Aktuelle Studie

Whey Shake bei ausreichender Proteinzufuhr unnötig?


Nimmt man generell wenig Eiweiß zu sich, wendet der menschliche Körper Mechanismen an, mithilfe derer er mehr aus den wenigen Aminosäuren herausholen kann. Wenn sich dagegen eiweißreich ernährt wird, gewöhnt sich der Körper an das Überangebot und geht weniger effizient mit den Aminosäuren aus dem Protein um. Doch glaubt man einer Gruppe holländischer Forscher, bedeutet das nicht, dass der Whey Shake nach dem Training weniger anabol wirkt.

Die Studie

Ernährungswissenschaftler aus Maastricht in den Niederlanden nahmen 24 Männer im Alter von 55 bis 75 Jahren und teilten sie in zwei Gruppen ein. Die eine bekam 14 Tage lang eine proteinarme Kost, die ihnen 0,7 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht lieferte. Die zweite Gruppe dagegen durfte in diesen zwei Wochen 1,5 Gramm Protein je Kilogramm Körpermasse zuführen.

Am Ende dieser Phase bekamen die Männer einen Shake aus 25 Gramm Whey zum Trinken vorgesetzt. Einige der Aminosäuren in diesem Shake waren radioaktiv markiert. Dies machte es den Forschern möglich nachzuvollziehen, was mit den Aminosäuren im Körper passiert.

Die Ergebnisse

Nachdem die Männer den Shake getrunken hatten, konnten die Forscher beobachten, dass bei der Gruppe mit der proteinreichen Ernährung (HIGH PRO) etwas weniger Aminosäuren im Blut landeten als in der Gruppe mit der geringen Proteinzufuhr (LOW PRO).

Dieser Unterschied war gering aber statistisch signifikant.


Die prozentuale Verfügbarkeit von Aminosäuren war in der Gruppe mit geringer Proteinzufuhr etwas niedriger als in der Gruppe mit hoher Proteinzufuhr.


Zwar sank die Effizienz, mit welcher der Körper mit den Aminosäuren umgeht, wenn die Proteinaufnahme steigt, allerdings hat dieser Effekt scheinbar keine Konsequenzen für die Muskelproteinsynthese nach der Einnahme des Whey Shakes. Die fraktionale Syntheserate (FSR) fiel etwas geringer aus, doch dieser Unterschied erreichte, im Gegensatz zu den Aminosäuren im Blut, keine statistische Signifikanz bei den Probanden.


Die fraktionale Syntheserate (FSR) unterschied sich nicht signifikant zwischen den beiden Gruppen. Das bedeutet, dass in der Gruppe mit hoher Proteinzufuhr prozentual gesehen genauso viele Aminosäuren in Muskeln eingebaut werden wie in der Gruppe mit geringerer Proteinaufnahme.


Schlussfolgerung der Forscher

Am Schluss der Studie schrieben die dänischen Forscher Folgendes:

„Zusammenfassend steigerte die Gewöhnung an eine geringe Proteinzufuhr (0,7 g/kg/d) – im Vergleich zu einer hohen Proteinaufnahme (1,5 g/kg/d) – die postprandiale Freisetzung von Aminosäuren aus Nahrungsprotein in das Blut, ohne darauffolgende Veränderungen in der postabsorptiven Muskelproteinsyntheserate oder der postprandialen Muskelproteinsyntheserate nach der Aufnahme von 25 g Protein.“

Betrachten wir diese Ergebnisse, so deuten alles darauf hin, dass der Körper generell etwas weniger effizient mit Aminosäuren aus der Nahrung umgeht, wenn die allgemeine Proteinaufnahme steigt. Gemessen wurde diese Effizienz aber in Prozent, was bedeutet, dass immer noch weit mehr Aminosäuren in das Blut aufgenommen werden, wenn man mehr Eiweiß isst. Des Weiteren deuten die Forschungsergebnisse darauf hin, dass die leicht geringere Effizienz nicht mit einer Reduktion der Muskelproteinsynthese einhergeht.

Die Probanden in dieser Studie waren mit 55 bis 75 Jahren jedoch schon etwas älter als der durchschnittliche Kraftsportler und wir wissen, dass der Körper im Alter generell etwas anders, sprich weniger effizient, mit Nahrungsprotein umgeht und auch die Muskelproteinsynthese sinkt. Die Studie liefert demnach ein interessantes Puzzleteil, um den menschlichen Proteinstoffwechsel besser zu verstehen, dennoch sollte man die Ergebnisse wie immer im Kontext betrachten.


Studienquelle:
Gorissen, Stefan HM, et al. „Habituation to low or high protein intake does not modulate basal or postprandial muscle protein synthesis rates: a randomized trial, 2.“ The American journal of clinical nutrition 105.2 (2016): 332-342.

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