Was man bei Schmerzen im Training machen kann


Jeder kennt es: Ein stechender Schmerz in der Schulter, ein Ziehen im Ellenbogen oder ein Drücken im Knie. Das Ende vom Lied ist jedenfalls, dass man nicht ohne Probleme trainieren kann. Da die wenigsten von uns Arzt sind, stellt sich natürlich die Frage, was man im Fall von Beschwerden machen sollte, denn guter Rat kann unter Umständen auf sich warten lassen. Auch wenn man nicht vom Fach ist, gibt es dennoch einen cleveren Ansatz, den man verfolgen kann!

Es gibt einen alten Witz über Schulterverletzungen bei Kraftsportlern: Der Trainer fragt vor dem Workout, wer seiner Schützlinge an Problemen mit der Schulter leidet. Daraufhin hebt die eine Hälfte der Gruppe die Hand, die andere Hälfte ist nicht mehr in der Lage dazu.

Viele Eisensportler verfahren nach der Methode “No Pain, No Gain” und sind der festen Überzeugung, dass man Schmerzen aushalten und immer mit dem Training fortfahren müsse. Dieser Ansatz ist jedoch schlichtweg falsch. In der Realität wirkt sich eine solche Vorgehensweise sogar schädlich auf die eigenen Ziele aus.

Schmerz ist ein komplexes Thema. Im Wesentlichen ist er ein Zeichen für Veränderungen, aber definitiv kein Rezept für harte physische Betätigung. Wenn wir ein Schmerzsignal erhalten und nichts dafür machen, es in irgendeiner Form zu beruhigen, wird der Körper das Zeichen verstärken, bis man dann letztlich doch darauf hört. Je länger wir dieses Signal zur Intensivierung zwingen, desto mehr wird der spezielle neuronale Pfadweg für die Schmerzsignalisierung optimiert.

Wer über längere Zeit mit Schmerzen trainiert, leidet unter Umständen auch danach weiter.

Wer über längere Zeit mit Schmerzen trainiert, leidet unter Umständen auch danach weiter.

Die Stärkung jenes neuronalen Pfadwegs bringt nachhaltige Negativeffekte mit sich. Selbst wenn eine Entzündung vorüber und die Verletzung geheilt ist, bleibt der Pfadweg nämlich überaus empfindlich in der Reaktion auf Signale im Gehirn. Ein stressiger Tag in der Arbeit reicht teilweise aus und plötzlich spürt man die alte, längst vergessene Schulterverletzung wieder.

Einige Konsequenzen dieser optimierten Schmerzbahnen können dazu führen, dass bestimmte Bereiche im Training unterbewusst “geschont” werden, was negative Auswirkungen auf den eigenen Fortschritt hat. Schmerz aktiviert gewisse Muster, die anfällige Körperpartien zur Zurückhaltung animieren.

Auch nachdem die Verletzung geheilt scheint, kann man noch immer im schmerzinduzierten Muster gefangen sein. Das bedeutet eventuell, dass ein Muskel vergleichsweise nie mehr so stark wird wie auf der anderen Seite. Es gibt sehr oft Wege, einen Missstand dieser Art zu beheben, doch dafür muss man erst einmal das Problem finden und im Anschluss daran noch mehr Arbeit hineinstecken, um das fehlerhaft angelernte Muster wieder “zu löschen”.

5 Schritte zur Selbstdiagnostik

Wenn du also im Gym bist, Schmerz während einer Bewegung verspürst und dir nicht sicher bist, ob du weitermachen oder besser aufhören solltest, kannst du diese simple Selbstdiagnostik ausführen. Inspiriert wurde sie von Dr. Eric Cobb, einem Experten auf dem Gebiet der Neurologie von Bewegungen im menschlichen Körper. Dieser Ansatz erlaubt es dir, deutlich schneller mobil zu werden, ohne dabei dein Nervensystem negativ zu beeinflussen.

Sobald der Schmerz beginnt:

  1. Sofort mit der Übung aufhören, egal ob es sich beispielsweise nur um einen Krampf oder ein plötzliches Stechen handelt.
  2. Versuche dann die Bewegung erneut mit verringerter Geschwindigkeit auszuführen und kontrolliere, ob es noch immer schmerzt. Wenn ja, fahre mit dem nächsten Schritt fort.
  3. Reduzierte das Gewicht und kontrolliere erneut. Ist der Schmerz noch immer da, fahre mit dem vierten Punkt fort.
  4. Beschränke den Bewegungsablauf. Sind die Schmerzen weiterhin präsent, gehe zum nächsten Schritt.
  5. Absolviere eine andere Übung, bei der keine Probleme auftreten.

Wenn absolut keine Übung ohne Schmerzen möglich ist, besteht zunächst kein Grund zur Sorge, denn höchstwahrscheinlich ist die Problematik temporär. Nimm dir jedoch die Zeit, um die Verletzung komplett auszukurieren und verwende den obigen Test, um dich zu vergewissern, wann du wieder bereit fürs Training bist.

Du solltest dir immer vor Augen führen, dass ein Workout unter Schmerzen definitiv keine gute Idee ist. Im Fall anhaltender Symptome ist es selbstverständlich empfehlenswert, einen geeigneten Arzt zurate zu ziehen und mit ihm weitere Schritte zu besprechen, doch in einer akuten Situation sind die obigen fünf Schritte eine gute Vorgehensweise, um sich selbst einen ersten Eindruck darüber zu verschaffen, ob ein weiteres Training sinnvoll ist!


Quelle: t-nation.com/training/tip-do-this-when-training-hurts

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