Mehr gleich besser?

Warum ein hartes Training nicht immer ein gutes Training ist!


Wir leben in einer Gesellschaft, in der „mehr“ oftmals mit „besser“ in Verbindung gebracht wird. Es zu übertreiben ist Teil unserer Kultur und das überträgt sich natürlich auch auf den Bereich des Krafttrainings. Viele Athleten denken, dass sie umso bessere Ergebnisse erhalten werden, je härter ihr Training ist. Wenn sie am Ende der Einheit nicht völlig erschöpft sind, denken sie, ihr Workout sei verschwendete Zeit gewesen. Doch eine Trainingseinheit muss nicht unbedingt besonders herausfordernd sein, damit dein Körper die nötigen Anpassungen vornimmt. Doch viele Athleten treten in die Falle und trainieren zu oft zu hart. Sie können dieses Problem nur lösen, indem sie sich selbst vor jeder Einheit fragen, was sie in dieser Einheit erreichen wollen.

In der Realität ist es einfach, ein hartes Training aufzustellen. Ein wirklich effektives Training zu designen ist jedoch sehr viel schwieriger. Viele Athleten machen beispielsweise ihre Schnelligkeits- und Wendigkeits-Trainings zu Ausdauereinheiten, indem sie ihre Pausenzeiten zu kurz halten. Sagen wir das Training erfordert Sprints von zehn bis 40 Meter. Führt man diese Sprints mit einer Pause von 20 Sekunden statt zwei Minuten aus, wird das Training ohne jeden Zweifel sehr viel ermüdender. Aber es führt auch dazu, dass der Athlet das falsche Energiesystem trainiert. Das Training wird sie dann nicht schneller machen. Der einzige Sprint, der für diesen Zweck effektiv gewesen wäre, ist der allererste, wenn die Erschöpfung noch gering ist.

Oder sagen wir es so: Das Ziel ist es, explosiver zu werden. Du fängst an, Clean & Jerks zu machen. Du hast auf YouTube einen Typen gesehen, der 30 Clean & Jerks mit 60 Kilo so schnell wie möglich gemacht hat (was eigentlich ein CrossFit Workout namens „Grace“ ist). Also entscheidest du dich es auszuprobieren. Zwar hältst du dieses Training für extrem herausfordernd, doch wird es dir nicht dabei helfen, dein Ziel zu erreichen und explosiver zu werden. Es trainiert dich vielmehr, wiederholt submaximale Kraft aufzubringen, was eher von der muskulären Ausdauer anstatt von deiner Power abhängt.

Vor einem Training fragen sich Athleten immer: Was will ich heute erreichen? – Die Antwort darauf sollte für die gesamte Dauer der Trainingseinheit im Fokus bleiben und dabei helfen, Parameter wie Gewicht und Pausenzeiten festzulegen. Jedes Mal bis zur absoluten Erschöpfung zu trainieren, wenn du den Kraftraum betrittst oder auf die Laufbahn gehst, klingt vielleicht in der Theorie gut, aber in Wirklichkeit limitiert es die Bandbreite an möglichen Nutzen, die du aus diesem Training ziehen kannst.

Erschöpfung hat einen bleibenden Effekt. Wenn ein Athlet seinem Körper nicht die Möglichkeit gibt, sich zu erholen, wird die Erschöpfung nie verschwinden. Sie wird sich immer weiter aufbauen, bis der Körper des Sportlers anfängt Rückschritte zu machen.

Bevor der Athlet ein Monster-Training ableistet, muss er sich darauf besinnen, was seine Workouts an ihm hinterlassen haben. Oft wird das während der Saison getan, denn dann müssen die Einheiten an den restlichen Zeitplan, voll mit Übungseinheiten und Spielen, angepasst werden. Aber eigentlich sollten sie dies das ganze Jahr über berücksichtigen. Daher kommt auch das Konzept der Periodisierung.


Hart zu trainieren bedeutet nicht immer auch optimal zu trainieren.


Der menschliche Körper braucht Zeiten mit reduziertem Volumen und verringerter Intensität, um ihm zu erlauben, sich an das Training anzupassen. Über die vergangenen Trainingseinheiten und der daraus resultierenden Erschöpfung hinaus sollten Athleten alles in ihrer Trainingsgestaltung berücksichtigen, was sie in ihrem Leben machen. Wie gut hast du letzte Nacht geschlafen? Wie gut ist die Ernährung? Wie gestresst bist du mit Dingen außerhalb des Sports? All dies trägt zur gesamten Ermüdung eines Athleten bei.

Sagen wir zum Beispiel, ein Athlet kommt gerade von einer Reise durch das ganze Land zurück. Er saß im Prinzip für zwei Wochen nur im Auto, hat Fastfood gegessen und in einem Campingwagen geschlafen. Er freut sich nun richtig darauf, endlich wieder richtig trainieren zu können. Du könntest ihn mit einem Workout foltern, um die kompletten zwei Wochen wieder aufzuholen. Oder du berücksichtigst, was sein Körper in der Zeit durchmachen musste, auch wenn er genau genommen nicht trainiert hat. Die Ernährung war nur mittelmäßig, er hat lange Zeit nur gesessen und auch der Schlaf war wahrscheinlich nicht der beste. Es wäre demnach sehr viel weiser, diesen Sportler langsam wieder ins Training einzuführen, anstatt ihn mit einem brutalen Workout zu zerstören.

Athleten müssen ihren Körper einem gewissen Maß an Stress aussetzen, wenn sie wollen, dass er sich anpasst. Aber nur, weil eine Trainingseinheit hart ist, macht es sie noch lange nicht gut.

Um zu entscheiden, ob das Workout angemessen ist, sollte der Athlet folgenden Dinge berücksichtigen:

  • Wird dieses Training mir dabei helfen, mein Ziel zu erreichen?
  • Ist es die richtige Zeit, um diese Art von Training durchzuführen?
  • Ergibt diese Trainingseinheit für meinen Trainingsstatus Sinn?
  • Ist dieses Training sinnvoll vor dem Hintergrund, wie ich derzeit lebe und trainiere?

Sportler brauchen Trainingseinheiten, die sowohl herausfordernd als auch intelligent aufgebaut sind, um ihrem Ziel näher zu kommen. Wenn deine Workouts nur hart sind, damit du sagen kannst, dass du hart trainiert hast, verbesserst du vielleicht deine Ausdauer und mentale Stärke, aber nicht viel mehr als das. Je früher du die Tatsache akzeptierst, dass ein gutes Training nicht erfordert, sich selbst bis an die Grenzen der Erschöpfung zu pushen, desto schneller erreichst du die Resultate, nach denen du strebst.


Quelle: stack.com/a/why-a-hard-workout-isnt-always-a-good-workout?

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