3 Gründe, warum du natural nicht wie ein Steroidkonsument trainieren kannst


Wenn du ohne die Hilfe von Steroiden trainierst, ist es sehr wahrscheinlich, dass du von unterstützten Athleten desinformiert wurdest. Dahinter steckt womöglich in den meisten Fällen keine Absicht, aber das Problem liegt dennoch bei dir, entstanden dadurch, dass dir als naturaler Sportler die Annahme suggeriert wurde, dass leistungssteigernden Substanzen lediglich die körperliche Reaktion auf den Trainingsreiz verstärken sollen. Du dachtest dir dementsprechend, dass es eigentlich keinen Grund gibt, weshalb du nicht wie ein Stoffer trainieren können solltest, denn der einzige Unterschied würde ja darin bestehen, dass die Resultate nicht ganz so deutlich ausfallen würden.

Diese Vorstellung ist aber nicht nur falsch. Vielmehr hat dich der Denkweg, den du damit beschritten hast, sogar zu weiteren Fehlschlüssen verführt, die du aus dieser falschen Grundhypothese abgeleitet hast.

Du solltest dir bei diesem Thema nichts vormachen, denn naturale Athleten sollten auf keinen Fall genauso trainieren wie Steroidkonsumenten. Im Folgenden wollen wir dir drei Gründe dafür näherbringen.

#1 – Du wurdest davon überzeugt, immer ein noch höheres Volumen zu fahren

Wie wir wissen, ist die Proteinsynthese der Prozess, der beim Muskelaufbau entscheidend ist. Je höher die Proteinsyntheserate und je länger der Prozess dauert, desto mehr Muskelgewebe wird aufgebaut.

Die Nutzer leistungsfördernder Medikamente verfügen über eine permanent erhöhte Proteinsyntheserate, weil das der wesentliche Effekt von Steroiden ist (die diesbezügliche Wirkung von Wachstumshormnen wird hingegen kontrovers diskutiert).

Selbst wenn Steroidkonsumenten kein höheres Syntheseniveau durch Training erreichen würden, wären Fortschritte unumgänglich. Der normale Zustand eines naturalen Athleten hingegen ist die Homöostase, das Gleichgewicht von Proteinaufbau und Proteinabbau. Der Naturale muss demnach die Proteinsynthese durch das Training selbst stimulieren, in erster Linie durch mTor-Aktivierung.

Mit anderen Worten: der naturale Athlet ist von der Trainingseinheit abhängig, um die Proteinsynthese in Gang zu bringen. Das gilt aber nicht für den stoffenden Athleten, der selbst ohne Training Muskeln aufbauen kann. Selbstverständlich heißt das nicht, dass er aufs Training verzichten kann, wenn er zu seinem Ziel einer muskulösen Ästhetik im bodybuldingtypischen Stil gelangen will. Es bedeutet aber, dass er bei der Trainingsgestaltung fast nichts falsch machen kann.

Selbst wenn der unterstützte Athlet zu viele Muskeltraumata durch ein zu hohes Volumen verursacht oder auch dann, wenn er nicht genug macht, um die Proteinsyntheserate zu maximieren, ist er trotzdem auf der sicheren Seite und wird seinen Erfolg haben. Proteinsynthese und Muskelwachstum werden nichtsdestotrotz zu seinen Gunsten arbeiten. Das gilt aber nicht für den naturalen Athleten, der ein optimal ausbalanciertes Training braucht. Er darf nicht zu viel und nicht zu wenig Volumen fahren. Andernfalls wird er keine Muskeln aufbauen oder sogar Masse verlieren.


Als Natural Athlet sollte man darauf achten, das Volumen im Zaum zu halten.


#2 – Aus dir wurde ein Cortisol-Monster gemacht

Cortisol hat verheerende Wirkungen auf den naturalen Athleten. Erstens wirkt es der Proteinsynthese entgegen, indem es den Proteinabbau intensiviert und beschleunigt, zweitens hat es aber auch einen Effekt auf die Expressionsrate von Myostatin, dem Gen, das den Muskelaufbau beschränkt.

Außerdem kann Cortisol die mTor-Aktivierung durch einen Anstieg von AMPK hemmen. mTor ist im Grunde so etwas wie ein Schalter, den man umlegen muss, um Muskeln aufzubauen. Wenn mTor inhibiert wird, dann stoppt man also auch das Muskelwachstum. Das heißt, dass Cortisol nicht nur den Proteinabbau erhöht und beschleunigt, sondern auch die Proteinsynthese verlangsamt oder gar stoppt.

Die Funktion von Cortisol während des Trainings ist die Mobilisierung von gespeicherten Energieressourcen zur Bereitstellung von Brennstoff für das Training. Je mehr trainiert wird, desto mehr Cortisol wird daher produziert.

Es ist klar, dass ein höheres Volumen dementsprechend auch mehr Energie bedarf und somit eine erhöhte Cortisol-Ausschüttung zur Folge hat. Für einen natural trainierenden Athleten sind lange Einheiten also Gift, sofern nicht während des Trainings ständig externe Energie zugeführt wird (zum Beispiel in Form von mittelkettigen Sacchariden wie Maltodextrin). Sie können sogar zum Muskelabbau und damit zum Gegenteil dessen führen, was eigentlich beabsichtigt wird.

