Guanidinoessigsäure – Das effektivere Creatin?


Serbische Wissenschaftler an der University of Novi Sad machten die Entdeckung, dass eine Supplementation mit Guanidinoessigsäure die Creatinkonzentration in Zellen in größerem Ausmaß erhöhen könnte als der Konsum von Creatin selbst. Trotz der Tatsache, dass es auf dem Markt bereits einige Produkte mit der zuerst genannten Substanz zu geben scheint, sind die besagten Forscher nicht der Meinung, dass sie auch Anwendung finden sollte!

Die Serben ließen fünf Studenten über einen Zeitraum von vier Wochen täglich 3,4 Gramm Creatin einnehmen. Zu einer anderen Gelegenheit sollten die Probanden für ebenfalls vier Wochen pro Tag drei Gramm Guanidinoessigsäure konsumieren. Zwischen den beiden Einzelversuchen lag eine vierwöchige Pause, um den körperlichen “Ausgangszustand” wiederherzustellen.

Vor und nach den beiden Supplementationsphasen ermittelten die Wissenschaftler mithilfe von MRT Untersuchungen die Konzentration von Creatin in den Gehirn- und Muskelzellen der Teilnehmer.

Nach dem Konsum von Guanidinoessigsäure fanden die Forscher ungefähr drei Mal so viel Creatin in den Zellen der Probanden als nach der Supplementation mit Creatin.

Von ihrer Entdeckung waren die Wissenschaflter begeistert, denn wie sie unter anderem schrieben, konnten sie mit ihrer Studie zum ersten Mal demonstrieren, dass Creatin selbst hinsichtlich der Verbesserung der Verfügbarkeit von Creatin in menschlichen Gehirn- und Muskelzellen im direkten Vergleich mit Guanidinoessigsäure unterlegen ist.

Die serbischen Forscher vermuten, dass Guanidinoessigsäure von Zellen besser aufgenommen wird als Creatin. Das liege vor allem daran, dass Creatin hauptsächlich über den speziellen Transporter SLC6A8 befördert werde, während Guanidinoessigsäure zusätzlich dazu noch über weitere Kanäle (SLC6A6, GAT2, passive Diffusion) transportiert werden könne. Nachdem Guanidinoessigsäure von den Zellen absorbiert wurde, kann das Enzym GAMT (Guanidinoacetat-N-Methyltransferase) sie zu Creatin konvertieren.

Die Verwendung von Guanidinoessigsäure führte außerdem zu einer größeren Erhöhung der Aminosäure Homocystein im Blut der Probanden, was zu erwarten war. Für die Umwandlung von Guanidinoessigsäure zu Creatin sind Methyl-Gruppen nötig, die das GAMT Enzym von S-Adenosylmethionin abspalten, woraufhin Letzteres zu Homocystein wird.

Laut Aussage der Forscher liefere ihre Studie vorläufige Beweise dafür, dass die Supplementation mit Guanidinoessigsäure dem Konsum von Creatin in Bezug auf die Erhöhung der Creatinwerte in Muskel- und Gehirnzellen überlegen ist.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Wissenschaftler auch der Meinung wären, Athleten sollten ab sofort Guanidinoessigsäure statt Creatin supplementieren. Für eine solche Empfehlung sei der Anstieg der Homocysteinwerte, der sich in diesem Fall nahezu bis zur gerade noch akzeptablen Grenze von 15 Mikromol pro Liter erhöhte, ihrer Meinung nach zu hoch.

Ein zu großes Vorhandensein von Homocystein sei demnach ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen, Nierenfunktionsstörungen und osteoporotische Frakturen. Man müsse die Verwendung von Guanidinoessigsäure demnach noch als umstritten einstufen. Bevor man diese Substanz als neues Supplement der Wahl präsentieren könne, sollte es den Serben zufolge längerfristige Gefahrenuntersuchungen geben, bei denen diverse Biomarker der kardiometabolischen Gesundheit beobachtet werden!


Quelle: ergo-log.com/guanidinoacetic-acid-more-effective-than-creatine.html
Referenzstudie: http://dx.doi.org/10.1139/apnm-2016-0178




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