteilung Neurologie und Psychiatrie an der St. Louis University 16 klinische Studien an, die den Zusammenhang zwischen niedrigem Testosteron und Depressionen untersuchten [2].

Hier sind die Kernaussagen aus der Zusammenfassung dieser Versuche:

  • Testosteron stellte sich als effektiv in der Behandlung von Depressionen bei Männern heraus. Die Daten zeigen, dass Testosteron einen positiven Einfluss auf die Stimmung hat.
  • Der Einfluss von Testosteron war bei Männern unter 60 Jahren am höchsten. (Die Studien beinhalteten keine sicheren Ergebnisse in Bezug auf die Fähigkeit von Testosteron, die Stimmung bei älteren Männern zu verbessern.)
  • Männer, deren Testosteronspiegel vor der Behandlung im Normalbereich lagen, zeigten seltener eine Verbesserung der Stimmung. Diejenigen, die geringe Spiegel aufwiesen, zeigten signifikante Verbesserungen.
  • Testosteron wirkt am besten bei Männern mit geringfügiger oder zyklothymatischer Depression, die durch weniger heftige Symptome gekennzeichnet ist, jedoch länger anhält als eine herkömmliche Depression.

Falsche Diagnose, schlechte medizinische Versorgung

Trotz dieser Erkenntnisse sind Psychiater leider sehr schnell mit dem Rezeptblock, wenn es um das Verschreiben von Antidepressiva geht. Sie wollen die Melancholie behandeln, statt den metabolischen Kern des Problems zu beheben. Tatsächlich verlassen sich viele Psychiater und Allgemeinmediziner ausschließlich auf die Beschreibung der Symptome durch den Patienten, nehmen aber nicht einmal ein Blutbild.

Es ist also kein Wunder, dass die Zahl der Verschreibungen von Antidepressiva Jahr für Jahr steigt. Eine 2010 durchgeführte Studie an 5630 Teilnehmern fand heraus, dass der Gebrauch von Antidepressiva in den USA in den letzten zwei Jahrzehnten um 400 Prozent stieg. Demnach nehmen zehn Prozent aller US-Amerikaner, die älter als 12 Jahre sind, diese Art von Medikamenten ein.


Der Einsatz von Antidepressiva nimmt stetig zu.


Manche Experten glauben, Ärzte würden so sehr übertreiben, dass sie Antidepressiva selbst bei normalen Stimmungsschwankungen verschrieben werden. Dieselben Experten neigen aber ebenfalls dazu, den Einfluss von hormonellen Abnormalitäten auf depressive Erkrankung zu übersehen.

Die ungezügelte Rate an Fehldiagnosen kommt, zumindest teilweise, aufgrund der Informationen zustande, auf die sich Forscher und Wissenschaftler verlassen. Sie sind fehlerhaft oder basieren auf anekdotischen Daten. Oftmals bietet ein Medikament, welches für einen bestimmten Zweck entwickelt wurde, sogar einen besseren Schutz gegen eine andere Krankheit. Klonopin beispielsweise wurde von Roche als Mittel gegen Anfälle entwickelt, wird aber oftmals gegen Angstzustände verschrieben.

Als abhängig machendes Medikament der Benzodiazepin-Klasse richtet Klonopin,  wenn es falsch verwendet wird, mehr Schaden an, als es positive Effekte hervorbringt. Wenn die zugrunde liegende Ursache des Problems hormoneller statt neurologischer Natur ist, wird diese Medikation nie vernünftig wirken können.


Hypogonadismus, Angstzustände und Depression: Die Verbindung

Hypogonadismus ist der Zustand, der wegen einer beeinträchtigten Funktion der Gonaden (Keimdrüsen im Hoden) zu einem niedrigen Testosteronspiegel führt. Forscher sind sich der Verbindung zwischen Hypogonadismus und der Entstehung von Angstzuständen und Depression nun seit über zwei Jahrzehnten bewusst. Ein ähnliches Szenario mit verstärkten Anzeichen von Angstzuständen und Depressionen besteht bei Männern, die sich im Zuge der Behandlung von Prostatakrebs einer Entziehung der Androgenproduktion unterziehen lassen müssen. Das bedeutet, dass ihre Testosteronproduktion künstlich eingestellt wird, damit der Krebs besser behandelt werden kann. Dementsprechend beobachteten Ärzte auch, dass Männer, die aufgrund von Hypogonadismus mit einer Testosteronersatztherapie behandelt wurden, starke Verbesserungen der Laune und der Depressionssymptone hatten.


Testosteronspiegel optimieren: Diese Maßnahmen helfen!


Der Zusammenhang zwischen bipolarer Störung und hormonellen Ungleichgewichten

Die Behandlung von bipolaren Störungen, auch als manische Depression bekannt (beschreibt große Schwankungen zwischen depressiver Stimmung und manischem Verhalten), wirkt für viele viele Psychiater verwirrend. Sie verschreiben normalerweise eine Reihe von stimmungsstabilisierenden Medikamenten und andere starke Medikamente, um diese hochgradig zerstörerische Krankheit zu behandeln – oftmals jedoch ohne Erfolg.

Leider rufen viele dieser Medikamente eine Vielzahl von Nebenwirkungen hervor. Lethargie, Gewichtszunahme und kognitive Dissonanz sind nur einige Beispiele. Noch einmal, Ärzte suchen oftmals an der falschen Stelle, da ein Haufen Hinweise eher in Richtung hormoneller Dysfunktion deuten, die zur Entwicklung von bipolaren Störungen beitragen.

