Weniger Postings, mehr Erfolge – Hantel statt Smartphone!


Hat man in früheren Zeiten ein Studio betreten, war die optische Wahrnehmung höchstwahrscheinlich nicht mit der eines heutigen Fitnesstempels zu vergleichen. Kahle Wände, angekratzter Stahl, muskelbepackte Männer und schwere Gewichte: so stellt man sich auch heute noch ein Hardcorestudio vor. Vereinzelt gibt es noch Räumlichkeiten, in denen man auf diese Gegebenheiten trifft. Der Großteil aller Studios im heutigen Zeitalter ist aber von anderen Details geprägt. Spa-Atmosphäre, Getränkebars und Jungs, die weniger wiegen als ihre Partnerin. Man sollte meinen, dass zumindest die gute, alte Hantel weiterhin das Objekt der Begierde ist, aber auch das ist ein Trugschluss. Viel häufiger als zur Hantel, greifen die Athleten der Neuzeit zu einer ganz anderen Sache – ihrem Smartphone.

Wenn der motivierte Hobbysportler im Jahr 2018 am Abend ins Studio geht, weiß jeder schon vor einer Unterhaltung, was er zum Mittag gegessen hat. Auch das Frühstück, die Snacks und die Cheats – die in seine Makros passen – sind bekannt. Warum jeder das weiß?

Weil jeder, der sich heute Athlet nennen möchte, den ganzen Tag damit beschäftigt ist, sämtliche Social Media Kanäle mit Updates über sein Essen und seinen Lifestyle zu befeuern.

Damit aber nicht genug. Auch jede Trainingseinheit wird akribisch auf Facebook, Instagram und Co. dokumentiert, damit auch jeder Interessierte sieht, dass man den Lifestyle lebt. Nach den Posts zu jeder einzelnen Übung wird die Einheit mit einer Selfie-Session vor dem Spiegel in der Umkleide abgeschlossen.

Ohne das Smartphone als treuen Begleiter ist man heute nicht mehr in der Lage, sich als Bodybuilder oder Fitnessathlet zu bezeichnen.

Das Smartphone als treuer Begleiter im Fitnessstudio.

Der Top Fitness Trend

Waren in vergangenen Zeiten noch außergewöhnliche Diäten oder ausgefallene Workouts Trends, die immer wieder in der Szene herumgeisterten, wird heute auf einer neuen Trendwelle geschwommen.

Social Media hat den Sport übernommen. Unabdingbar für das eigene Training ist es, der Welt zu zeigen, wie gesund man sich ernährt und wie hart man trainiert. Bilder von Mahlzeiten, Bilder von der körperlichen Entwicklung, Bilder vom Sixpack und Bilder vom Squatbooty.

Unter Verwendung von möglichst motiviert klingenden Hashtags – #fitfam, #killingit, #BeastMode beispielsweise – wird jedes auch noch so kleine Detail kommuniziert. Grundsätzlich ist das erst einmal nichts Schlechtes. Fitnessbezogene Posts, Artikel und auch Selfies können dabei helfen, den einen oder anderen Trainierenden zu motivieren. Trotzdem hat der Social Media Trend auch seine negativen Seiten.

Das Problem

Schwierig wird es dann, wenn man sich von der Anerkennung der Follower abhängig macht.

Wenn der Grundgedanke von Fitness nicht mehr darin besteht, ein gesundes Leben zu führen, einen starken Körper zu entwickeln und optische Fortschritte zu machen, sondern vielmehr versucht wird, Menschen zu beeindrucken und durch seine Postings Anerkennung zu erhalten, läuft etwas falsch.

Likes und Follower werden niemals dazu führen, dass man die Disziplin zu lieben beginnt, die hinter einer gesunden Ernährung und einem harten Workout steckt. Stattdessen machen sie süchtig nach weiterer Bestätigung durch Menschen, die man noch nie zuvor in seinem Leben getroffen hat.

Es ist schwierig genug, die Motivation dauerhaft aufrecht zu erhalten. Wenn man diese Motivation zusätzlich noch abhängig von der Bewunderung durch andere Menschen macht, wird sie sehr schnell angreifbar.

Auf Anerkennung angewiesen zu sein ist schlecht. Natürlich strebt jeder naturbedingt nach Anerkennung durch das soziale Umfeld. Problematisch wird es aber, wenn der Gemütszustand und die Fähigkeit glücklich zu sein von dieser Anerkennung abhängen.

