Zughilfen im Kraftsport – Fluch oder Segen?


Zughilfen sind innerhalb der letzten Jahre definitiv ein wenig aus der Mode gekommen. Warum das so ist, liegt unter anderem daran, dass ein Großteil der Ratschläge in Bezug auf das Training von Personen stammt, die sich eher der Leistungssteigerung als dem Bodybuilding verschrieben haben. Mit ihrem Ansatz wollen sie verhindern, dass man als Athlet zu viel Griffkraft einbüßt. Für diejenigen von uns, die primär aufgrund der optischen Erfolge das örtliche Gym besuchen und nicht explizit auf Verbesserungen in einer anderen Sportart hintrainieren, sind derartige Empfehlungen aber nicht unbedingt passend!

Zunächst einmal ist es nämlich so, dass eben nicht jeder das Ziel hat, einen Football möglichst gut halten zu können oder im Powerlifting ohne zusätzliches Equipment zu starten. Nebenbei erwähnt verwenden auch Kraftdreikämpfer hin und wieder Zughilfen, um sich progressiv zu überlasten. Darüber hinaus ist es natürlich auch überhaupt keine Pflicht, Zughilfen bei jedem Satz jeder Übung einzusetzen. Deine Griffkraft wird es dir verzeihen und immer noch verhältnismäßig stark sein, selbst wenn du für den einen oder anderen Satz auf diesbezüglich unterstützendes Trainingsaccessoires zurückgreifst.

Um besser Muskeln aufzubauen, können dir Zughilfen wie folgt helfen:

  • Mehr Wiederholungen mit demselben Gewicht: Du kannst beim Kreuzheben ohne Zughilfen sechs Wiederholungen mit 180 Kilo bewältigen. Das ist gut, doch mit Zughilfen schaffst du sicherlich ein paar Reps mehr. Was ist wohl für Kraftzuwachs und Muskelaufbau wichtiger? Richtig, die zusätzlichen Wiederholungen!
  • Mehr Gewicht für die gleiche Anzahl an Wiederholungen: Das Beispiel bleibt dasselbe. Wenn du beim Kreuzheben ohne Zughilfen normalerweise 180 Kilo für sechs Wiederholungen schaffst, werden es mit Zughilfen vielleicht 185 oder gar 190 Kilo für die gleichen Reps. Du bist schließlich kein Wettkampf Powerlifter, also wen interessiert es, ob du Equipment verwendest oder nicht?
  • Trainingsvolumen erhöhen: Mit Zughilfen ist es möglich, noch einen weiteren kompletten Satz zu absolvieren, auch wenn die Griffkraft nachlässt. Oft ist die Zielmuskulatur nicht der limitierende Faktor. Man kann beispielsweise einige Sätze Klimmzüge, Rudern oder Kreuzheben ohne Zughilfen ausführen und dann einen Satz als Bonus mit Unterstützung anhängen.
  • Bei bestimmten Übungen das Trainingsvolumen steigern: Christian Thibaudeau hat bereits mehrfach angesprochen, dass Zughilfen beim Kreuzheben die neuralen Anforderungen verringern und man dadurch entweder das Volumen oder die Frequenz nach oben schrauben kann. Im Grunde genommen heißt dies, dass Zughilfen deinem sensiblen ZNS (Zentralnervensystem) eine Pause gönnen, da Übungen, bei denen die Griffkraft eine übergeordnete Rolle spielen, in diesem Zusammenhang sehr fordernd ist.

Neben Flüssigkreide sind es vor allem Zughilfen, die beim typischen Bodybuilding Training einige Vorteile liefern können.


Die vier oben genannten Tipps, sind einer Sache dienlich, die große Teile der Studiogänger priorisiert anstreben: Muskelaufbau. Man muss sich demzufolge ernsthaft die Frage stellen, aus welchen Gründen man das Fitness Studio aufsucht. Steht das Muskelwachstum ganz oben auf der Liste oder gehöre ich zur absoluten Minderheit, die an einem streng reglementierten Sport wie dem Powerlifting ohne Equipment teilnehmen will?

Wer tatsächlich im Kraftdreikampf starten und beim Wettkampf selbst keine Zughilfen benutzen darf, der sollte logischerweise auch im Training weitestgehend auf sie verzichten. Geht es einem ausschließlich um die Ausprägung der Griffkraft, gilt selbiges. Für alle anderen sind Zughilfen allerdings eine geeignete Methode, um muskuläre Fortschritte zu erzielen.

Man muss nur einmal ins kalifornische Gold’s Gym gehen, wo sich die besten Bodybuilder der Welt die Klinke in die Hand geben. Dort greift nahezu jeder auf Zughilfen zurück und streicht körperlich dennoch beachtliche Fortschritte ein. Auch die Unterarme jener Athleten sind meist monströs, weshalb sie mit gutem Grund nichts darauf geben, dass irgendein Trainer, der aus einer völlig anderen Sportart kommt, Zughilfen als Fluch betitelt.

Auf welche Art von Zughilfen man zurückgreift, ist grundsätzlich jedem Trainierenden selbst überlassen. Häufig werden kürzere Varianten empfohlen, was durchaus sinnvoll ist, da es in der Regel keine Notwendigkeit gibt, die Langhantel fünf Mal zu umwickeln. Ob die Zughilfen nun aus Leder oder Stoff sind, spielt letzten Endes keine allzu große Rolle. Wichtig ist, dass man gut mit ihnen klar kommt und sie vor dem anstehenden Satz problemlos auch einhändig anlegen kann!


Quelle: t-nation.com/training/tip-no-need-to-hate-on-lifting-straps

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