Ein unterstützter Athlet wiederum ist gewissermaßen immunisiert gegen die nachteiligen Effekte des Cortisols, denn da seine Proteinsyntheserate 24/7 auf Hochtouren läuft, wird der katabolen Wirkung des Cortisols entgegengewirkt – innerhalb eines bestimmten Rahmens natürlich. Dieser ist aber weitaus großzügiger abgesteckt als bei einem Naturalen.

Steroide und Cortisol nutzen auch denselben intrazellulären Botenstoff. Das bedeutet, dass die negative Wirkung des Cortisols auf den Muskelaufbau umso geringer ausfällt, je mehr anabole Hormone zugeführt werden, weil die Steroide quasi als Substitut des Cortisols auftreten und dessen Funktion übernehmen können, ohne aber dessen katabole Wirkung zu haben.

Wie schon im vorigen Punkt genannt, kommt es auch hier für einen Naturalen ganz darauf an, das richtige Maß, sprich das optimal austarierte Volumen zu finden.

#3 – Du wurdest überzeugt, von hohen Wiederholungszahlen zu profitieren

Athleten auf Steroiden können eine Menge mehr Muskeln mit leichtem Arbeitsgewicht aufbauen – Sätze im hohen Wiederholungsbereich von 15 bis 20, Dropsätze, Abwärtspyramiden und so weiter. Das liegt daran, dass sie die Proteinsynthese nicht durch das Training selbst auslösen müssen.

Mit sehr hohen Wiederholungszahlen zu arbeiten, befördert mehr Blut in die Muskulatur. Wenn dieses Blut reich an Aminosäuren ist, dann versorgen Steroidkonsumenten ihre Muskeln (die ohnehin schon von einem erhöhten Proteinsyntheseniveau profitieren) mit Nährstoffen, die für die optimale Ausnutzung der erhöhten Proteinsynthese gebraucht werden.

Somit brauchen medikamentös unterstützte Athleten – anders als Naturale – keine schwere Arbeit zu verrichten, um zu wachsen. Tatsächlich sorgt das rapide Wachstum auf Steroiden dafür, dass die Kraftleistungen in stärker disproportionalem Verhältnis zum Sehnenwachstum ansteigen und ein schweres Trainingsgewicht also sogar eher kontraproduktiv, weil verletzungsriskant sein kann, wenn man unterstützt trainiert.

Das heißt nun nicht, dass leichteres Training bei Naturalen gar nicht funktionieren kann. Ein Hypertrophiereiz kann auch durch leichte Gewichte induziert werden, wenn man bis zum Versagen geht. Das Problem liegt eher darin, dass ein leichtes Gewicht hohe Wiederholungszahlen notwendig macht. Wenn die maximale Muskelfaserrekrutierung erst bei 15 oder 20 Reps einsetzt, statt bei sechs bis acht Wiederholungen, dann hat man doppelt soviel Glykogen verbraucht, um zum Ziel zu gelangen.

Wie wir oben besprochen haben, schüttet man umso mehr Cortisol aus, je mehr Energie benötigt wird. So wird demzufolge insgesamt eine für einen naturalen Athleten ungünstige Energiebilanz erzielt und ein Hormonmilieu geschaffen, das den Muskelabbau befördert.


Höhere Wiederholungszahlen sind zwar für Natural Athleten nicht definitiv nutzlos, sollten aber nicht ausschließlich eingesetzt werden.


Wie man als Natural Athlet wirklich trainieren sollte

  • Das Volumen pro Workout sollte beschränkt werden. Eine exzessive Übungsvariation ist der Gegner des Muskelwachstums. Schau dir einfach die naturalen Spitzenathleten an: Sie alle beschränken sich auf eine überschaubare Zahl an Übungen, die manchmal mit anderen Übungen variieren. Die meiste Zeit aber halten sie sich an einen kompakten Kanon an Grundübungen.
  • Push/Pull-Pläne sind sehr gut geeignet für naturale Athleten, wenn sie für eine maximale Regenerationsphase zwischen den Einheiten sorgen.
  • Im Allgemeinen kann man sagen, dass die meisten Sätze im Wiederholungsspektrum von acht bis zehn angesiedelt sein sollten. Höhere Wiederholungszahlen sollten Aufwärmsätzen vorbehalten sein. Wenn allerdings ein naturaler Athlet leichteres Pumptraining oder auch schweres Training mit höherem Volumen macht, sollte er sicherstellen, vor und während des Trainings einen Mix aus Carbs und Proteinen in Form eines Shakes zu sich zu nehmen. Das sorgt für volle Glykogenpeicher und beugt so der erhöhten Cortisolausschüttung vor, die andernfalls bei der Mobilisierung gespeicherter Energie benötigt würde.
  • Weil ein naturaler Athlet nur durch Training selbst die Proteinsynthese in Gang bringen kann und diese nur für circa 24 bis 36 Stunden erhöht bleibt, muss ein Naturaler jeden Muskel häufiger trainieren. Sonst ist die Proteinsynthese im Muskel nicht lange genug erhöht, um den Muskelaufbau effektiv zu maximieren. Einmalige Stimulation des Muskels pro Woche ist nicht genug. Schlussfolgernd kann man sagen, dass eine zweimalige Reizung alle acht Tage optimal ist.

Quelle: t-nation.com/training/3-reasons-you-cant-train-like-a-juicer

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