Der Marathonläufer, der niemals lief

Wahrscheinlich hat jeder in seinem Umfeld bereits eine Person kennengelernt, die irgendwann für sich entschieden hat, einen Marathon zu laufen. Nach Bekanntgabe des Plans wurde die Person nur so überschüttet von motivierenden Glückwünschen und Zusprüchen. Selbstverständlich war das ein herausragendes Gefühl und man konnte sehen, wie der zukünftige Marathonstar in der Anerkennung aufzugehen schien.

Wenige Wochen später hatte die gleiche Person dann wieder ganz andere Pläne. Sie hat ihre kreative Ader entdeckt, wollte sich nun künstlerisch ausleben und ihre Kunst in die Welt tragen. Wieder wurde sie von zahlreichen Befürwortern gelobt.

Letztendlich hat die Person aber weder einen Marathon bezwungen noch ein Bild aus ihrer künstlerischen Tätigkeit verkauft. Immer wieder wurden neue Ziele kommuniziert, die aber nie lange verfolgt und realisiert wurden. Aber warum?

Die Anstrengungen dieser Person konzentrierten sich weniger auf das persönliche Erreichen der Ziele und eher auf das, was das Umfeld über diese Pläne dachte, selbst wenn sie nie Realität werden würden.

So gibt es viele Menschen, die nur durch die Augen anderer Personen leben, aber nie ihre Bestimmung in einer Sache finden, die für sie selbst erfüllend ist. Die Bewunderung ist alles, was diese Menschen benötigen.

Niemand wird sich von dieser Denkweise freisprechen können und jeder hat schon einmal die Situation erlebt, in der man bewundert werden wollte und auf positive Reaktionen von Außenstehenden hoffte.

In Verbindung mit der Ernährung und dem Training ist diese Einstellung jedoch riskant. Wenn das Ziel vorrangig in der Anerkennung und weniger im körperlichen Fortschritt besteht, wird man ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr bereit sein, die nötige Arbeit zu erledigen. Schwere Gewichte und saubere Ernährung werden nicht mehr konsequent verfolgt.

Die Motivation für das Training muss von innen kommen, nicht von der Anerkennung Außenstehender.

Das Gegenteil führt zum Erfolg

Viele Motivationstrainer predigen, dass man seine Ziele in die Welt schreien soll, um sich zu verpflichten und beständig zu bleiben. Vielen bringt diese Vorgehensweise aber kaum etwas, außer einem kurzen Klopfen auf die Schulter.

Der beste Weg, um langfristige Erfolge zu realisieren, ist es, sich selbst zu hinterfragen und auszuloten, welche Person man gerne sein möchte und warum man dort noch nicht angekommen ist.

Genau zu wissen, wie viel Arbeit nötig ist, welche Gewohnheiten man entwickeln muss und welche Leidenschaft nötig ist, ebnet den Weg zum Ziel. Ganz ohne die Notwendigkeit, von anderen Menschen dafür gelobt zu werden.

Der Fokus liegt auf der Leistung, die erbracht wird. Man muss es lieben, über seine Grenzen zu gehen, noch lange nicht am Ziel zu sein und ständig nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Immer in der festen Überzeugung, dass man das Potenzial zu etwas Großem hat. Dafür muss man nicht in der Öffentlichkeit prahlen.

Wenn man sich selbst beweist, dass die eigenen Ziele nichts mit der Meinung von Außenstehenden zu tun haben, befindet man sich auf dem richtigen Weg und wird sich selbst finden.

Einmal erfolgreich, werden die Menschen von alleine auf die Erfolge aufmerksam werden, ohne dass man sie lauthals in die Welt getragen hat. Sie werden fragen, wie man so erfolgreich sein konnte und wie sie sich genau so entwickeln können. Diese Anerkennung ist aber nur ein Nebeneffekt, der aus harter Arbeit und Disziplin erwächst.

Gesunde Ernährung und hartes Training existieren, selbst wenn sie nicht in einem Post festgehalten wurden. Genau so werden auch Ziele erreicht, die nicht im Vorfeld öffentlich kommuniziert werden. Beastmode geht auch ohne Social Media.

Man sollte das Training und die Ernährung leben und lieben lernen. Nur, wenn man für sich schwitzt und arbeitet, wird man auch dauerhaft Fortschritte erzielen können, weil man bereit ist, die erforderlichen Anstrengungen zu bewältigen. Geht man hingegen nur ins Studio, um seine Fans und Follower zu beeindrucken, wird es nicht lange dauern, bis der innere Schweinehund sich meldet und die körperliche Entwicklung zum Erliegen bringt. Weniger Smartphone, mehr Hanteln ist deshalb oberstes Gesetz.


Quelle: t-nation.com/blogs/less-posting-more-progress




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