Auch wenn Studienergebnisse nicht besagen, dass hormonelle Ungleichgewichte die Hauptursache von bipolaren Störungen sind, sollten Kliniker zur Kenntnis nehmen, dass aus dem Lot geratene Testosteron- und Östrogenspiegel den Zustand verschlimmern können [3].


Schilddrüsenunterfunktion, -überfunktion und mentale Gesundheitsprobleme

Die Schilddrüse speichert und schüttet Hormone aus, die einen Einfluss auf die Funktion von so ziemlich jedem Organ in unserem Körper haben. Triiodothyronin (T3) und Thyroxin (T4) sind die Haupthormone, die von dieser Drüse hergestellt werden. Der Hypothalamus und die Hypophyse im Gehirn wirken im Zusammenspiel, um die Spiegel dieser zwei Hormone zu regulieren. Abnormalitäten könne zu einer Reihe von kognitiven Problemen führen, die oftmals Symptome von mentalen Erkrankungen nachahmen.


Die Schilddrüse ist ein Organ mit großer Auswirkung auf den gesamten Körper.


Die zwei häufigsten Störungen der Schilddrüse sind die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreoidismus) und Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreoidismus). Die Unterfunktion ist gekennzeichnet durch eine reduzierte Produktion von Hormonen, wohingegen bei der Überfunktion mehr Hormone als normal produziert werden. Symptome der Schilddrüsenunterfunktion sind unter anderem eine depressive Erscheinung (eingesackte Schultern, gerunzelte Stirn, negative Einstellung) und Erschöpfung, zusammen mit Symptomen wie Nervosität, Hyperaktivität, Angstzuständen und Reizbarkeit. Solange ein Patient kein umfangreiches Blutbild erhält, können diese Symptome falsch gedeutet werden und als Folge einer Depression diagnostiziert werden.


Mentale Erkrankungen: Hormonelle Ursachen beseitigen

Viele Patienten, die eine Klinik für Männergesundheit aufsuchen, berichten von Symptomen wie Lethargie, Erschöpfung, Probleme mit der Konzentration und Depressionen. Viele Allgemeinmediziner würden hinter diesen Symptomen allerdings nicht sofort eine hormonelle Ursache sehen. Stattdessen sollte er zunächst eine komplette Krankengeschichte aufnehmen und dann ein umfangreiches Blutbild einschließlich Testosteron durchführen. Dies wird andere Ursachen für die körperlichen und emotionalen Symptome ausschließen. Anschließend sollte er als angemessene Behandlung entweder Medikamente zur Behandlung von Schilddrüsenstörungen oder Testosteronersatztherapie verschreiben. Beides kann dabei helfen, die depressiven Symptome zu lindern oder zu beseitigen und die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern.


Quelle: t-nation.com/pharma/testosterone-and-depression-what-you-don-t-know
Referenzstudien:

  1. Westley, Christopher J., Richard L. Amdur, and Michael S. Irwig. „High rates of depression and depressive symptoms among men referred for borderline testosterone levels.“ The journal of sexual medicine 12.8 (2015): 1753-1760.
  2. Amanatkar, Hamid R., et al. „Impact of exogenous testosterone on mood: a systematic review and meta-analysis of randomized placebo-controlled trials.“ Annals of Clinical Psychiatry 26.1 (2014): 19-32.
  3. Hormone Imbalance, Not Bipolar Disorder: Many people diagnosed BPD are NOT, but have hormonal dysregulation syndromes by Jay Goodman, M.D, Psychology Today (online), October 15, 2013.

2 comments

  1. Adam

    komplette Krankengeschichte aufnehmen und dann ein umfangreiches Blutbild einschließlich Testosteron durchführen. … ja zweiteres lediglich um physikalische Gründe auszuschließen –
    Letztlich ist es jedoch so: So bald du weißt was gespielt wird und warum du so bist wie du bist, musst du deine Gedanken verändern, schließlich hat das was du bisher gedacht hast !!! dich dahin gebracht wo du bist – Hormone hin oder her – du springst ja auch nicht sofort auf eine x beliebige Frau auf der Strasse nur weil dir deine Hormone sagen, das du sie geil findest und sie am liebsten nageln würdest … wenn das klar ist, dan soltte das folgende noch klarer werden!!
    Die meisten Menschen mit Depressionen sind physikalsich GESUND ! Was nicht klappt ist, die eigenen Gedanken zu krontrollieren – WARUM ? WEIL NIE GELERNT – WEIL NIEMAND ES DIR ZEIGT- WEIL WEDER ELTERN NOCH FREUNDE ETWAS DAVON VERSTEHEN MEISTENS !!

    Gesendet am 5. August 2018
  2. To to the bi

    Danke für den Artikel, ich leide selbst unter Depressionen, einer Angststörung sowie Schlafstörung. Bei mir würde der Testospiegel nur untersucht weil ich darauf bestanden habe. Das Problem ist dass die Krankenkasse nicht anerkennt (und dementsprechend die Kosten nicht übernimmt) dass es auch unter 40 Jährige mit einem Mangel gibt. Letzten Endes muss mir die KK jetzt die überteuerten Antidepressiva und sonste Therapien bezahlen anstatt die Testosteron Behandlung. Vielleicht darf ich ja dann in 7 Jahren gesund werden und muss der Solidargemeinschaft nicht mehr auf der Tasche liegen.

    Gesendet am 5. August 2018

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